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Umgang mit depressiven Partner - was hilft uns?

skully

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Ergänzung zu meinem Post "Sein Verhalten ist distanziert - wie verhalte ich mich?"

Nachdem wir nun schon eine Weile zusammen sind, hat sich eine neue Situation bzgl. meiner bisherigen und immer wieder mal auftauchenden "Zweifel" und "Unsicherheiten" was ihn betrifft ergeben, die, wie ich finde, durchaus relevant sind und einiges erklären. Ich bin mir eben nie sicher. ob ein "Ich leibe Dich" so gemeitn ist, oder ob er es sagt, weil ich es hören will. .

Also, ich weiß jetzt, er leidet unter Depressionen. Bedingt durch ein länger zurück liegendes Trauma familiärer Ursache (seine Mutter ist während seiner Abwesenheit bei einem Wohnungsbrand ums Leben gekommen und seine Gedanken kreisen oft darum, ob es anders ausgegangen wäre, wenn er da gewesen wäre, ob es vielleicht auch Brandstiftung, Selbstmord und eben kein Unfall gewesen ist etc. ) Er hatte das anfangs schon mal erwähnt, aber ich hätte sein Verhalten nie in erster Linie damit in Verbindung gebracht. Mittlerweile habe ich mich da etwas schlau gemacht und weiß nun, dass er (abends!) Medikamente (Mirtazapin) nimmt, die ihn sehr schnell müde machen und er dann wirklich spontan einschläft. Darum auch abendliche Einnahme und darum ist er relativ früh abends "einfach weg" und chattet nicht mehr weiter.

Nun versuche ich sein Verhalten mir gegenüber also anders einzuordnen. Mein Problem dabei ist, dass ich nicht wirklich unterscheiden kann, was nun von der Krankheit her rührt oder was einfach seinem "wahren" Wesen entspricht.

Ich meine, es ist schwer für mich zu unterscheiden, ob er etwas tut oder sagt, weil ich es erwarte, oder ob er wirklich so empfindet. Oft sind ihm Dinge egal, er richtet sich oft und gerne nach mir, überlässt mir die Entscheidungen, kurz, er meidet Konflikte und geht Diskussionen aus dem Weg. Einerseits sehr "harmonsich", andererseits aber machen auch ein paar "Reibungen" eine Beziehung aus und interessanter.

Manchmal wirkt er etwas abwesend, desinteressiert, bedrückt. hat mir aber durchaus immer zugehört, nur kommt das bei mir so an, als bemühe er sich nur, mir zu gefallen, mich nicht zu belasten etc. Ich frag ihn dann manchmal, ob alles ok ist, ihn etwas beschäftigt worüber er reden will, aber meist sagt er dann "Nein, alles ok, mir geht es gut. Wirklich!"

Gestern schrieb er mir, als ich ihm meine Zweifel andeutete, er sei glücklich, ich täte ihm gut und ganz sicher würde er es sich nicht anders überlegen (mit unserer Beziehung) und ich solle ihm ruhig sagen, wie ich mich fühle.

S. gesehen reicht die Skala von "übertrieben ausgiebig" bis hin zu "unterwürfig - gleichgültig", aber nie langweilig. Orga.? Ist ihm nicht wichtig, wichtig ist, dass ich einen habe. Nun, ich wünsche mir, dass es ihm auch Spaß macht. Es ist aber durchaus so, dass er "kommt", aber eben selten. Manchmal aber, scheitn er absolut kein Interesse an s. oder auch nur zärtlichen Kontakt zu haben. Zufällige oder beiläufige Berührungen gehen meistens von mir aus, seltenst von ihm. Ganz am Anfang hat er nicht mal meine Hand genommen, wenn wir unterwegs waren, immerhin tut er es mittlerweile - es ist nun doch selbstverständlich geworden. Trotzdem bin ich nie sicher, möchte er das überhaupt?

Hat jemand von Euch Erfahrungen / mit depressiven Männern in einer Liebesbeziehung? Gibt es irgendetwas, was ich beachten sollte oder was mir / ihm / uns hilft, damit umzugehen? Gibt es Dinge ich ich beser lassen sollte?

Es fühlt sich manchmal so an, als dringe ich nicht ganz zu ihm durch, ich will nicht von einer "Mauer" zwischen uns reden, aber eine Art "Folie", die ich nicht überwinden kann. Mir fehlt das Gefühl von echter Nähe, trotzdem meine ich immer, ich bin nur ganz kurz davor. versteht mich jemand?

04.10.2017 11:58 • x 3 #1


Killian

Killian


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Er ist mit Dir zusammen, stellt Dich eigentlich nicht in Frage und Eure Beziehung auch nicht. Im ist sogar Deine Höhepunkt wichtiger als seiner und wenn das keine Liebe ist, dann weiss ich auch nicht.

Da wirst Du emotional instabil obwohl Du ja Fakten und Verstand hast der Dir sagt er liebt Dich. Deine eigene Emo stellt das in Frage und kannst es nicht steuern, genauso wenig wie er seine durch die Depression.

Lass die Fakten sprechen und den Verstand, gerade bei Depressiven darfst Du kein Emotier sein weil da gehst kaputt leider und tust ihm bzw. Euch auch Unrecht.

Depression ist halt nun mal ne schwere Sache und wäre sie das nicht, dann wäre es nur nen Spass und eben keine Krankheit oder Störung und gäbe auch keine Mittel dagegen.

Muss man akzeptieren lernen und sich selber abhärten und stabilisieren und sich emotional da nicht von einem emotional gestörten Partner abhängig machen in der eigenen Wahrnehmung usw.

Ist schwer und verlangt viel Kraft, ist für die Depressiven nicht leicht und die Partner auch nicht aber denke hat er sich nicht ausgesucht und Du weisst es besser und kannst auch besser und leichter was ändern der Liebe wegen durch Erkenntnis und Verständnis oder musst eben gehen.

Richtig ist das man emotional immer mitschwingt wie man sich auch schlecht fühlt wenn es dem Partner nicht gut geht. So ist das leider, nu gehts ihm in Schüben durch die Depression nicht gut und Du schwingst mit, fühlst Dich auch schlecht oder kannst die Umschwünge nicht einordnen richtig. Versuche sie einzuordnen als das was sie sind, Störung und hat mit Dir nichts zu tun und er ist da und zeigt Dir seine Liebe total.

Und man sollte sie auch ernstnehmen zb. wenn sie sagen sie wollen die Beziehung nicht mehr weil sie dem Partner nicht gerecht werden können, sich schlecht fühlen und das nicht mehr wollen. Sagen Depressive da sehr oft sehr ehrlich wenn sie überfordert und überlastet sind. Dann braucht man auch keine Emotour mehr fahren oder denken ist nur Krankheit die da spricht. Sind ja keine Idioten und auch nicht willenlos und oft ne reife Entscheidung wofür auch Partner dankbar sein sollte.

Und uns hilft wirklich nur Wissen um die Krankheit, Wissen um uns selbst, Emo lernen zu beherrschen anstatt uns von ihr beherrschen zu lassen und mit ihnen zu reden, wenn sie können.

04.10.2017 12:47 • x 3 #2



Umgang mit depressiven Partner - was hilft uns?

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Killian

Killian


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Und was man nicht machen sollte und was hilft, nicht versuchen den Partner zu sehr zu analysieren. Glaub mir, man verliert den Respekt vor dem Anderen. Sieht den irgendwann auch nicht mehr als Partner auf der selben Stufe sondern eher als kleines hilfloses und bedürftiges Kind. Strahlt das auch aus und nimmt sie nicht mehr für voll. Man wird dann eher zum Möchtegern-Therapeuten, zur Mama oder Papa und ist dann eh Ende irgendwann inkl. Abhängigkeit und Selbstquälerei.

Aber eben blos nicht mehr mitschwingen emotional weil durch diese kranken Wechsel in der Emo, unser Hirn kann das nicht, werden wir selber krank ohne gesunden Abstand und landen dann auch in der Depression und damit ist Keinem geholfen.

04.10.2017 13:09 • x 2 #3


_Konstantin


Hi skully,

deine Geschichte zeigt trotz aller Besonderheiten der Geschehnisse ein sehr wohlwollendes Miteinander, auch wenn es nicht immer einfach ist.

Er hat den Tod seiner Mutter noch nicht wirklich verarbeiten können und hilft sich mit Medikamenten, das zu bewerkstelligen. Aber er steht zu Dir, er nimmt sich zurück und zeigt, dass er Dich mag und liebt. Du bist ihm wichtig, ein wichtiger Teil, der ihm hilft und Unterstützung gibt. Vielleicht kann er Dir es nicht so zeigen, wie Du es gerne erwarten würdest, aber - lies mal, was Du geschrieben hast - die vielen kleinen Gesten, Aufmerksamkeiten, die er Dir entgegenbringt.

Auch Du zeigst ihm deine Zuneigung. Er schätzt es, weiß das und achtet darauf, dass ihr eure gegenseitigen Aufmerksamkeiten pflegt. Auch wenn Du dir manchmal ein kontroverses Gespräch wünschst - es scheint, es ist nicht sein Ding. Aber das ist meiner Meinung nach kein Zeichen von Interesselosigkeit oder ähnlichem.

Sei nicht ungeduldig. Meiner Meinung sind es deine Wünsche, die Du nicht in jeder Hinsicht erfüllt bekommst. Aber was viel wichtiger ist - Du hast einen Mann an deiner Seite, der Dich gerne begleitet und Dich zu schätzen weiß. Der liebevoll mit Dir umgeht, auch wenn Du dir manches mehr wünschen würdest. Es wird der Tag kommen, wo sich auch deine Wünsche immer mehr verwirklichen. Den größten Fehler, den wir Menschen haben, ist Ungeduld. Gebt Euch Zeit.

Vertraue in eure Beziehung. Du solltest keinen wirklich ernsthaften Grund haben, daran zu zweifeln.

04.10.2017 13:20 • x 4 #4


skully


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@Killian

Lieber Killian,

vielen Dank für deine Worte, Sie helfen mir durchaus weiter. Ich bin nur noch nie in einer solchen Beziehung gewesen und hab vermutlich Angst, etwas falsch zu machen, alles falsch zu verstehen, falsch zu reagieren und will doch auch nur, dass wir glücklich sind. Es sind eben oft auch nur ein paar Momente, die mich irritieren, wo ich denke, eigentlich wäre das oder jenes jetzt doch normal...oder nicht Aber wieso passiert das nicht?

Wie ich schon sagte, als Beispiel: er nahm nie von sich aus meine Hand - ich halte das aber für normal - als ich es aber konsequent tat, tut er es seitdem auch. Er lässt sie fast nicht mehr los.

Er wirkt nicht schlecht gelaunt, traurig oder depressiv im engeren Sinne, nur manchmal etwas abwesend, gleichgültig (beziehe das dann leider gern auf mich), aber trotzdem kann er auch sehr fröhlich, lustig und emotional sein. Es überascht mich dann nur etwas

Bitte versteh mich richtig, ich möchte nur nicht der Grund für eine "Episode" sein, deswegen fragte ich nach "richtigem" Verhalten. Bisher hab ich mich ganz normal verhalten ihm gegenüber. Auch etwas aus Unwissenheit vermutlich. Habe auch nicht vor das zu ändern, möchte aber auch nichts falsch machen.

04.10.2017 13:30 • x 1 #5


skully


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[quote="_Konstantin"].... Den größten Fehler, den wir Menschen haben, ist Ungeduld. Gebt Euch Zeit.

Vertraue in eure Beziehung. Du solltest keinen wirklich ernsthaften Grund haben, daran zu zweifeln.[/quot

@Konstantin

Danke, es tut gut so eine Einschätzung zu lesen. Ich möchte ja gerne daran glauben und darauf vertrauen.
vermutlich liegt es ja nicht mal an ihm (und der depression) sondern an mir.

Nach einigen gescheiterten Beziehungsversuchen in recht kurzer Zeit, in die ich aber sehr viel Vertrauen investiert hatte, aber fürchterlich enttäuscht wurde, ist das Ergebnis jetzt wohl ein mangelndes Selbstwertgefühl meinerseits. Ich suche wohl gerade verstäkrt Bestätigung. Sicher gibt sich das mit der Zeit.

Aber als ich mich jetzt mit dem Thema Depressionen auseinander setzen musste, kam in mir eben kurz der Gedanke, bitte nicht wieder so kompliziert ....

Es muss ja gar nicht kompliziert werden, aber ich weiß gerne wo ich dran bin. Insbesondere wie ich gewisse Verhaltensweisen einzuschätzen habe, denn zuletzt habe ich das Verhalten meiner Partner komplett "falsch" eingeschätzt. Darum bat ich hier um externe Einschätzungen, womit ich vielleicht zu rechnen habe und wie ich gut damit umgehen.

Ich liebe ihn ja auch und möchte nur verstehen....

04.10.2017 13:42 • #6


arjuni


Zitat:
deswegen fragte ich nach "richtigem" Verhalten.


Die Krankheit Depression kann so unglaublich vielfältig und unterschiedlich sein, wie auch die Menschen es sind, die daran erkranken. Deshalb gibt es wohl kaum ein "richtiges" Verhalten. Offen darüber sprechen und Fragen stellen - von Zeit zu Zeit, also ohne es zum Hauptthema zu machen, ist vermutlich ein guter Weg. Zuhören, versuchen zu verstehen und - GANZ WICHTIG - bitte KEINE Tipps geben!

Auch Dich von Anfang an von der Idee verabschieden, dass Du ihm irgendwie helfen kannst oder gar ihn gesund machen.

Zitat:
Bisher hab ich mich ganz normal verhalten ihm gegenüber.


Das ist wohl das Beste, was Du tun kannst. Ich würde auch schauen, dass Du nicht jedes Verhalten von ihm, das Dir nicht so gut gefällt, mit der Depression entschuldigst. Du darfst trotzdem Deine Bedürfnisse nach Verlässlichkeit etc. weiterhin kommunizieren. Natürlich möglichst ruhig und sachlich in Ich-Botschaften. Achte außerdem darauf, dass Du bei Dir bleibst, gut für DICH sorgst und weiterhin auch andere Dinge nur für Dich unternimmst, außerhalb der Beziehung.

Zitat:
Er wirkt nicht schlecht gelaunt, traurig oder depressiv im engeren Sinne, nur manchmal etwas abwesend, gleichgültig (beziehe das dann leider gern auf mich), aber trotzdem kann er auch sehr fröhlich, lustig und emotional sein.


Das ist ein Bild, das viele Menschen von Depressiven haben, dass sie traurig oder schlecht gelaunt sein müssten. Es ist jedoch bei vielen eher so, dass sich das depressive Erleben hauptsächlich im Inneren abspielt und gar nicht nach außen dringt. Es ist überhaupt kein Widerspruch, dass Depressive auch oft sehr lustig und humorvoll sind.

Hingegen kommt eine Art Gefühllosigkeit oder phasenweise starke Abschwächung von Gefühlen häufiger vor. Vielleicht kannst Du es Dir so vorstellen, dass der Betreffende dann zwar ganz sicher weiß, was er eigentlich fühlen würde/müsste, es aber nicht richtig oder gar nicht spüren kann. Das ist für die Betroffenen sehr belastend, wenn sie jemanden lieben, den Zugang zu diesen Gefühlen aber zeitweilig nicht richtig herstellen können, weil diese in ihrem Inneren irgendwie eingekapselt sind. Vermutlich ist es das, was Du spürst, wenn Du schreibst:

Zitat:
Es fühlt sich manchmal so an, als dringe ich nicht ganz zu ihm durch, ich will nicht von einer "Mauer" zwischen uns reden, aber eine Art "Folie", die ich nicht überwinden kann. Mir fehlt das Gefühl von echter Nähe, trotzdem meine ich immer, ich bin nur ganz kurz davor.

04.10.2017 13:50 • x 4 #7


_Konstantin


Hi skully

Zitat von skully:
Es muss ja gar nicht kompliziert werden, aber ich weiß gerne wo ich dran bin.


Vor dem Hintergrund deiner Erfahrungen kann ich deinen Wunsch nach Sicherheit durchaus verstehen. Wie Du es nennst "ich weiß gerne, wo ich dran bin." Das wollen wohl die meisten. Aber das ist meiner Meinung doch gar nicht so schwierig. Wenn es Unsicherheiten gibt, kann man fragen, das Gespräch suchen, wohlwollend aufeinander zugehen, wie es gemeint ist usw.

Das hat nichts Misstrauen zu tun, sondern um Aufrichtigkeit und Integrität. Doch es ist schon eine gewisse Vorsicht geboten, dass man mit seinem ständigen Wunsch " sicher zu gehen " nicht indirekt Druck auf den anderen ausübt. Mit Fingerspitzengefühl lässt sich auch das gut ordnen.

Wenn Du dir bewußt bist, warum das eine oder andere bei Dir Fragen aufwirft, sprecht miteinander, das stärkt euer gegenseitiges Vertrauen.

Versuche es, hab Mut - es wird deine Beziehung nur noch weiter vertiefen.

04.10.2017 13:51 • x 2 #8


Killian

Killian


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Danke für die lieben Worte und hoffe hast wirklich was verstanden auch wenn es Aua ist.

Lass Dich nicht verwirren, er ist eben anders, es ist leider so. Kannst Dir Antworten suchen aber verstehen musst sie auch können. Verstehe das es mit Dir nichts zu tun hat, hinterfrage Dich nicht, hinterfrage maximal wie Du Punkte angehen kannst die Dich zb. negativ beeinflussen bewusst oder unbewusst.

Menschen mit Problemen haben auch was Gutes und ne Gabe, sie können uns zeigen wo wir verwunderbar sind. Sie zeigen uns Schwächen die wir haben und wo wir abgehen und auch diese Schwächen haben Gründe und die erkennt man dann und hat auch ne Chance sie zu bearbeiten und zu verarbeiten.

Im Grund zeigen sie uns nur unsere eigene Unzulänglichkeit und dafür können wir sie nicht verantwortlich machen genauso wenig wie wir Schuld dafür haben das zb. Mama nicht mehr ist. Aber verstehen und erkennen, das ist ungemein wichtig.

Denke hast auch Deine Schwächen, bist trotzdem ok und kannst nur geben und auch aufhören wenn es Dir an die Existenz geht. Geh im Notfall, egal was ist, nur Du kannst an Dich selber denken und Dein Überleben und Dein Herz. Kann doch nicht Jemand der es nicht mal für sich selber kann.

Dann geh bitte, die einzige Wahl die wir haben. Nein zu sagen, wir müssen nix und bestenfalls wollen wir was das ok ist ohne schlechte Motivationen zb. durch eigene Schwäche.

Die Frage ist, willst Du leben oder nicht. Willst Du Freude am Leben oder ein Sterben auf Raten. Kein Mensch hat gefragt ob wir da sein wollen aber wir haben die Wahl dann, wenn es darum geht die Beziehung zu leben, im Zwang durch die Gesellschaft und den sozialen Druck oder garnicht mehr. Freude definieren wir selber und zu einem selbstbestimmten Leben gehört och Nein oder Ja zu sagen.

Weiss nicht, mein dummes Geschwurbel, nicht allgemeingültig.

04.10.2017 13:53 • #9


Ajvar


Zitat von skully:
Mein Problem dabei ist, dass ich nicht wirklich unterscheiden kann, was nun von der Krankheit her rührt oder was einfach seinem "wahren" Wesen entspricht.

Manchmal wirkt er etwas abwesend, desinteressiert, bedrückt. hat mir aber durchaus immer zugehört, nur kommt das bei mir so an, als bemühe er sich nur, mir zu gefallen, mich nicht zu belasten etc.
Wahrscheinlich weiss er selbst nicht mehr was krankhaft ist und/oder zu seinem Wesen als Charakterzug sich entwickelt hat, beides ist nicht voneinander zu trennen.

Er hat möglicherweise um mit diesem frühen Traumata überleben zu können Schutzmechanismen aufgebaut, z.B. Dissoziation u.a., dazu die Medikamente, die auf seinen Hirnstoffwechel wirken und auf sämtliche Körperfunktionen und Hormobildung Einfluss haben können.

Es gibt Selbsthilfegruppen für Angehörige Depressiver und auch die Möglichkeit gemeinsam mit seinem Arzt über seine Erkrankung zu sprechen, du kannst dich über seine Erkrankung informieren und davon ausgehen, dass sein Verhalten überwiegend mit seinem Trauma, der daraus resultierenden Erkrankung, den Medikamenten und der vielleicht fehlenden Erfahrung von Nestwärme entstanden sind weil die Mutter schon früh fehlte.

Bedränge ihn nicht zu sehr, er kann es als Druck empfinden und weiss möglicherweise selbst nicht so genau was mit ihm geschieht, eine Therapie kann helfen, gesunde Ernährung, Sport, Entspannungsübungen und tolles gemeinsames Hobby trägt mit zur Besserung bei.

Alles Gute !

04.10.2017 13:54 • x 2 #10


skully


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[quote="arjuni"]
Das ist ein Bild, das viele Menschen von Depressiven haben, dass sie traurig oder schlecht gelaunt sein müssten. Es ist jedoch bei vielen eher so, dass sich das depressive Erleben hauptsächlich im Inneren abspielt und gar nicht nach außen dringt. Es ist überhaupt kein Widerspruch, dass Depressive auch oft sehr lustig und humorvoll sind.

Hingegen kommt eine Art Gefühllosigkeit oder phasenweise starke Abschwächung von Gefühlen häufiger vor. Vielleicht kannst Du es Dir so vorstellen, dass der Betreffende dann zwar ganz sicher weiß, was er eigentlich fühlen würde/müsste, es aber nicht richtig oder gar nicht spüren kann. Das ist für die Betroffenen sehr belastend, wenn sie jemanden lieben, den Zugang zu diesen Gefühlen aber zeitweilig nicht richtig herstellen können, weil diese in ihrem Inneren irgendwie eingekapselt sind. Vermutlich ist es das, was Du spürst,..[/quote

@arjuni

Ich habe mich da etwas unglücklich ausgedrückt, du hast recht. Das ist das Bild, das viele von depressiven Menschen haben, ich weiß natürlich, dass es nicht so einfach ist. Du triffst es besser, als du sagst, er kann es nicht so zeigen, weiß aber, was er "sollte" und was erwartet wird.

Genau da liegt z. B. auch mein Problem. Wenn er es nicht zeigt, frage ich mich eben. Will er grade nur nicht oder kann er es gerade nicht (wegen der krankheit). trotzdem kann man ja nicht alles damit entschuldigen.
Sein Verhalten wirkt halt manchmal so "gedämpft" auf mich. Liegt das nun an der Depression oder ist das einfach seine Art?

und wie sehr "belastet" es ihn / uns, wenn ich ihm sage: "Ich möchte, dass du mir öfter zeigst, dass du mich beachtest, liebst oder dich freust mich zu sehen" Dann weise ich doch quasi auf etwas hin, was mir fehlt, er aber nicht erfüllen kann,. Und das wäre dann wieder belastend für ihn... Oder sehe ich das falsch?

Wobei er mir gestern deutlich sagte: Ich möchte dass du dich traust mir zu sage, was du fühlst.

Zudem weiß ich auch nicht, wie ausgeprägt die Depression wirklich ist und wie lange sie bereits besteht oder erkannt wurde. Ich weiß auch nicht, wie lange er schon das Medikament nimmt (übrigens finde ich die Nebenwirkkungen schon sehr krass...). Er geht nicht sehr oft zum Arzt und ich denke doch, dass so eine Einnahme regelmäßig kontrolliert werden muss? Die chronologische Einordnung ist mir eben noch nicht ganz klar. ich finde es aber auch ein sensibles Thema und ich weiß nicht, wie ich es ansprechen soll.

Ja, ich möchte es gerne ansprechen....ihm gegenüber...ich habe durchaus Fragen - ohne, dass ich es zum Hauptthema machen will. Aber ich glaube, wenn ich diesbezüglich weiß woran ich bin, kann ich anders damit umgehen und analysiere bestimmt weniger.

04.10.2017 14:09 • #11


Sonnenblume1981


Es gibt Angehörigen Gruppen, eigentlich in jeder Stadt...Wichtig ist, dass du dich mit Anderen austauschst

04.10.2017 14:13 • x 1 #12


skully


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@Konstantin

Ja, vielen Dank auch Dir.

Ich merke ja selbst wie verunsichert ich bin. Und das liegt nicht an ihm, sondern an einigen Beziehungsversuchen von mir davor. Jetzt kann ich wohl kaum seine Krankheit für meine Unsicherheit verantwortlich machen, das ist schon klar. Aber es entsteht eine gewisse Angst bei mir, gerade zu diesem Zeitpunkt, an dem ich auch etwas "labil" bin.

Ich habe ihn mal gefragt, wie äußert sich das, eine Depression? Und er antwortete, in seinem Fall mit mentalem abdriften, grübeln, Schlafstörungen. Er sei nicht suizid gefährdet, aber er ist eben manchmal "woanders".
Vorgestern erzählte er mir, dass er damals von seiner Exfrau gefunden wurde, er hatte 4 Tage nichts gegessen, insgesamt überhaupt wenig gegessen und lag auf seinem Bett, die Decke anstarrend. Er wog nur noch 51 kg (bei 1,89 m) kam in eine Klinik, seit dem bekommt er Medikamente.

Ich finde gut, dass er mit mir darüber reden kann. Und zwar meistens von sich aus. Das sit positiv, oder?Trotzdem habe ich bemerkt, dass er anfangs schon auffällig viel von sich erzählte, aber dann genau meine Reaktion abwartete - etwa, ob ich schockiert wäre. Das hat er sogar oft gefragt. Und so nach und nach kommt immer mehr aus ihm heraus, ich bekomme also nur bröckchenweise Informationen.
Etwa so: 1. er läßt einflissen, wie seine Mutter gestorben ist (da war er bereits erwachsen!) 2. er erwähnt, dass er deswegen schon therapiert wurde 3. er erklärt mir, dass er unter Depressionen leidet 4. er gibt zu, medikamente deswegen zu nehmen 5. er berichtet von einem längeren Klinikaufenthalt in der geschlossenen 6. er ist bereit, mir inhaltlich seine Situation zu erklären 7. ? Was kommt als nächstes ?

Vielleicht sichert er so die Beziehung und tastet ab, was ich aushalte? Hat er Angst, dass ICH es mir anders überlege? Die Idee kam mir heute morgen....

Daraus folgt für mich: ich würde ihm gern sagen, dass er sich da bei mir auch keine Srogen machen muss, würde ihm gerne öfter sagen und zeigen (als er mir), dass ich ihn liebe. Aber bedränge ich ihn vielleicht damit zu sehr? Darum halte auch ich mich etwas zurück.....bisher...ich will nicht klettig wirken oder klammern, vielleicht mag er das nicht.

04.10.2017 14:35 • #13


_Konstantin


Hi skully

Du sollst dich nicht zurückhalten. Das hat nichts mit klettig oder sonst was zu tun. Er spricht dich auch an und gibt mehr und mehr über seine Vergangenheit Dir preis. Scheint dann gespannt zu sein, wie Du das aufnimmst und darauf reagierst.

Scheue Dich nicht, frage wenn Dir Dinge unklar sind, seid offen - niemand sollte in eurer Beziehung zurückstecken. Wie gesagt, nur so lässt sich das gegenseitige Vertrauen stärken.

Das Schläfrige etc. ist durch das Medikament bedingt - lies mal zur Wirkungsweise die Packungsbeilage oder hier im Internet.

Hab Mut, hab Vertrauen zu Dir und zu Ihm - sprecht in konstruktiver 'Weise darüber, was Euch bewegt

04.10.2017 14:47 • x 1 #14


arjuni


Zitat:
wenn ich ihm sage: "Ich möchte, dass du mir öfter zeigst, dass du mich beachtest, liebst oder dich freust mich zu sehen"


Das gilt übrigens für JEDE Beziehung:
Viel zu schwammige, diffuse Kommunikation - mit indirektem Vorwurf.

Werde konkreter. Was genau wünscht Du Dir? Formuliere es positiv:

"Schön, dass wir so Hand in Hand gehen - Du kannst gern öfters meine Hand nehmen."
(statt " Na toll, nie nimmst Du meine Hand von selbst" )
"Weißt Du, worüber ich mich total freuen würde: über einen bunten Blumenstrauß. Bringst Du mir demnächst mal einen mit?"
(statt "Sabine bekommt jedes Wochenende von ihrem Freund Blumen. Du bringst ja nie welche mit")
"Ich finde es super schön, wenn Du mir noch kurz "Gute Nacht" per WA schreibst. Dann kann ich immer so gut schlafen"
(statt "immer bist Du plötzlich weg, das ist total doof")

Gute Kommunikation ist so ein komplexes Thema. Ich beschäftige mich da schon länger mit und habe trotzdem das Gefühl, noch am Anfang zu stehen. Glaub mir, das bringt unglaublich viel, sich damit mal aktiv auseinanderzusetzen und zu üben, üben, üben!

04.10.2017 15:01 • x 2 #15



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