Zitat von Eisbeere:
Ich denke, dein Freund überschätzt sich. Er glaubt, sein Problem selbst kontrollieren zu können. Verzichtet auf Hilfe, setzt Medikamente an oder ab, wie er gerade denkt. Verordnet sich Urlaub, erklärt womöglich selbst alles schön und gut. Ich würde dringend darauf pochen, das unter ärztlichem Beistand/Kontrolle geschehen zu lassen.
Hallo, Eisbeere,
Da du es so direkt ansprichst: Sicher sein kann man sich da ja offenbar nie.
Es beunruhigt mich ebenso, dass er seine Medis selbst "dosiert" hat. Nun aber nimmt er sie überhaupt nicht mehr. Seit über 3 Monaten. Gleichwohl beschleicht mich aber auch das Gefühl, dass eben das aktuelle Medikament (Mirtazapin 30 mg!) nicht unbedingt das richtige ist. Jedenfalls nicht mehr. Er nimmt es seit mehr als 6 Jahren und fühlt sich einfach nicht gut oder besser damit. Ausser, dass er Alpträume hat, noch mehr geschlafen hat als jetzt und sich "gedämpft" fühlte. Ich bin kein Arzt, aber ich weiß, dass 30 mg dieses AD sehr heftig sind als "Schlafanstoß"!.
Zitat von Eisbeere:Müdigkeit und Schläfrigkeit sind bei Depressiven meine ich, nicht einmal selten. Manchmal kommen Antriebsarmut, Lethargie, negative Interpretation realer Situationen erschwerend hinzu. Aber da gibt es wohl viele Facetten, mitunter wechseln sich Probleme munter miteinander ab. Ich würde eher von in Abständen schwankenden Situationenen, unsicherer Entwicklung und ungewißem Ende ausgehen.
Seine Lebensituation hat sich (durch mich) geändert. Solange er nur alleine lebte, konnte er tagsüber nach der Arbeit oder am Wochenende pennen wie er wollte und nahm die Medis abends als Einschlafhilfe ein. Niemanden interessierte das. Dasselbe betrifft seinen Tagesrhythmus: keine festen Essenszeiten, keinen strukturierten Tagesablauf unter der Woche, sobald er von der Arbeit kam. Jetzt ist das anders. Er isst regelmäßiger, öfter, mehr, schläft tagsüber weniger und seltener, nimmt deutlich mehr am (Aussen-)Leben teil. Am Wochenende steht unser Zusammensein im Mittelpunkt. Wir unternehmen oft etwas zusammen, gammeln aber auch gerne mal einen ganzen Tag vor der Glotze ab.
Was mich noch etwas beunruhigt ist, dass er jetzt, im Urlaub, durchaus immer noch bis zu 12 h Nachtsschlaf benötigt.
Zitat von Eisbeere:Von den Beiträgen her überlegt, sehe ich jedenfalls nicht Land in Sicht. Natürlich kann auch sein, daß sich einiges logisch erklären läßt. Vielleicht ist er besonders müde, weil er zuviel arbeitet. Zeitliche Anspannung kann schnell in körperlichen Streß ausarten, wenn man keinen eingespielten Rhythmus hat. Insgesamt würde ich raten, weiter von einem depressiven Verlauf auszugehen.
Und ja, die Depression als Krankheit ist sicher nicht zu leugnen oder wegzureden. Auch, wenn er sagt, es geht ihm gut. Gestern Abend bzw. letzte Nacht waren wir bis 1.30 wach. Es war - das muss ich zugeben - auch etwas Alk. dabei, er hat sich nachmittags nämlich sehr über das Verhalten seiner Exfrau geärgert und wir haben lange darüber geredet. Irgendwann hörten wir dann noch was Musik und er fing plötzlich an zu weinen. Er sagte, es gäbe Dinge, die könne er mir einfach noch nicht erzählen. (Wenn du meine Posts hier verfolgt hast, weißt du, was er in seiner Kindheit, Jugend etc. erlebt hat...wer weiß, was da noch für Knaller passiert sind, aber will ich das wirklich wissen?) Ich nehme an, damit hing sein "Weinanfall" zusammen, als er ein bestimmtes Lied hörte. Andererseits, wenn ich was getrunken habe, werde ich auch schon mal sentimental und fang an zu heulen, geht so Richtung "Weltschmerz".
Zitat von Eisbeere:Wobei sich eine Depression soweit ich weiß, durchaus in verschiedenen Stadien ("Schüben") bemerkbar machen kann. Das heißt, wenn es gerade einmal schön zu werden beginnt, kann man sich nicht sicher sein, ob im nächsten Moment nicht doch wieder alles anders ist.
Sowas habe ich in 6 Monaten, die ich mit ihm zusammen bin, noch nicht erlebt. Allerdings besteht durchaus die Möglichkeit, dass er mir sowas vorenthält. Er betont oft, dass er kich mit bestimmen Dingen nicht belasten will. Da geht es häufig um seine Exfrau und den Ärger, den sie ihm macht. Bezieht sich nicht immer nur auf mich als Konkurrentin.
Aber es gibt Phasen - wenn wir nicht zusammen sein können - wo er natürlich durchaus was ganz anderes erzählen könnte (texten), als tatsächlich gerade los ist. Wenn er etwa mehrere Stunden nicht antwortet, dann erklärt er das später mit Dingen, die er zu tun hatte. Es kann aber natürlich genauso gut sein, dass er stattdessen auf dem Sofa liegend die Decke anstarrt.
Insgesamt ist er schon der sensible und fürsorgliche Typ. Oft etwas zu sehr, er sagt, er habe schon manchmal Verlustängste, träumt manchmal wirres Zeug, ich würde ihn verlassen (er erzählt mir das aber auch) oder kriegt feuchte Augen, wenn wir uns verabschieden müssen. All das kommt mir aber nicht "krankhaft" vor.