Liebe TE,
ich würde auch nie mehr ohne Ehevertrag heiraten. Ich finde das vernünftig. Ich bin geschieden und gemeinsame Finanzen aufzudröseln, ist ätzend und vermutlich fühlt sich einer davon ungerecht behandelt. Wenn man sich nämlich scheiden lässt, ist das ja mit der Nächstenliebe und Fairness und Gönnerhaftigkeit oft vorbei, egal was man sich vornimmt oder vorher mit großen Worten vereinbart. So weiß jeder von vorneherein, was kommt.
Einen Urlaub mit Freunden halte ich eigentlich für völlig normal. Vorausgesetzt, dass man als Paar auch verreisen würde, wenn man das will. Mein Freund macht das mindestens einmal im Jahr (wegen Hobby, welches ich nicht teile). Ich verreise immer ein paar Tage allein mit meinem Sohn (minderjährig). Wir machen zu zweit mindestens ein verlängteres Wochenende, oder auch zwei, und fahren zu dritt (mit meinem Sohn - er ist nicht der Vater) ebenfalls weg. Und ich gehe noch mal fast jedes Jahr ein Wochenende mit meinen Freundinnen weg. Er ist aber deutlich mehr allein unterwegs als ich, weil er es auch eher kann, zeitlich und finanziell. Wir zelebrieren aber dann auch einen zweisamen Abschied und auch das Wiedersehen. Das läuft dann auch ohne viel Worte. Das ist einfach normal und niemand nimmt sich hier was anderes vor. Das ist einfach klar, für beide.
Auch sonst geht jeder weg wie er will. Allerdings wartet man nicht in der Wohnung des anderen, sondern fährt dann noch bei Bedarf zum jeweils anderen, oder auch mal nicht, weil zu spät und zu müde. Das ist dann eine "Holschuld", wenn man den anderen noch sehen will. Wenn nicht, ist dafür Verständnis da. Wenn doch, freut sich jeder sichtbar.
Ich denke, hier kommt es nicht drauf an, was wer mit wem wie oft außerhalb macht. Sondern das Gefühl zu haben, dass es nicht gegen mich ist. Er hat mir noch nie das Gefühl gegeben, dass es gegen mich ist. Oder es kann auch sein, dass ich nicht auf die Idee komme, dass es gegen mich sein könnte. Ich fühle mich jederzeit als Priorität und ihn sehr gebend, wertschätzend und auch geliebt. Und wie er mir kommunziert, er sich ebenfalls.
(Betrogen wurde ich übrigens auch. Und auch von meinem Ex nicht genug wertgeschätzt.)
Und hier finde ich es ganz wichtig für Dich herauszufinden, ob er es ist, der Dich als Beiwerk sieht oder ob das Problem aus Dir kommt. Mich beschleicht etwas das Gefühl, dass es aus Dir kommt. Du verunsicherst sofort, wenn Deine Erwartungen nicht erfüllt werden, wie Du gern hättest. Und es sind eben Deine Erwartungen, nicht seine. Und für manche Menschen sind sie sehr hoch. Für mich auch. Nicht dass sie falsch sind, aber Menschen sind nun mal verschieden.
Beim Krankenhaus-Aufenthalt bin ich auch eher zwiegespalten. Es ist schön, wenn jemand vor Sorge alles stehen und liegen lässt. Ich habe aber selbst einen verantwortungsvollen Job und weiß, dass das eben nicht immer auf die Sekunde geht. Ich denke, wenn der Befund nicht gefährlich wäre, hätte ich ein schlechtes Gewissen, wegen der unbegründeten Sorge und der geopferten Zeit. Aber das weiß man ja meist erst später. Und wenn man selbst in Sorge ist, hätte man gerne den geliebten Menschen um sich. Meist ist das aber schon wegen des Arbeitsweges nicht direkt zeitnah zu realisieren.
Das Thema Geld scheint ihn aber schon sehr zu triggern. Das würde mir wahrscheinlich mit der Zeit auf die Nerven gehen, einfach weil es ständig auf irgendeine Weise negativ behaftet zum Thema gemacht wird, als würde man zu kurz kommen. Solche Leute sind mir im Allgemeinen suspekt, auch im Freundes- und Bekanntenkreis.
Übrigens finde ich die Zeit, die ihr zusammen seid auch nicht lange um alles zu vermischen und alles andere "aufzugeben": Es wäre auch für mich eher noch die Findungs- und Kennenlernphase.
Ich würde aber sagen, nach Deinen Schilderungen seid ihr beide nicht verkehrt, aber irgendwie nicht kompatibel. Auch hier in diesem Faden bist Du sehr oft sehr widersprüchlich, extrem und impulsiv. Es ist schlecht, dann doch nicht. Mistkerl, knallharte Trennung, dann ist es doch ganz schön. Das ganze Whats App-Gedöns würde mich auch echt nerven.
Ich habe auch etwas gebraucht um mich richtig tief einzulassen und meine Emotionen auch zu zeigen. Wenn Du kannst, arbeite an Deiner Unsicherheit und Deinen Erwartungen und warte die Entwicklung ab. Wenn es an Deine Substanz geht, wirst Du wohl eine Trennung in Erwägung ziehen müssen. Du bist nicht ich. Und Du bist nicht er. Du bist Du und musst tun, was Dir gut tut. Es hat aber den Anschein als wäre das nicht so.