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Umgang mit ADHS beim erwachsenen Partner

T
Hallo,
bei mir wurde vor etwa vier Jahren, also bereits im Erwachsenenalter, ADHS diagnostiziert. Dazu würde ich gerne auch etwas sagen.

Zitat von SteffEff:
gerade ist es wieder sehr anstrengend . Sie hat super viele Ideen, ist beschleunigt, nimmt am WE nicht ihr Ritalin, will immer viel machen, schickt mir viele KurzVideos über Insta. Oft zum Thema ADHS.


Ich verstehe sehr gut, wie es ist, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Gleichzeitig kann ich nachvollziehen, dass man als Mensch, mit dem all diese Gedanken und Erkenntnisse geteilt werden, von dieser Intensität überfordert sein kann.
Deshalb ist Abgrenzung wichtig, wenn es zu viel wird. Ich glaube, jeder Mensch mit ADHS kennt das Gefühl, manchmal als „zu viel“ wahrgenommen zu werden.

Wenn man sich gerade intensiv in einem Thema verliert, besonders in eines, das eng mit der eigenen Identität verknüpft ist, merkt man oft viel zu spät, wie viel man seinen engsten Vertrauten damit abverlangt.

Dabei sind beide Bedürfnisse wichtig: das Bedürfnis, das zu teilen, was einen bewegt, und gleichzeitig das Bedürfnis des anderen nach Ruhe und Entlastung.
Manchmal glauben Partnerinnen oder Partner, sie müssten das einfach aushalten. Das ist aber nicht der Fall. Angemessen zu kommunizieren, bevor man selbst am Limit ist, ist meiner Meinung nach der Schlüssel.

Zitat von SteffEff:
Und ich darf sich kaum wegen dem ADHS kritisieren. Da ist sie sehr empfindlich.


Meiner Partnerin hat ein Perspektivwechsel sehr geholfen.
Menschen mit ADHS, besonders diejenigen, die ihre Diagnose erst spät erhalten haben, sind oft ihr ganzes Leben mit dem Gefühl durch die Welt gegangen, dass etwas mit ihnen nicht stimmt.
Das ist nicht nur die eigene Wahrnehmung, sondern auch das, was von außen gespiegelt wird:

„Warum bist du so chaotisch, sprunghaft, faul oder vergesslich?“

„Warum strengst du dich nicht mehr an?“

„Warum bist du nicht ordentlicher oder pünktlicher?“

Diese Liste ließe sich nahezu endlos fortsetzen.

Wenn dann Kritik von einem Menschen kommt, der mich bewusst gewählt hat, dem ich vertraue und bei dem ich mich angenommen fühle, kann das manchmal schwer auszuhalten sein.
Was mir persönlich dabei hilft, ist eine etwas angepasste Kommunikation. Gleichzeitig versuche ich, Kritik nicht als Infragestellung meiner Person zu verstehen, sondern als Hinweis auf ein konkretes Verhalten.
Viele Grüße,
Talu

x 4 #16


S
Zitat von taluran:
Hallo, bei mir wurde vor etwa vier Jahren, also bereits im Erwachsenenalter, ADHS diagnostiziert. Dazu würde ich gerne auch etwas sagen. Ich verstehe sehr gut, wie es ist, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Gleichzeitig kann ich nachvollziehen, dass man als Mensch, mit dem all diese Gedanken und ...

vielen herzlichen Dank Talu ! Dein Post ist richtig gut und entlastet mich etwas 🤝

Ich hab sie gestern sehr unmittelbar mit ihren Defiziten konfrontiert, weil es mich einfach unglaublich stresst 😱 . Und ich weiss, wie schwer ihr das fällt, das ich sie da kritisiere. Aber ich muss mich da auch um meinen Haushalt kümmern.

Wir haben jedoch sehr offen kommuniziert. Jeder hatte Sprechzeit 15 Min. und so...

Am Ende kamen wir leider nicht richtig gut zusammen 🤔 . Es bleiben die Unterschiedlichkeiten. Sie hat mir gesagt, das sie sich bemühen will, ihr Verhalten anzupassen. Das sie aber zum Großteil erst mal so weiter bleiben wird, wie sie ist.
Das wäre meine Aufgabe, das zu akzeptieren (meine Interpretation).

Dazu bin ich (nach 1,5 Jahren) aktuell mehr in der Ernüchterungsphase und sie noch mehr in der Honeymoon-Phase. Da stehen wir also auch an unterschiedlichen Stellen.

Es ist verzwickt.

#17


A


Umgang mit ADHS beim erwachsenen Partner

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Winza
Zitat von SteffEff:
Ich hab sie gestern sehr unmittelbar mit ihren Defiziten konfrontiert,

Hmmm.

Du siehst es als Defizit.
Wie wäre es mit neurodiverse?

Würde ich das Obige hören würde ich innerlich zumachen.

x 2 #18


alleswirdbesser
Zitat von SteffEff:
Es bleiben die Unterschiedlichkeiten. Sie hat mir gesagt, das sie sich bemühen will, ihr Verhalten anzupassen. Das sie aber zum Großteil erst mal so weiter bleiben wird, wie sie ist.
Das wäre meine Aufgabe, das zu akzeptieren (meine Interpretation).

Hmmm, irgendwie kann ich ihren Standpunkt verstehen. Sie hat die Diagnose ja erst kürzlich bekommen und setzt sich gerade mit ihrem Ist-Zustand auseinander, findet jetzt Erklärungen für dies und jenes und hat womöglich immer wieder ihre Aha-Erlebnisse „Ach, deshalb ist das so…“ Dass sie jetzt sofort etwas umstellt, ist glaube ich zu früh verlangt. Aber sie hat zumindest mal gesagt, dass sie sich bemühen würde.

Welche Dinge hast du denn angesprochen? Wie realistisch ist die Erfüllung/Umstellung? Wie arg müsste sie da was leisten?

Ich denke auch, dass just im Moment sie so bleiben wird wie sie ist, die Veränderungen kann sie erst in Schritten bewältigen, das was in ihrer Macht steht und das geht nicht von heute auf morgen. Sie ist ja ihr Leben lang so wie sie ist, nur weil sie jetzt weiß was sie hat, kann sie nicht sofort ein anderer Mensch sein.

Im Grunde braucht sie wenn, dann einen Partner, der mit ihren Besonderheiten umgehen kann. Überlege dir gut, ob das bei dir der Fall ist. Und das meine ich nicht negativ, ich selbst könnte auch nicht mit allem umgehen, was ein anderer mitbringt. Dass die Liebesgeschichte, die mich hierher geführt hat, ein Ende hatte, war nicht ohne Grund. Heute bin ich froh, dass es nicht so lange gedauert hat und mir die Entscheidung abgenommen wurde. Ich glaube nicht, dass ich auf Dauer mit seinen Problemen hätte leben können.

x 1 #19


Winza
Zitat von alleswirdbesser:
irgendwie kann ich ihren Standpunkt verstehen. Sie hat die Diagnose ja erst kürzlich bekommen und setzt sich gerade mit ihrem Ist-Zustand auseinander, findet jetzt Erklärungen für dies und jenes und hat womöglich immer wieder ihre Aha-Erlebnisse „Ach, deshalb ist das so…“ Dass sie jetzt sofort etwas umstellt, ist glaube ich zu früh verlangt. Aber sie hat zumindest mal gesagt, dass sie sich bemühen würde.

Genau so.
Danke für diese Aussage.

Das kann ein Schock sein und dann beginnt das Überlegen.
Man sichtet vergangene Ereignisse, überlegt wann hat es mit Adhs zu tun, wann spielt es keine Rolle.
Und das dauert.
Da wird das bisherige Leben nochmal überdacht.

Ich hab im Moment den Eindruck, dass du @SteffEff manchmal überfordert bist.
Du kannst versuchen, Informationen zu bekommen, es gibt so viel dazu im Netz.
Es ist nicht nur an deiner Partnerin sich zu ändern und immer ihre tabletten zu nehmen.
Neurodiversität bleibt ein Leben lang.
Im besten Fall trifft man sich in der Mitte.
Ihr könntet soviel miteinander ausmachen, z. Bsp. bestimmte Wörter wenn du eine Pause brauchst.

x 2 #20


Catalina
Zitat von SteffEff:
Ich hab sie gestern sehr unmittelbar mit ihren Defiziten konfrontiert, weil es mich einfach unglaublich stresst

Das ist vermutlich das Problem, dass du sie nur noch als defizitär betrachtest. Ich meine, du hast sie doch genau so kennengelernt und jetzt wirfst du ihr vor, dass sie so ist, wie sie ist. So richtig fair ist das nicht.

Ich hab selber ADHS (aber die hypoaktive Variante) und wurde auch erst vor ein paar Jahren diagnostiziert. Mein Partner nimmt mich so, wie ich bin, mit all meinen "Special Effects" und stört sich da überhaupt nicht dran. Für ihn bin ich halt so und so hat er mich lieben gelernt. Er sagt auch, dass er mich nicht anders würde haben wollen.

Wenn ich mir jetzt vorstelle, ich bin frisch diagnostiziert, hab damit zu tun, mich damit auseinanderzusetzen und dann kommt mein Partner und hält mir vor, wie sehr ich ihn mit meiner Art nerve und dass ich mich bitte jetzt, wo ich ja die Diagnose habe, ändern soll...naja das käme bei mir weder besonders liebevoll noch empathisch an.

Wenn du mit ihrer Art auf Dauer nicht zurecht kommst, musst du die Konsequenzen ziehen, aber du kannst nicht von ihr erwarten, dass sie sich ändert, um dich nicht mehr zu nerven.

x 3 #21


E
Zitat von SteffEff:
Dazu bin ich (nach 1,5 Jahren) aktuell mehr in der Ernüchterungsphase und sie noch mehr in der Honeymoon-Phase. Da stehen wir also auch an unterschiedlichen Stellen.

Ich denke, dass das eher der Grund ist und nicht ihr ADHS.

In der Ernuechterungsphase ist es oft so, dass das, was früher als positiv empfunden wurde, als negativ empfunden wird.

Beispiel: die so tolle Spontaneität des anderen wird als Unzuverlässigkeit empfunden, seine/ihre Großzügigkeit als Verschwenderisch-sein etc. Es gibt sehr viele Beispiele dieser Art.

Dass die rosarote Brille einem abhanden kommt, halte ich für normal und entweder wird aus Verliebtheit mit der Zeit Liebe, oder es ist die Zeit, die Beziehung zu überdenken.

Wenn man ständig genervt ist, sollte man meiner Meinung nach gehen. Der andere hat das Recht, so zu sein, wie er ist. Egal ob das mit einer Diagnose verbunden ist, oder nicht.

x 2 #22


Winza
https://praxis-neuy.de/adhs/

https://www.adxs.org/de/page/15/kurzfas...s-ist-adhs

x 1 #23


A
@SteffEff Naja, es ist auch an dir, es NICHT akzeptieren zu müssen. „Mein Kandidat“ hat mir allen Ernstes mal empfohlen, ich könnte ja immer Torte essen, wenn er mich stresst - vielleicht wär das die Lösung des Problems - Frustfressen beruhigt und gut ist oder so. Na freilich, ich werd dick und sterbe dann verfrüht an Herzverfettung oä - mag nicht mal Süßes -, damit er unkommentiert und beschwingt mit mir seinem unsagbaren Chaos frönen kann. Sicher nicht. Da hätt ich eher noch zu saufen angefangen - stand für mich dann aber auch nicht dafür. 😉

#24


S
Danke für Eure Hinweise und Gedanken. Ja, derzeit bin ich vor allem überfordert 😩 .

Vor 3 Wochen habe ich deshalb eine Selbsthilfegruppe aufgesucht, um mich weiter zu informieren. Dort hab ich mit Direkt-Betroffenen zu tun und habe meine Fall vorgestellt. Sogar ADHS´ler sagen, das ein Zusammenleben mit Ihnen anstrengend bis quälend sein kann. (Original Aussage).

Wie gesagt, im Moment habe ich leider nur ihre Definzite vor meinem inneren Auge . Ich weiß, das dies nur die halbe Wahrheit ist. Aber es fordert mich einfach sehr heraus aktuell. Ich möchte gern um diese Beziehung kämpfen, weil SIE mir super wichtig ist. Aber aktuell zieht es mir den Stecker.

Anmerkung: Nebenwirkungen vom Ritalin hatte sie bis jetzt keine 👍 . Die Erklärung, warum sie ihr Med. an freien Tagen oder am WE nicht nimmt: Ich möchte mich gar nicht dran gewöhnen.

#25


Winza
@SteffEff
Zitat von SteffEff:
Sogar ADHS´ler sagen, das ein Zusammenleben mit Ihnen anstrengend bis quälend sein kann. (Original Aussage).

Kann.
Muss aber nicht.
Jeder ist da anders.
Und in Kombination mit den jeweiligen Partnern ergeben sich daraus so viele Möglichkeiten von Interaktion.
Und es dauert oft bis man die richtige Medikation gefunden hat.

Zitat von SteffEff:
Ich möchte gern um diese Beziehung kämpfen, weil SIE mir super wichtig ist. Aber aktuell zieht es mir den Stecker.

Vielleicht gehst du von dem Begriff des Kämpfen weg und nutzt dafür Regeneration.
Nimm dir eine Auszeit.
Kommuniziere ihr gegenüber das so.
Du brauchst vielleicht auch ein paar Tage um dieses Thema neu zu denken und zu betrachten.

#26


S
Zitat von Winza:
@SteffEff Kann. Muss aber nicht. Jeder ist da anders. Und in Kombination mit den jeweiligen Partnern ergeben sich daraus so viele Möglichkeiten von Interaktion. Und es dauert oft bis man die richtige Medikation gefunden hat. Vielleicht gehst du von dem Begriff des Kämpfen weg und nutzt dafür Regeneration. Nimm ...

sie ist jetzt 4 Tage unterwegs mit ihren Kids. Wir haben uns sowieso darauf verständigt, das wir in dieser Zeit mal beide Off gehen und Montag erst wieder telefonieren.
Das ist für mich eine gute Chance, runter zu fahren 😌 .

#27


A


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