Hallo an alle, war schon länger nicht mehr hier im Forum und habe den Thread gerade erst jetzt entdeckt.
Habe nicht alle Seiten gelesen, nur die ersten 3-4, wollte aber aus der Perspektive einer AF, die das alles schon länger hinter sich gelassen hat, auch mal berichten.
Ich war 3 Jahre lang die Affäre eines verheirateten Mannes. Die Liebe war groß, das Leid auch und wir haben uns in Dauerschleife getrennt und wieder vereint. Es war einfach zermürbend, chaotisch und ich stand unter Dauerstrom.
Irgendwann war ich so am Ende, so von mir selbst angeekelt, dass ich es tatsächlich geschafft habe, dem ein Ende zu bereiten. Vor allen Dingen deswegen, weil ich begann, so etwas wie Verachtung für ihn zu empfinden, weil er immer nur so dahineierte und nie geradeheraus zugab, dass er sich nie von seiner Frau trennen wird. Denn das wollte ich von ihm hören.
Ich wäre auch zu vielem bereit gewesen, auch zu einer Dreierkonstellation unter der Voraussetzung, dass seine Frau über mich Bescheid weiß. Es gab in deren Ehe 3 Kinder, Pubertät und junges Erwachsenenalter. Und eine eingeschlafene Beziehung, die durch Gewohnheit, Freundschaft und gemeinsamen Besitz zusammengehalten wurde. Aber sie waren eben kein Paar mehr.
Und statt mal Klartext zu reden, hat er sich eben von allem das Beste herausgesucht, aber ehrlich sein wollte er nicht.
Deswegen habe ich den Schlussstrich gezogen. Nach 3 Jahren und körperlich und psychisch nicht mehr wiederzuerkennen. Und es hat mich weitere 2 Jahre gekostet, dass ich überhaupt wieder in der Lage war, mir einen anderen Mann an meiner Seite auch nur vorstellen zu können.
Mittlerweile bin ich seit Längerem glücklich mit einem neuen Partner, der für mich frei war und ist, mit dem ich ganz und gar zusammen sein kann, mit dem ich Wochenenden, Urlaube und Nächte verbringe, Schönes unternehme und auch daran musste ich mich erst auch gewöhnen, dass wenn jemand dich liebt und ganz annimmt, wie du bist, dass man dann zusammensein kann, wann man eben Lust hat.
Ich wusste gar nicht mehr, wie sich das anfühlt. Es war so toll und so heilend.
Ich möchte eigentlich auch nur allen sagen, die gerade noch mittendrin stecken:
Es ist wirklich hart, sehr hart, ich will nichts beschönigen, wenn man so eine Trennung von der Affäre durchzieht. Es kann einem sowas von dreckig gehen, wie man nie gedacht hätte, dass es einem gehen kann. Wirklich dreckig.
Aber man kommt da wieder raus. Vielleicht nicht nach 1 Monat. Auch nicht nach 2 Monaten. Aber mit jedem Monat, der vergeht, kommt man stückweise wieder näher mit sich selbst in Kontakt. Denn das ist es, was man während der Affäre meist verloren hat: den Kontakt zu sich selbst. Das Selbstwertgefühl. Die Selbstliebe. Und das findet man nach und nach wieder. Indem man gut ist zu sich selbst. Indem man sich keine Vorwürfe macht, sondern sich selbst in den Arm nimmt und tröstet. Kein Mensch kann das in so einer Phase für einen tun, nur man selbst.
Ich habe viel geweint. Es ging mir nicht gut. Ich hatte Ängste, dass ich nie wieder im Leben jemanden finden würde, der so gut zu mir passt, mit dem es sexuell so erfüllend sein würde.
Ich habe mir fast ein Jahr lang gestattet, nach der Arbeit einfach nur nach Hause zu gehen, mir Serien reinzuziehen und alles zu futtern, worauf ich Lust hatte. Habe zugenommen und es war mir da auch egal.
Aber irgendwann kam der Punkt, da kippte es. Da wollte ich nicht mehr nur Serie schauen. Da wollte ich wieder mal rausgehen. Hatte wieder Lust auf Sport. Nicht plötzlich und ganz viel, es kam eher so in Phasen. Aber die Phasen wurden länger, die Trauerwellen kamen nur noch in größeren Abständen und nicht mehr so doll, sie wurden milder und ebbten ab.
Kontakt hatte ich seit damals gar keinen mehr zu ihm. Er hat mir 2 Jahre nach der Trennung mal zum Geburtstag gratuliert per Mail, aber ich habe nicht geantwortet. Seitdem nichts mehr. Und heute kann ich nicht begreifen, warum ich damals so lange in dieser Affäre festhing. Warum ich diese komplexen Verflechtungen nicht eher durchschaut habe. Ich muss sagen: es lag an der Sinnesvernebelung durch diese Mischung aus Verliebtheit, Begehren und einer leichten Form von Wahnsinn, würde ich sagen. Eine absolute Ausnahmesituation.
Weswegen ich es gar nicht nachvollziehen kann, wenn jemand sagt, man könne sich ja auch gegen so etwas entscheiden. Ich würde sagen: nein, kann man nicht. Nicht wenn man in einer solchen emotionalen Ausnahmesituation ist, wie in der zu Beginn einer Affäre. Und dann wird es im Lauf der Zeit ja eher noch schlimmer.
Heute weiß ich auch, warum ich damals überhaupt eine Affäre begonnen habe. Nie zuvor in meinem Leben hätte ich gedacht, dass ich so etwas tun würde. Ich hätte jeden verurteilt, der das tut. Hätte auch gesagt: "Aber man kann sich doch zurückhalten, keiner zwingt einen doch". Und ich würde aus heutiger Sicht auch nie wieder eine Affäre eingehen. Nie wieder mit jemandem zusammenkommen, der gebunden ist, egal ob verheiratet oder nicht.
Heute verstehe ich vieles. Es war ein hartes Stück Arbeit. Aber es hat sich gelohnt.
So, das wollte ich einfach mal nur gesagt haben.