Zitat von alleswirdbesser: Ich habe geschrieben „eine Affäre „ Worte „alle“ Affären und „immer“ kommen in dem Satz nicht vor. und nicht von Schuld oder Unschuld steht was drin, zumindest nicht in diesem Satz. Es ist keine Verallgemeinerung, aber doch bekannte Tatsache aus meiner Sicht. Im Anschluss folgte der Satz zu offenen Beziehungen. Ich finde einfach, dass die meisten wissen, was Treue und Monogamie innerhalb einer Beziehung bedeuten und dass dies in vielen Beziehungen die Grundlage ist. Dass in solchen Beziehungen keiner der Parteien betrogen werden möchte, ist sicherlich eine logische Folgerung und dass es selten Freude verursacht, wenn das passiert, dürfte meiner Meinung nach bekannt sein. Oder sind das alles Überlegungen, die genauso absurd sind wie die Aussage „Die Ehe hält ewig“? Glaube ich ehrlich gesagt nicht.
Zunächst, ich wollte dich nicht angreifen! Ich habe halt Deinen Satz gewählt, weil er ein gutes Beispiel war, für das, was ich sagen wollte.
Schau mal, worum es mir ging, war darzustellen, daß es einen Unterschied macht, ob die Diskussion tatsächlich offen geführt wird oder doch im Hintergrund (Vor-)Verurteilungen ablaufen, die eben dann eine offene Diskussion recht schnell zunichte machen.
Affären können, sehen wir beide ja im Forum, bei Aufdeckung (ob nun freiwillig per Beichte oder unfreiwillig durch Entdecken) sehr viel Leid verursachen. Ich glaube, wir können uns auch darauf einigen, zu sagen, daß das Thema Affäre ein komplexes ist. Es gibt eben nicht die eine Blaupause. Es gibt häufig und weniger häufig vorkommende Situationen hier in diesem Forum. Ob das allgemein repräsentativ ist, halte ich für fraglich, aber ich behaupte ja auch, daß die meisten Affären nicht aufgedeckt werden.
Wenn wir zurück zum Leid gehen, dann gehört für mich die Trauer, Wut, der Ekel etc aber in der Beziehung gelöst, die von denen geführt wird, die sich ursprünglich Treue geschworen haben. Ich für meinen Teil halte die Beschäftigung mit den sogenannten Mittätern, Schattenfrauen und-männern, Dritten in den meisten (!) Fällen für ein Abreagieren. Und zwar nicht an den eigentlichen Dritten, also der Frau oder dem Mann mit dem der Partner etwas hatte, sondern an Fremden. Einige von denen leiden auch noch sehr offensichtlich.
Wenn ich den eigenen (berechtigten) Schmerz an anderen mir fremden Personen, die vielleicht auch leiden, auslasse unter dem Deckmantel "ihr machts ja mit, also darf ich euch ruhig zeigen, welche Konsequenzen euer Handeln hat", was ja schon eine gewisse moralische Besserstellung impliziert, dann ist es halt mit der so viel zitierten Moral vielleicht doch gar nicht so weit her. Es ist aber in jedem Fall nicht zielführend.
Daneben gibt es dann durchaus die Fraktion, die durchaus Fragen hat. "Denkt man an den vergebenen Partner?", "ist das nicht eine kognitive Dissonanz, jemandem, der andere belügt, doch selbst zu vertrauen?", "was ist mit den Kindern?".
Werden diese Frage offen gestellt, dann findest Du in diesem Thread auch immer wieder Stimmen, die versuchen, auf diese Fragen einzugehen.
Wenn dann aber deren Antworten nur dazu benutzt werden, daß, was man vorher schon für sich beschlossen hatte, darzustellen, zu verstärken etc, dann verlieren, die, die sich beim antworten Mühe gegeben haben, nicht nur die Lust, sondern sie fühlen sich veralbert, eben weil die Diskussion von Anfang an nicht ergebnisoffen geführt wurde.
Ich zB finde es sehr spannend, daß wir in diesem 500-Seiten-Thread schon sehr oft und hin und wieder auch sehr ehrlich und sehr gut, gewisse dieser Fragen debattiert haben. Theoretisch also hat jeder, dem es nur um Erkenntnisgewinn ginge, daher die Möglichkeit sich den ganzen langen Faden mal durchzulesen und zu schauen, ob da nicht schon längst Beiträge sind, die den angeblich gewollten Perspektivwechsel ermöglichen, ob da nicht längst schon Antworten gegeben wurden.
Viel häufiger aber kommen hier Teilnehmende aber herein, stellen eine Frage, die schon gut 20 mal durchgekaut wurde und erzählen nur, es ginge um Erkenntnisgewinn, eigentlich aber geht es um Empörung. Der Verweis, daß diese Frage schon ein paar mal debattiert wurde, führt aber dennoch oft genug nicht dazu, daß der so an offenen Debatte Interessierte mal nachliest, sondern dann doch nur zu der ewig gleichen Feststellung, also für mich wäre ein Affäre nichts.

Wahlweise auch gerne, man wäre halt nicht ehrlich zu sich selbst oder man wisse halt nicht welchen Schaden (gemeint ist ja schon immer der eigene persönliche) eine solche Affäre nach sich ziehe.
Ich kann sehr gut nachvollziehen, daß das eigene Wertesystem eine Affäre nicht billigt. Man für sich selbst entscheidet (so man den ein Angebot bekommen hat), sich nicht drauf einzulassen. Auch ich habe oft genug Angebote mit bestimmten Konstellationen grundsätzlich abgelehnt und denke auch nicht, daß sich daran je etwas ändern wird. Aber ich muß da nicht ständig in die Wertung gehen, wenn sich andere im Gegensatz zu mir dennoch dafür entscheiden. Und ich suche auch die Auseinandersetzung mit feststehendem Ergebnis nicht.
Ich sage auch nicht, daß Betrogene kein Recht haben, sich zu empören. Als ich herausfand, daß ich betrogen wurde und feststellte, daß ich mit dieser Silvester feierte und alle anderen wussten, um die Situation nur ich nicht, fand ich das natürlich nicht toll.
Was ich aber sage ist, daß für diese Empörung überall im Forum Platz ist, nur eben wie der Titel schon sagt, nicht hier. Ein klitzekleiner Fleck im großen, weiten Forum, der sicher für ernst gemeinte, offene Fragen (nachdem man mal schaut, ob es nicht eh schon beantwortet wurde) auch Platz hat, der aber eben nicht ständig zerschossen werden möchte, von Menschen, die eigentlich nur Raum suchen um sich zu empören und vor allem doch nur die eigene von vornherein feststehende Wertung zelebrieren möchten.
Ich bin betrogen wurden. Ich war hin und wieder in der Position als Ungebundene mit jemandem der gebunden ist, die eine oder andere (ach so verurteilenswerte) Schandtat zu begehen. Ich stelle mich noch immer auf den Standpunkt, daß ich einfach nicht für die Ehe anderer Leute verantwortlich bin. Ich bin da keine Mittäterin, Beihelferin oder was auch immer. Not my marriage, not my monkeys.
Habe ich während ich in einer Beziehung war, meinen Partner schon mal betrogen, nein.
Leite ich daraus das Recht ab, mich moralisch über Menschen zu erheben, die selbst gebunden sind? Nein.