Zitat von Worrior: Wenn der Fokus ständig darauf gelenkt wird dann wird man auch ständig etwas finden, womöglich über Jahre.
Ich hatte eine Kommilitonin, die sich in den 80iger Jahren in einer Therapie befand. Weswegen weiß ich nicht. Aber jedenfalls kam sie mit Hilfe ihrere Psychotherapeutin drauf, dass ihr Vater sie im Alter von 2 Jahren (!) missbraucht haben muss. Sie sprach den Vater deswegen an, der alles abstritt.
Abgesehen davon, dass man sich an Begebenheiten im Alter von 2 Jahren kaum erinnern kann, so können natürlich Traumata erworben werden, die im Unbewussten angesiedelt sind.
Das Ende vom Lied war, dass die Kommilitonin eines Tages in den Wald ging und Selbstmord verübte. Dieses Kindheitstrauma wurde mit Hilfe der Psychotherapeutin "aufgedeckt'". Ich fand das unverantwortlich, denn der Kommilitonin wurde nicht etwa geholfen, sondern ihr wurde ein Trauma möglicherweise eingeredet, was sie alles natürlich glaubte, weil es ja die Psychotherapeutin war, die den Stein ins Rollen gebracht hatte.
Patient:innen neigen immer dazu, Psychologen und Therapeuten alles zu glauben, aber leider befinden sich doch ziemlich viele in diesem Berufsbild, die selbst eine Therapie bräuchten.
Und gerade auf Kuren und Rehas passiert es oft, dass Patienten hinterher ihr gesamtes Leben auf den Prüfstand stellen und glauben, dass das meiste, was sie bisher gelebt haben, schlecht war und geändert werden muss. Ob eine Trennung vom Partner dann tatsächlich etwas besser macht, sei mal dahingestellt. Es kann sogar genau zum Gegenteil führen, weil die gewohnte Stütze nicht mehr da ist.
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Zitat von MrLuft: Keine Ahnung. Es ist eben schwer zu verstehen, wenn sowas von jetzt auf gleich passiert. Gestern noch alles super viel lachen und zack alles sch.. Ich glaube ich hatte nicht erwähnt das sie am Wochenende sogar mal kurz für 2-3 Stunden zuhause war. Sie hatte sich gut mit unserem Sohn unterhalten aber ich saß bildlich auf der Ersatzbank. Wir haben uns zum Abschied zwar kurz umarmt aber das wirkte eher gezwungen. Sie meinte es sei alles gut nur sie habe einfach kein Raum zurzeit für irgendwas . Alles fällt ihr sehr schwer. Und wie ich bereits schrieb habe ich einfach die Angst das wenn sie wieder da ist alle Brücken abreißen wird, die normalerweise immer ihr Standhaftigkeit gegeben haben.
Ich verstehe Dich da völlig, Ein von jetzt auf gleich verändertes Verhalten stürzt doch jeden Partner in Ratlosigkeit und Verunsicherung. Und das alles nach einem Gespräch mit einer Psychologin! Deine Frau ist ziemlich labil, wenn ein Gespräch solche Auswirkungen hat, dass sie jegliche Verantwortlichkeiten gegenüber Erwachsenen im Umfeld (in ihrem Fall Du und die Mutter, die ihr wahrscheinlich alles Mögliche angetan hat) ablegt und ihr bisheriges Leben in Frage stellt. Die Verantwortung gegenüber dem Sohn will sie wahrnehmen, aber auch er merkt doch genau, was Sache ist. Und wenn er es nicht hört, so erfühlt er es und kann durchaus auch Verunsicherung spüren.
Es ist nichts dagegen zu sagen, Menschen zu raten, dass sie lernen müssen, mehr auf ihre Bedürfnisse zu hören und zu achten, anstatt sich ständig um andere zu kümmern. Das haben sogenannten Helfernaturen nämlich nie gelernt und wundern sich dann, wenn sie eines Tages ausgebrannt sind.
Aber alles, was bisher gelebt wurde, dadurch in Frage zu stellen, ist schon sehr verwunderlich.
Würde mir ein Psychologe sagen, ich solle überdenken, ob meine Ehe wirklich dem entspricht, was ich mir vorstelle und was ich gerne hätte, würde ich ihm schon sagen, dass ich das selbst entscheide.
Das Traurige für Dich ist, dass Du Dich jetzt unsicher fühlst und auf einmal auch sehr allein gelassen. Du spürst eine Machtlosigkeit und fühlst Dich den Entscheidungen von ihr ausgeliefert und da ruhig Blut zu bewahren, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Das schafft keiner. Erst die heile Ehewelt, in der die Unterstützung durch den Partner gerne angenommen wird und dann eine Kälte und eine Kehrtwende um 180 Grad.
Du kannst nur signalisieren, dass Du weiterhin für sie da bist, wenn sie es möchte und dass Du sie ansonsten ihren Weg finden lässt. Irgendwelche "Kampfmaßnahmen" rufen da eher das Gegenteil hervor und bedrängen sie nur. Also zieh dich zurück, lebe mit Deinen Ängsten und warte ab, was passiert. So bescheiden das jetzt auch ist, aber sie hat offenbar beschlossen dass sie jetzt am Zug ist.