Zitat von Eremit: Zum Zeitpunkt der Eheschließung werden die Partner alle den festen Vorsatz und den GLauben daran gehabt haben die ewig monogame Beziehung eingegangen zu sein ...
Davon ist in den meisten Fällen wohl auszugehen. Allerdings entwickeln sich Menschen im Lauf ihres Lebens. Und erst die Gelegenheit macht Diebe. Ein paar Beispiele:
Jemand, der als Twen und bei Heirat noch ein unauffälliger Student war, wird 10 Jahre später als gestandener Politiker, Manager, Schauspieler, Sportskanone etc. umschwärmt. Nicht jeder ist so bodenständig, dann auf dem Teppich zu bleiben.
Bei Frauen gibt es um die 30 und dann nochmal um die 50 Jahre herum sexuelle Peaks. Neben erhöhter Lust kann das auch dazu führen, daß F.etische entwickelt werden, etc. - mit denen der häusliche Partner evt. nichts anfangen kann oder will. Mitunter wird ihnen das auch erst in dem Moment klar, wo sie jemand begegnen, der sowas triggert (erneut der Hinweis auf "Die Brücken am Fluss" - der ganze Film dreht sich darum, wie die Hauptakteurin "Francesca" nach der Begegnung mit Fotograf "Robert" ihre e.rotische Seite neu für sich entdeckt und mit ihm auslebt, während ihre Familie für ein paar Tage fort ist).
Und dann wäre da noch die Midlife-Crisis... darüber muß man wohl nicht viel schreiben.
Langer Rede, kurzer Sinn: So ernst man es am Hochzeitstag auch tatsächlich meinen mag - das Leben kommt immer anders als man denkt und letztlich ist es gar nicht möglich, mit 25 oder 30 schon vorauszusehen, wie man sich mit 40, 50, 60 fühlen und damit umgehen wird, wenn einem dies oder jenes passiert.
So gesehen darf man die Ehe also locker als Unterschrift unter einen Blankoscheck betrachten.
Zitat von Eremit: wenn jetzt im schönen Fall der betrügende Partner sich sich ja weiter entwickelt und so weiter dann landet man bestenfalls wieder da wo man am Anfang seiner Ehe war und das halte ich schon für eine irrsinnig gute Entwicklung .....
Es gibt keinen Weg zurück. Denn man nimmt sich selbst ja immer mit - und zwar samt den Erfahrungen, die man bis zum Tag der Rückreise gesammelt hat. Selbst wenn man mit einer Zeitmaschine zum Hochzeitstag zurückreisen könnte, wäre man bei Ankunft also nicht mehr derselbe Mensch wie beim ersten Mal.
Insofern markiert jede Affaire das Ende der Unschuld in der Hauptbeziehung desjenigen, der sie führt. Ab da ist die alte - monogame - Beziehung in all ihrem Urvertrauen unwiederbringlich dahin. Ergo bleibt bei Auffliegen der Affaire nur die Wahl zwischen Trennung oder Neustart - in eine Beziehung 2.0.
Zitat von Eremit: Aber der Partner den ich am Anfang geheiratet habe hat doch irgendwann beschlossen mich zu hintergehen, warum sollte das also beim zweiten Anlauf nicht wieder passieren ?
Grundsätzlich eine kluge Frage, sie sich nicht abschließend beantworten läßt.
Kommt u.a. darauf an, warum es zur Affaire kam und wie welchen Stellenwert man ihr ihm Nachhinein gibt.
Zitat von Eremit: Ist das ein 50/50 Ding mit Münze werfen ?
Wie gesagt: Jede Ehe kommt IMO der Unterschrift unter einen Blankoscheck gleich.
Immerhin wird jede zweite irgendwann auch wieder geschieden.
Das Glas ist also halb leer oder halb voll.
Zitat von Eremit: Ja, man könnte sagen: "Der Partner hat aus der Affaire gelernt ..."
Ja aber was denn ?
Daß es sich beschissen anfühlt, ausgerechnet jenen Menschen betrogen zu haben, der einem der wichtigste im Leben ist - nur weil man meinte, sich
(was eigentlich?) beweisen zu müssen.
Zitat von Eremit: Was hat der Betrügende denn unter dem Strich dann wirklich gelernt ?
Genau, das er damit durchkommt !
Wobei er sich dabei innerlich jedes Mal ein Stück weiter von seiner Hauptbeziehung entfernt. Auf Dauer macht sowas innerlich einsam. Was auch kein schönes Erleben ist.
Zitat von Eremit: Eben aus diesem Grund "eliminiere" ich Leute aus meinem Leben die mich vorsätzlich betrügen oder belügen (also Freunde Bekannte usw.). Dies habe ich schon immer so gehalten und jeder weiß das, ich habe viel Verständnis wenn jemand etwas falsch macht aber nicht bei Vorsatz.
Ich halte es genauso. Allerdings lässt der Kontakt zu Freunden und Bekannten sich wesentlich unkomplizierter beenden als der zu einem Menschen, den man geheiratet und mit dem zusammen man eine Familie gegründet hat. Daher halte ich einen Direktvergleich hier nicht für ganz passend.