Okay,
damit ist soweit alles geklärt…
Zitat:>> Die Gefühle sind mal stärker, mal schwächer. Ich den absurdesten Situationen denk ich an ihn. Ihn geht es ähnlich, er ist zwar ein Mann der nicht gern über Gefühle spricht, was das ganze schwer macht, aber auch er sagt, dass es ihn ähnlich geht. Ich dachte auch, Abstand hilft, aber auch das bringt es nicht.<<
Abstand allein ändert also nichts. Denn der wird durch Gedanken und durch Sehnsucht ersetzt, und zwar bei beiden. Und weil man weiß, dass der jeweils andere genau so empfindet, bewirkt der räumliche Abstand einfach gar nichts. Er ändert nichts. Das was zwischen euch besteht, ist eine „Verliebtheits-Beziehung“, keine Liebesbeziehung. Aber während man eine Liebesbeziehung rational beenden kann (wie du es möglicherweise bei deinem Mann tun wirst, weil er deinen Wohnungswünschen nicht nachkommt), lässt sich eine Verliebtheitsbeziehung sehr viel schwieriger oder gar nicht beenden, weil es nicht die FAKTEN sind, die einen verbinden (oder stören), sondern weil es größtenteils Projektionen in den jeweils anderen sind. Die hormonell gepuschten Gefühle zwischen dir und deinem Kumpel sind ja keinem Partnerschaftsalltag ausgesetzt. All das, was eine feste alltagstaugliche Beziehung ausmacht, ist da noch völlig außen vor. Es gibt nur: Wünsche, Träume, Andeutungen, Sehnsucht, Anziehungskraft. Und das alles wird ergänzt durch eine große Anzahl von Projektionen. „Wäre ich mit ihm zusammen, so würde er meine Wünsche ganz anders berücksichtigen als mein Mann. Er würde mich glücklich machen wollen und nicht zwingen, in einem ungeliebten Haus in einer ungeliebten Stadt zu wohnen“. Das zum Beispiel. Stimmt aber so nicht, denn niemand weiß, wie alltagstauglich und haltbar das zwischen euch wäre, wenn aus der Verliebtheit eine tragfähige Liebe mit den alltäglichen Problemen werden soll. Zumal er ja auch ein Mann zu sein scheint, der über Gefühle ungern redet.
Der Evolution ist das alles wurscht. Die ist auf Fortpflanzung programmiert. Anziehungskraft bis zur körperlichen Vereinigung. Und dann zeigt sich, was sonst noch zwischen den beiden auftaucht. Das klingt vermutlich ziemlich brutal oder gefühllos von mir. Aber ich beschreibe das, was ich aus unzähligen Begleitungen solcher Situationen und aus eigenem Erleben kenne. Den evolutionsbedingten und hormongesteuerten Anziehungskräften entgegen zu wirken, ist eine intellektuelle Höchstleistung. Und bei euch würde das bedeuten, dass ihr euch SOFORT bedingungslos voneinander lossagt. Euch nie wieder trefft, euch in allen Kontaktlisten löscht und auch bei Freundschaftstreffen völlig aus dem Weg geht. Dann könnte es zu der 10%igen Chance kommen, von der ich sprach.
Und erst dann kannst du mit deinem Mann klären, ob da Kompromisse denkbar sind, oder ob ihr beide kompromisslos seid. Er will in der Stadt bleiben, du willst aufs Dorf zurück. Punkt. Dann wird das zur Trennung führen. Dann bist du frei. Dein Kumpel aber immer noch nicht,. Es kann also durchaus sein, dass du dann Single bist. Aber möglicherweise sehr viel glücklicher als augenblicklich. Wenn es dann aber wirklich nur um deinen Mann und dich geht, wird sich vielleicht doch noch ein Kompromiss finden, spätestens nach dem Auszug, wenn feststeht, dass es ernst ist. Solange aber ein zweiter Mann eine Rolle spielt, ist das nicht zu bewältigen.