Zitat von Wurstmopped: epp, aber warum hatten wir die Bereitschaft dazu? Eigennutz? Weil es der Partner in vielen Dingen nicht recht machen kann, z.B in der Haushaltsführung und Erziehung oder ist es Invest was wir aus Verlustangst tätigen? Oder einfach weil man sich Aufopfern möchte oder Partner/in einfach zu faul?
Irgendwo hat doch alles einen Funken Eigennutz. Und wenn ich dem Partner nicht zutraue, dass er etwas ordentlich macht so wie ich es haben will, mache ich es selbst. Ich bin da leider auch so. Würde ich meinen Mann putzen lassen, weiß ich, dass ich nicht zufrieden bin. Also mache ich es selbst, ärgere mich aber manchmal über mich selbst und sage mir dann: alles muss ich machen!
Stimmt ja so nicht, denn er mäht den Rasen, er kümmert sich um den Installateur, der am Freitag bei uns aufschlägt, wenn ich in der Arbeit bin. Und wer hat sich um meine neuen Reifen gekümmert? Er.
Also lass ich die Kirche im Dorf und sage mir, Du putzt selbst, weil Du es so willst.
Das hat auch nicht alles mit Aufopferung zu tun, sondern auch damit, dass Aufgaben halt nun mal verteilt werden müssen. Der eine geht arbeiten und sorgt maßgeblich für das Familieneinkommen, die Frau kümmert sich um Haushalt und Kinder und wird manchmal ein Opfer ihrer eigenen Ansprüche, denn keiner putzt die Fenster so streifenfrei wie sie meint.
Arbeitet auch die Frau, muss man halt auch die Hausarbeiten verteilen. Wenn ich das nicht tue, brauche ich mich nicht zu wundern, wenn ich irgendwann ausgebrannt bin und dann heißt es: ich habe mich aufgeopfert und das ist der Lohn dafür. Aber auch, weil ich andere nicht mit in die Pflicht genommen habe. Frauen neigen ohnehin zur Aufopferung, weil es ihnen oft so vorgelebt und anerzogen wurde.
Aber es war doch auch der Wunsch jedes Partners, dass es so gehandhabt wird, oder nicht?
Ich sehe da immer meine Mutter vor mir. Sie arbeitete nicht, war damals gar nicht üblich. Man heiratete und wartete auf die Kinder die dann kamen und kümmerte sich darum. Sie war mega unzufrieden, weil sie einerseits immer das Gefühl hatte, Arbeit zu machen, die nicht gewürdigt und nicht gesehen wurde und andererseits war sie ein Opfer ihres Perfektionswahns. Sie setzte sich selbst unter Druck. Kam der Advent, waren 10 Sorten Plätzchen fertig und das erzählte sie dann auch anderen, in der Hoffnung, dass sie dann weiter erzählten, die Inge hat schon 10 Sorten gebacken ... Wow, eine Musterhausfrau!
Und dann kam der Stollen dran. Herrje, die Küche reichte nicht mehr aus für die ganzen Zutaten. Und dann das selbst gemachte Marzipan. Und jedes Weihnachten gab es Knatsch, weil der Plätzchenkarton unter ihrem Bett von der gierigen Familie heimlich halbleer gefressen worden war und weil sie fertig war von den ganzen Vorbereitungen. Wie hat sie sich im Weg gestanden! Freiwillig und dumm obendrein, aber Nachdenken war nie ihre Stärke. Aber sich selbst nicht zu genügen und unzufrieden zu sein, darin war sie eine Meisterin. Und keiner hat gewürdigt wie sie sich aufgeopfert hat. Das Ende war auch aus anderen Gründen wie unbewätigte Kriegstraumata dann eine schwere Krankheit.
Einfach mal die eigene Position verlassen und versuchen, mehr Objektivität einkehren lassen anstatt in Selbstgerechtigkeit und selbst gemachtes Minderwertigkeitsgefühl zu fallen, wäre ein guter Weg, der oft genug total schwer ist.