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Verliebt in den Chef und er?

Manuela33

Manuela33


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Zitat von Likos24:
Sorry ...
aber bist Du Dir nicht "mehr Wert",..als so ein "Teenager-Gedönse"!


Was soll denn dass Bitte?.....Dein Cheff weiss schooon dass Du verheiratet bist.


Dein Mann hat auch allen Grund Eifersüchtig zu sein,....macht es Dir nichts aus Deinen EM zu verletzten. Erzähl Ihm von Deinen feu..chten Traum!


Warum schreitest Du bei "sooolchen" Anmache-Methoden nicht ein,..in der Arbeit...und da machst Du mit?



Da siehst klar und deutlch dass Dein Cheff dann seine Position gegenüber deines Kollegn voll ausspielt. Dass kann doch kein normales Arbeits/Kollegen-Klima sein oder werden. Hat Dein Cheff auf Dich den "Ultimeratio-Anspruch"? Muss mich wiederholen,..und Du machst da mit ? Wo ist denn Dein Selbstbewußtsein,...Dein Selbstwertgefühl?
Bist Du arbeitstechnisch abhängig? Dein EM ist Dir anscheinend total egal,..also charakterliche Stärke sieht anders aus
LG
Likos24



Hallo Likos Danke für deine ausführlichen Antworten! Ja mein Chef weiß alles über meinen Mann, die zwei kennen sich ja auch und haben schon miteinander gesprochen. Naja ich mache halt mit weil ich es irgendwie süß finde, ja genau wie ein Teenager. Ich fühle mich dadurch irgendwie wieder jung/jünger. Ich habe schon mal kurzzeitig gekündigt aber er hat mich zurück geholt.... Ich verstehe mich eigentlich auch sehr gut mit allen Kollegen und die Arbeit macht mir Spaß. Vorhin hat er mich gefragt was ich morgen Abend mache

21.05.2020 17:41 • #916


Luto

Luto


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Ludwig der Fünfzehnte ging im Parke von Versailles spazieren. Während die bevorzugten Herren und Damen seines Hofes in respectvoller Entfernung folgten, hielt sich die Marquise von Pompadour, seine allmächtige Geliebte und eigentliche Gebieterin Frankreichs, dicht an seiner Seite, und die lebhaften Gestikulationen der beiden hohen Personen bewiesen, daß der Gegenstand der Unterhaltung ein für sie außerordentlich interessanter sein müsse.

Kennen Sie seine Abstammung, Madame? frug der König.

Sie ist ein Geheimniß, Sir, über welches er die tiefste Verschwiegenheit beobachtet, und ich glaube, daß selbst Ew. Majestät Fragen hier ohne Erfolg sein würden.

Dann hat er Gründe, seine Vergangenheit zu verbergen. Er ist aber trotzdem ein sehenswerther Abenteurer.

Der dem Staate von unendlichen Nutzen sein kann, fügte die Favorite angelegentlich hinzu. Es scheint sicher zu sein, daß ihm die Fabrikation edler Steine und Metalle wenig Schwierigkeiten verursacht; er hat während der kurzen Zeit seines Hierseins die bewundernswerthesten Kuren vollbracht und besitzt ein Elexir, welches die Einwirkungen des Alters vollständig aufhebt.

Also ein Adept, ein Wunderdoctor!

Mehr, viel mehr als dies, Sire! Er zeichnet und malt genial, ist Virtuos verschiedener musikalischer Instrumente und spricht außer französisch, englisch, deutsch, italienisch, spanisch, portugiesisch und den sämmtlichen alten Sprachen

auch türkisch, arabisch, persisch und chinesisch. Der Mann ist ein Mirakel!

Und zwar eins von denen, deren Bewunderung in Enttäuschung übergeht.

Die Marquise war sichtlich bemüht, die Zweifel des Königs zu beseitigen.

Gestatten Ew. Majestät, die Gräfin von Gergy zu rufen! bat sie, und ohne die Antwort abzuwarten, wandte sie sich um und winkte einer Dame, welche sich im Gefolge befand.

Der längst verstorbene Graf von Gergy war vor fünfzig Jahren Gesandter in Venedig gewesen; die Dame war seine Wittwe.

Seine Majestät wollen das Nähere über Ihr Zusammentreffen mit dem Grafen von St. Germain in Venedig wissen, meine Liebe. Wollen Sie Ihren Bericht kurz wiederholen!

Die Gräfin verneigte sich zustimmend.

Darf ich fragen, wie alt mich Ew. Majestät schätzen? frug sie.

Der König lächelte über diese Frage, welche eine Dame nur in der sicheren Erwartung eines Complimentes auszusprechen pflegt. Er befand sich bei angenehmer Laune und beschloß, die Gräfin durch eine hohe Ziffer zu ärgern. Er schätzte sie fünfzig, antwortete aber schnell und kurz:

Sechzig!

Jetzt war es die Frau von Gergy, welche lächelte.

(Fortsetzung folgt.)
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Aus allen Zeiten und Zonen.

XIII.
Aqua benedetta.
Ein geschichtliches Räthsel von Emma Pollmer.
(Fortsetzung.)
Sire, mein erstes Zusammentreffen mit dem Grafen St. Germain fällt um volle fünfzig Jahre zurück, antwortete Frau von Gergy, und damals zählte ich einige Jahre über dreißig.

Nicht möglich! rief Ludwig, im Stillen etwas ärgerlich über die Blöße, welche er sich gegeben hatte. Ein König muß ja Alles wissen; sogar die Verhältnisse Derjenigen, welche sich in seiner Nähe befinden, soll er kennen.

Ich habe in Bezug auf mein Aeußeres jenes Alter von dreißig Jahren ein volles Vierteljahrhundert hindurch unverändert behalten, und zwar in Folge eines Trankes, welchen mir der Graf von St. Germain damals gab, und selbst als der letzte Tropfen dieses köstlichen Elexirs verbraucht war, hat es seine Wirkung bis auf den heutigen Tag erstreckt; ich bin langsamer alt geworden als Andere.

Und der Graf? Er selbst braucht natürlich auch diesen Zaubertrank?

Augenscheinlich. Er ist seit fünfzig Jahren um kein Jahr älter geworden.

Erzählen Sie uns von Ihrer zweiten Begegnung; sie muß voller Ueberraschung gewesen sein!

Ich traf ihn bei Madame, begann die alte Gräfin mit einer Verbeugung gegen die Marquise, und glaubte einen dem Vater außerordentlich ähnlichen Sohn vor mir zu sehen. Ich wagte, mich ihm zu nähern, und redete ihn an:

Haben Sie die Güte, mir zu sagen, ob nicht Ihr Vater gegen das Jahr 1510 in Venedig war!

Nein, Madame, antwortete er sehr gelassen, es ist schon viel länger her, daß ich meinen Vater verlor; aber ich selbst wohnte zu Ende des vorigen und zu Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts in Venedig. Ich hatte die Ehre, Ihnen dort einiges Interesse einzuflößen, und Sie waren gütig genug, einige Barcarolen meiner eigenen Composition, welche wir zusammen sangen, hübsch zu finden.

Verzeihen Sie, aber das ist unmöglich; denn der Graf St. Germain, den ich damals kannte, war wenigstens fünfundvierzig Jahre alt, und Sie haben jetzt höchstens erst das gleiche Alter!

Madame, sagte der Graf lächelnd, ich bin schon sehr alt.

Aber dann müßten Sie ja nahe an hundert Jahre zählen!

Das ist nicht unmöglich!

Und nun erzählte er mir eine Menge kleiner, näherer Umstände, welche sich auf unsern gemeinschaftlichen Aufenthalt in den venetianischen Staaten bezogen und von denen nur ich und St. Germain wissen konnten. Sein außerordentliches Gedächtniß erinnerte sich nicht nur der unbedeutendsten Einzelnheit, sondern jedes Wortes, welches damals zwischen uns gesprochen wurde, und um mich gänzlich zu überzeugen, zeigte er mir eine kleine Narbe an seiner Hand, welche dadurch entstanden war, daß er sich einst an meiner Sticknadel blutig riß.

Hat er Sie hier besucht? frug der König.

Nein, Sir; seine Zeit ist außerordentlich in Anspruch genommen. Aber er gab mir die Erlaubniß, auf eine Minute bei ihm vorzusprechen. Ich that es. Er zeigte mir seine Diamantensammlung und erinnerte mich dadurch wahrhaftig an Aladins Wunderlampe. Sie sind viele, viele Millionen werth.

So ist er reich?

Ich bin davon überzeugt, obgleich man sich seinen Reichthum auf keinerlei Weise zu erklären vermag. Er hat keine Güter, keine Renten, keine Banquiers, keine feste Einnahme irgend einer Art; Karten und Würfel berührt er nie und dennoch führt er einen großen Haushalt, hat Bediente, Pferde und Wagen und eine ungeheure Menge Edelsteine von allen Gattungen und Farben. Man weiß nicht, was man denken soll!

Er ist ein sehr geschickter Charlatan. Man wird ihm vielleicht einmal begegnen! meinte Ludwig. Er konnte nicht gestehen, daß er diesem geschickten Charlatan grad für die jetzige Stunde auf vorsichtige Weise ein Rendez-vous habe andeuten lassen.

Diese Andeutung war verstanden und befolgt worden. Eben als man um ein Bosquet bog, war ein Herr zu erblicken, -

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erblicken, welcher eine Rose, die er in der Hand hielt, so sorgfältig betrachtete, daß er das Nahen des Hofes nicht zu bemerken schien. Des Königs Auge glitt forschend über die Gestalt des Fremden und leuchtete dann mit zufriedenem Blicke auf. Er hatte den Erwarteten erkannt.

Wer ist dieser Mann? frug er dessenungeachtet mit zorniger Miene. Es soll ja während Unsrer Anwesenheit Niemand Zutritt haben!

Sir, antwortete die Gräfin erstaunt, es ist der Graf von St. Germain. Er ist gewohnt, mehr als Andere wagen zu dürfen. Gestatten Majestät, ihn vorzustellen?

Der König nickte zurückhaltend.

Wir sind geneigt, Uns einige Minuten von ihm unterhalten zu lassen!

Frau von Gergy trat zu dem wunderbaren Mann, begrüßte ihn und führte ihn dann dem Könige zu. Er war von mittler Größe und elegantem Benehmen, hatte regelmäßige Züge, tiefbraune Gesichtsfarbe und schwarze Haare. Seine Kleidung war einfach, aber geschmackvoll. Der einzige Luxus, welchen er zeigte, allerdings auch ein außerordentlich ungewöhnlicher, bestand in einer großen Menge von Diamanten, welche er an allen Fingern, an der Uhrkette und statt der Knöpfe trug. Die Schuhschnallen allein würde jeder Kenner auf mindestens 200,000 Franks geschätzt haben.

Ludwig begrüßte ihn freundlich, begann aber die Unterredung ohne alle Einleitung:

Man sagt, Sie seien mehrere Jahrhunderte alt. Ist das wahr?

Sire, antwortete Saint Germain mit jenem Ausdrucke in Stimme und Gesicht, welcher nur Menschen von großem Geiste eigen ist, ich belustige mich zuweilen damit, nicht glauben zu machen, sondern glauben zu lassen, daß ich schon in den ältesten Zeiten gelebt habe.

Doch die Wahrheit, Herr Graf, ist ?

Die Wahrheit ist häufig unergründlich.

Nach der Versicherung mehrerer Personen, von denen Sie schon unter der Regierung meines Großvaters gekannt worden sind, scheint es aber doch, daß Sie über hundert Jahre zählen.

Das wäre ein wenig überraschendes Alter; im Norden Europas habe ich Menschen von 160 Jahren und darüber gesehen.

Ich weiß, daß es deren giebt; aber Ihr jugendliches Aussehen ist es, welches alle Forschungen der Gelehrten über den Haufen wirft. Ich würde mich freuen, den Beweis zu erhalten, daß Sie schon im vorigen Jahrhunderte lebten.

Das wird mir sehr leicht sein, Sir!

Er zog ein in gothischer Art gebundenes Souvenir aus der Tasche, öffnete es und suchte eines der zahlreichen Blätter, welche es enthielt, hervor.

Wird ein Zeugniß des großen Montaigne genügen, Majestät?

Vollständig. Geben Sie das Blatt der Marquise!

Der Graf folgte diesem Befehle, und Frau von Pompadour las die Zeilen des damals als unübertroffen geltenden Philosophen vor:

Il nest homme de bien qui mette a lexamen des lois toutes ses actions et pensées, qui ne soit pendable six fois en sa vie; voire tel quil serait dommage et très injuste de punir.

à son ami, le comte de Saint-Germain.

M. Eyquem de Montaigne.)

Der erstaunte Monarch griff nach dem Zettel und überzeugte sich, daß Montaigne ihn im Jahre 1580 mit eigner Hand geschrieben habe.

Merkwürdig, höchst merkwürdig, Graf! rief er, und auch der Herr von Gontout, der Herzog von Brancas und der Abbé Bernis, welche näher getreten waren, vermochten nicht, ihre Verwunderung zurückzuhalten. Ich sehe, daß Sie an Edelsteinen nicht Mangel leiden. Vermögen Sie, aus kleinen Diamanten große zu machen?

Wer dieses vermöchte, Sir, der würde sicher mit seiner Kunst zurückhaltend sein, antwortete der Graf ausweichend. Eher darf man davon sprechen, Perlen wachsen zu lassen.

Ist Ihnen dies möglich?

Ja. Ich gebe ihnen fünf-, ja zehnfache Größe und verleihe ihnen dabei das schönste Wasser.

Haben Sie schon gehört, daß es fleckige Diamanten giebt?

Ueber die geistreichen Züge des Grafen glitt ein feines, fast schonendes Lächeln.

Ich habe deren sehr oft selbst welche gehabt. Die Flecke lassen sich fast stets entfernen.

Wie, Sie hätten dieses Geheimniß entdeckt, nach dessen Lösung die Kunst bisher vergebens strebte?

Die Lösung ist nicht schwer, Sire. Gelang sie Anderen nicht, so lag es nicht an der Kunst, sondern an den Künstlern.

Wenn ich nun die Wahrheit Ihrer Behauptung einer Prüfung unterwerfe?

Ich werde sie bestehen, klang es stolz und zuverlässig.

Der König zog einen Diamanten hervor und bewies damit augenscheinlich, daß er auf das Zusammentreffen mit Saint Germain vorbereitet sei.

Sehen Sie diesen Stein, er würde 4000 Franks mehr werth sein, wenn er rein wäre.

Der Graf betrachtete den Diamanten aufmerksam.

Der Fleck ist etwas groß; aber ich werde ihn dennoch fortbringen. Wollen Ew. Majestät den Stein mir anvertrauen?

Sie dürfen ihn mitnehmen. Mein Jubelier, der ihn

) Es giebt keinen Menschen, der bei gesetzlicher Prüfung seiner Handlungen und Gedanken sich nicht wenigstens sechs Mal hän­gens­werth fände; es ist daher schade und sehr ungerecht, zu strafen.
Seinem Freunde, dem Grafen von Saint Germain.
M. Eyquem de Montaigne.
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jetzt auf 6000 Franks schätzt, versichert, 10,000 für ihn zahlen zu können, wenn er den Flecken nicht hätte.

In vierzehn Tagen gebe ich mir die Ehre, ihn vollständig rein zurück zu bringen.

Man wird dann Grund haben, Ihre Geschicklichkeit anzuerkennen. Aber sagen Sie einmal aufrichtig, Graf; man spricht von einem Lebenselixir, von einem Aqua benedetta, welches Sie zu bereiten verstehen, und durch welches Freunde von Ihnen Schutz gegen die Einwirkungen des Alters gefunden haben.

Die Natur ist ewig jung, Sire. Wer ihre Lebenskraft zu extrahiren und in den menschlichen Organismus überzuführen versteht, kennt kein Alter. Er kann Tausende von Jahren gelebt haben, ohne davon zu sprechen.

Sie weichen mir aus und geben dennoch Ihr Eingeständniß. Wir finden Wohlgefallen an Ihrer Unterhaltung. Lassen Sie sich wiedersehen. Man wird Ihre Gegenwart gern bemerken!

Mit einem huldvollen Neigen des königlichen Hauptes war der Graf verabschiedet. Er entfernte sich und schritt einer entlegenen Parthie des Parkes zu. Eben wollte er diesen durch einen dort befindlichen Ausgang verlassen, als er einem jungen Manne begegnete, welcher im Begriff stand, einzutreten. Auf dem Gesichte Beider spiegelte sich eine Ueberraschung ab, welche der Graf eher als der Andere zu beherrschen verstand.

Ah ! rief der Letztere, und zwar in deutscher Sprache, da triffst man ja so ganz und gar unerwartet den Herrn Ritter von Schöning oder den Grafen Tzarogy oder wie der eigentliche Name lauten mag! Sagen Sie aufrichtich, mein Herr, mit welcher Magie operirt man in Versailles erfolgreicher, mit der schwarzen oder der weißen?

Es klang eine unendliche Bitterkeit aus seinem Tone. Der Graf blickte ihm kalt und starr in das erregte Angesicht und frug:

Herr Baron, wie befindet sich Ihr Vater?

Ich danke, sehr wohl! An dem Tage, an welchem Sie ihn ohne Abschied verließen, bemerkte er, daß er sich an den Bettelstab laborirt habe. Ihre Kunst hat ihm Nichts gelassen als die Kugel, mit welcher er besser umzugehen verstand, als mit Gaunern und Betrügern. Der Schuß gelang; es lebt ein Zeuge Ihres Talentes weniger!

Es war voraus zu sehen, da er meinen wohlgemeinten Rathschlägen niemals Gehör schenkte. Dennoch thut mir der Fall um Ihretwillen leid. Kann ich Ihnen hier in irgend einer Weise dienlich sein?

Ich muß auf Ihre Dienste verzichten, da ich Nichts besitze, um sie mit meinem Ruin bezahlen zu können!

Ich bin sehr nachsichtig, mein Herr, aber wahren Sie dennoch Ihre Zunge! Der Graf von Saint Germain, welcher soeben eine vertrauliche Unterhaltung mit dem Könige verlassen hat, fühlt sich keineswegs gezwungen, die grundlosen Malicen des Barons von Langenau ruhig anzuhören.

Graf von Saint Germain? Lassen Sie mich Ihnen zu diesem neuen Titel gratuliren! Ich habe heut Einiges mit dem Könige zu besprechen und werde nicht versäumen, ihm den Grafen von Saint Germain zur Regelung seiner Finanzen zu empfehlen!

Mit einer verächtlichen Handbewegung wandte er sich ab und schritt von dannen. Der Graf blieb stehen. Trotz seines braunen Teints war die Blässe zu bemerken, welche sein Gesicht überzog. Nach einigem Besinnen kehrte er, statt durch den Ausgang zu treten, in den Park zurück und ging nach dem Schlosse. Hier erfuhr er, daß die Marquise von Pompadour bereits ihre Gemächer wieder betreten habe. Er war schon öfters bei ihr gewesen, hatte die Erlaubniß zum beliebigen Zutritt erhalten und ließ sich anmelden. Frau von Hausset, ihre erste Kammerfrau, war bei ihr. Die mächtige Dame empfing ihn mit außerordentlicher Liebenswürdigkeit.

Willkommen, mein lieber Graf! ich vermuthete nicht, Sie so schnell wieder bei mir zu sehen.

Durfte ich Versailles verlassen, Madame, ohne Ihrer Güte zu danken, welche mir erlaubte, den größten Monarchen unseres Jahrhunderts zu sprechen?

Diese Güte ist nicht ohne Eigennutz. Man profitirt bei Ihnen durch Unterricht über Außerordentlichkeiten, welche bisher für unmöglich galten. Werden Sie den Diamanten des Königs wirklich von seinen Flecken befreien?

Es wird ganz sicher geschehen. Sehen Sie diese Steine!

Er zog eine Schachtel aus der Tasche und öffnete sie. Es befanden sich Topase, Smaragde, Saphire und Rubine von ganz bedeutendem Werthe in ihr. Frau von Pompadour schlug die Hände zusammen.

Welch ein Reichthum! Graf, Sie sind wirklich ein Phänomen!

Er nahm die Bewunderung sehr gleichmüthig hin.

Diese Schachtel enthält nur die geheilten Patienten aus meiner Sammlung. Sie alle hatten Flecken; ich habe ihnen dieselben genommen. Sie besitzen dadurch einen doppelten Werth. Diese Kleinigkeit mag als Beweis dienen!

Er warf ein goldenes Kreuz mit grünen und weißen Steinen auf den Tisch. Ein Schmuckhändler hätte wenigstens 1500 Franks dafür gegeben.

Frau von Hausset, wollen Sie es als Geschenk von mir annehmen?

Das kann doch Ihr Ernst nicht sein! antwortete die Kammerdame, das Kreuz dennoch nehmend und es zur Prob an den Hals haltend.

Warum nicht? Es ist ja nur eine Bagatelle!

Nehmen Sie es immerhin, meine Liebe; der Herr Graf will es ja! redete die Favorite ihr zu.

(Fortsetzung folgt.)
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Aus allen Zeiten und Zonen.

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Aqua benedetta.
Ein geschichtliches Räthsel von Emma Pollmer.
(Fortsetzung.)
Sie versprachen mir bei Ihrem letzten Besuche, sprach hierauf Frau von Pompadour, indem sie sich gegen den Grafen von St. Germain wandte, noch einmal auf Ihr Aqua benedetta zurückzukommen. Ich hoffe, daß ich keine Fehlbitte thue, denn man hat mir erzählt, daß die kleine, zehnjährige Comteß Lancy) schon eine Probe davon bekommen hat.

) Sie ist dasselbe Mädchen, welches später als Frau von Genlis so berühmt wurde.
Man hat die Wahrheit gesagt. Ich begleitete einige italienische Arien, welche die Comteß sang, und war von ihr so entzückt, daß ich beschloß, ihr das glückliche Loos der Schönheit, welche sie besitzen wird, zu verlängern.

Auch der König hörte von Ihrem Wasser; er wünscht, daß der gegenwärtige Zustand seiner Gesundheit ihm so lange wie möglich erhalten bleibe.

Der Graf brachte zwei geschliffene Flaçonetten zum Vorscheine, welche mit einer krystallhellen Flüssigkeit gefüllt waren.

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An der Erfüllung dieses Verlangens hängt das Glück einer ganzen Nation. Dieses Aqua benedetta wird Frankreich seinen Monarchen und Ihnen, Madame, Ihre Schönheit und Jugend erhalten.

Er reichte die Flaçonetten ihr entgegen. Sie griff mit sichtlicher Begierde zu und rief freudig:

Ich danke Ihnen sehr, mein lieber Freund! Einen Grafen von St. Germain darf man nicht nach dem Preise dieses unbezahlbaren Elixirs fragen. Bestimmen Sie, was ich für Sie thun kann!

Der einzige Lohn, den ich begehre, ist Ihr Wohlwollen, Madame, und die Erlaubniß, mit Hülfe der Sterne über Ihnen und dem Könige wachen zu dürfen.

Der Schutz Ihres Genius ist uns willkommen. Ich bat Sie ja schon, die Sterne über mich zu befragen. Erhielten Sie eine Antwort?

Ich erhielt sie, heut in der Mitternacht.

Und wie lautet sie?

Sie war klar und offen, so daß ich die Geister der Weltgegenden nicht zu Rathe zu ziehen brauchte. Ich darf sie darum auch offen mittheilen.

Nun?

Die Marquise schien außerordentlich gespannt zu sein.

Ich sah den Himmel Deutschlands erglänzen; ein großer Stern stieg strahlend in die Höhe, eine kleine Schnuppe flog von ihm ab, schoß über die Grenze herüber und stieß an den Stern Frankreichs. Da troff Blut herab vom Firmamente; es wurde Nacht in den Lüften, und die Erde zitterte unter dem Fußgestampf würgender Cohorden. Ich sah keine Person, ich sah keinen Namen, Madame, ich erblickte nur Thatsachen. Die Sterne haben mich noch niemals getäuscht. Die Lösung ist mir nicht gegeben; ich muß sie Ihnen überlassen.

Die Marquise war unter der Schminke leichenblaß geworden.

O, ich weiß, wer dieser Stern in Deutschland ist! Dieser König von Sanssouci glaubt ja, er sei schon längst unter die Himmlischen zu rechnen. Aber die Schnuppe, hatte sie nicht eine Farbe, eine Gestalt, aus welcher sich etwas Sicheres schließen ließe?

Ich glaube die Gestalt eines L erkannt zu haben. Doch steht mir der Zutritt in die chambres diplomatiques nicht offen; ich kenne keine Persönlichkeit, auf welche ich eine Hindeutung aussprechen möchte.

Meine Ahnung hat mich nicht betrogen! Ein L ? Dieser deutsche Baron von Langenau ist mit einer geheimen Sendung betraut. Seine Physiognomie hat mir gleich vom ersten Augenblicke an einen Widerwillen eingeflößt. Er soll mit dem Könige sprechen; ich werde aber dafür sorgen, daß diese Unterredung nicht stattfindet. Ich vertraue Ihren Sternen. Er mag noch heut in seine barbarische Heimath abrei­sen!

Als sich einige Viertelstunden später Baron von Langenau zur Audienz meldete, ward ihm vom dienstthuenden Kammerherrn die Weisung, seine kostbare Zeit nicht nutzlos

in Versailles zu verschwenden; der König werde seiner augenblicklichen Rückkehr nach Deutschland kein Hinderniß in den Weg legen.

Als er seine in Paris gelegene Wohnung betrat, überreichte ihm sein Diener ein duftendes Billet, welches soeben erst hier abgegeben worden war. Es enthielt die wenigen Worte:

Mein Freund.

Sie werden fortgeschickt. Obgleich meine Tante von dem Urheber dieser Maßregel ein Brillantkreuz geschenkt erhielt, konnte sie es doch nicht unterlassen, mich zu benachrichtigen. Ein Wenig Aqua benedetta ist schuld, daß Ihre Sendung scheitert, und ich habe Sie lieb genug, um Ihnen das Nähere mitzutheilen, wenn Sie vor Ihrer Abreise noch einmal besuchen wollen

Ihre zärtliche

Amély Hausset.

22.05.2020 08:24 • x 1 #917



Verliebt in den Chef und er?

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Manuela33

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Hallo Leute, ja wir haben uns vorhin getroffen Ich habe mich wirklich total aufgestylt und sogar was Bauch freies angezogen und was war NICHTS NICHTS NICHTS also bevor der eine Frau anfasst werde ich gleichgeschlechtlich! Schatzi, Hasi, Mausi, das geht mir jetzt echt am Allerwertesten vorbei! Ich bin nicht eingebildet, überhaupt nicht, eher das Gegenteil aber heute hätte wirklich viele Männer um den Finger wickeln können. Aber es ist einfach alles nur Einbildung genauso wie die Männer sich was einbilden nur weil ich mal höflich bin Ich muss ihn endlich vergessen! Vor allem nach diesen Abend! gute Nacht

23.05.2020 00:28 • #918


Luto

Luto


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Es war am Spätnachmittage und fast dunkel, als Ferdinand erwachte. Er fühlte sich in Schweiß gebadet; ein fürchterlicher Traum hatte ihn auf dem Lager hin und her geworfen und die Angsttropfen aus allen seinen Poren gepreßt. Er konnte sich der Einzelheiten desselben nicht mehr erinnern; er wußte nur, daß er von einem Ungeheuer bedroht worden war, welches in dem Augenblicke, als er sich auf dasselbe stürzen wollte, die Gestalt und Gesichtszüge seines Vaters angenommen hatte.

Er war aus Sehnsucht nach der Heimath die ganze Nacht gegangen und hatte gleich nach dem Frühstücke, welches ihm von Hans aufgetragen worden war, für kurze Zeit lang ruhen wollen, war aber dabei einem Schlafe in die Arme gesunken, der ihn erst jetzt wieder frei gab. Der böse Traum war jedenfalls eine ganz natürliche Folge von dem ebenso sonderbaren wie auffälligen Empfange, den der heimgekehrte Sohn bei dem Vater gefunden hatte, aber der Volksmund sagt, daß die Seele zuweilen im Traume Zeit und Raum zu überwinden vermöge, und Ferdinand stand diesem Glauben nicht so fern, daß er den Eindruck der wirren und wüsten Vorstellungen im Momente des Erwachens sofort hätte von sich werfen können.

Er trat an das Fenster und sah in die tiefe Dämmerung hinaus. Das Grummet lag noch in denselben Schwaden vor dem Hause, in denen er es am Vormittage hatte liegen sehen. Warum war es nicht gewendet worden? Unter der Einfahrt stand der mit Getreide beladene Wagen, den er gleich bei der Ankunft bemerkt hatte. Warum war keiner der Säcke angerührt worden; warum ging die Mühle nicht? Er öffnete das Fenster und horchte einige Minuten lang hinab; dann schritt er zur Thür, um nach der Ursache der tiefen Stille, welche im Hause herrschte, zu forschen. Sie war von außen verschlossen, und ein Druck gegen sie bewies, daß man sogar die Vorsicht gebraucht hatte, das Oeffnen durch angestemmte Stützen zu erschweren.

Er fuhr bestürzt zurück. Welchen Grund hatte diese unerwartete und seltsame Gefangenhaltung? Stand sie vielleicht in Verbindung mit der heutigen Anwesenheit des Niedermüllers, bei dessen Kommen es so ängstlich geklungen hatte: Geh fort, sonst ists zu spät!? Er kannte besser als Andere den Vater und hatte sich wohl gedacht, daß dieser irgend etwas im Werke habe, bei dessen Ausführung er von dem Sohne verhindert zu werden befürchte. Konnte dies etwas Gutes sein? Es ist ein großes, vielleicht das größte Unglück für ein Kind, andere Rechtsbegriffe als sein Erzeuger zu besitzen. Ferdinand fühlte dies mehr, als er es aus eigener Erfahrung erkannt hatte; der Obermüller war stets ein schweigsamer und zurückhaltender Vater gewesen, hatte es aber auch nie verstanden oder gewollt, sich das kindliche Vertrauen, welches sich so gern und willig in die Anschauungen der Eltern einlebt, zu erwerben. Er hatte sich trotz seines hilfsbedürftigen Zustandes die Rückkehr des Sohnes bisher streng verbeten -

verbeten und war heut über dieselbe sichtlich erschrocken. Dieses unerklärliche Verhalten mußte eine geheimgehaltene Ursache haben. Der junge Mann gab sich nicht die Mühe, über sie nachzudenken; der Befehl, sofort und wenigstens für einige Tage die Heimath wieder zu verlassen, ließ ihn ahnen, daß es für ihn leicht sei, sie zu errathen oder zu erfahren, sobald er diesem Verlangen nicht Folge leiste und zugleich sich jetzt der verwunderlichen Freiheitsberaubung entziehe. Er überlegte daher, auf welche Art und Weise er aus der Stube gelangen könne. Er wollte es eben so heimlich thun, wie man ihn eingeschlossen hatte.

Aus diesem Grunde sah er von dem Hinausstoßen der Thür ab, welches ihm trotz der Stützen wohl gelungen wäre, da sie alt und morsch genug war, um von einem kräftigen Fußtritte zertrümmert zu werden. Das Fenster war so klein, daß ein Mann von der Statur Ferdinands unmöglich durch dasselbe steigen konnte. Die Decke ja, sie bot am besten und sichersten den Weg, welchen er suchte. Sie war nur geschalt und bildete zugleich den Fußboden des über dem Stübchen befindlichen Theiles des Dachraumes. Er stieg auf den Tisch, stemmte sich gegen die einfach auf die Balken genagelten Breter; sie gaben nach, ein kurzes Knirschen und Prasseln, und die Oeffnung, welche er brauchte, war vorhanden. Er schwang sich durch dieselbe hinauf und brachte die losgesprengten Theile leicht wieder in ihre vorige Lage. Wer jetzt in die Stube trat, mußte sich wohl verwundert fragen, wie der Gefangene verschwunden sei. Dieser stieg durch den geöffneten Schieber auf das niedrige Schindeldach, dessen untere Kante, da das Haus mit seiner hinteren Seite in den Teichdamm hinein gebaut war, sich nur wenige Fuß hoch über den Letzteren hinzog. Ein leichter Sprung, und er stand zwischen den Sträuchern, welche den Damm bedeckten. Ueberrascht blieb er auf der Stelle halten; es hatte geklungen, als springe er auf die Decke eines hohlen Raumes, und ein kräftiges Stampfen mit dem Fuße überzeugte ihn, daß er sich nicht geirrt habe.

Es war grad noch hell genug, um den Boden untersuchen zu können. Er bestand aus kurzgeschorenem Rasen und zeigte dem tief gesenkten, aufmerksamen Auge ein sonst kaum bemerkbares, wie mit dem Messer eingeschnittenes Viereck, aus dessen Mitte einige verdorrte Wurzeln hervorstanden. Ferdinand erfaßte diese Letzteren und zog an ihnen erstaunt ein hölzernes Quadrat empor, welches mit grastragender Erde bedeckt war. An der Stelle, auf welcher es so sorgfältig in den Boden eingefügt gewesen war, zeigte sich eine Oeffnung, groß genug, einen Mann hindurch zu lassen, und bei näherer Untersuchung fühlte er die oberen Sprossen einer Leiter, welche senkrecht in die Tiefe führte.

Was hatte diese geheimnißvolle Einrichtung, deren Dasein ihm gänzlich unbekannt war, zu bedeuten? Er beschloß, unverzüglich nachzuforschen.

Er stieg zunächst so weit hinab, daß er über sich den Deckel bequem wieder in seine vorige Lage zu bringen vermochte, und

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folgte dann der Leiter, bis er festen Boden unter sich fühlte. Er befand sich in einer engen, niedrigen Zelle und tastete an einen Tisch, auf welchem Lampe und Zunderflasche standen. Als die Erstere brannte, bemerkte er, daß der Raum vier Seiten hatte, von denen drei nur leicht verschalt waren, während die vierte aus einer Breterwand gebildet wurde, in welcher ganz unten am Boden eine niedrige, aber breite Thür angebracht war, deren Angeln einfach aus aufgenagelten Lederstücken bestanden. Sie konnte nur in kriechender Stellung passirt werden.

Nachdem er sich durch längeres Horchen überzeugt hatte, daß jenseits derselben sich Niemand befinde, zog er sie auf. Vor ihm stand das Himmelbett, in welchem sein Vater zu schlafen pflegte, ehe er von der Krankheit auch für die Nacht in den Stuhl gebannt wurde. Er schob sie wieder zurück und athmete tief und seufzend auf. Dieser verborgene Raum war früher nicht dagewesen, das wußte er ganz bestimmt. Niemand anders konnte ihn angebracht haben, als der Vater; aber zu welchem Zwecke? Und wie war es dem gelähmten Manne möglich geworden, diese beschwerliche Arbeit, bei welcher er sicherlich jeden Zeugen vermieden und jede Spur zu verwischen gehabt hatte, auszuführen? Es wurde ihm plötzlich bang zu Muthe, so bang, als ob ihn das Ungeheuer wieder bedrohe, welches er im Traume gesehen hatte.

Er trat zum Tische; der Kasten desselben war verschlossen. Sich niederbeugend, versuchte er, die Finger zwischen dem Rande desselben und der Tischplatte hindurch zu bringen. Es gelang; er fühlte eine Anzahl aufeinander liegender Hefte und mehrere kleine Päckchen, welche sorgfältig in Papier eingeschlagen und dann versiegelt waren. Mit einiger Mühe gelang es ihm, Alles aus der engen Spalte hervorzuziehen. Der Siegellack war nicht mit dem Petschafte, sondern nur mit dem Finger angedrückt worden; es war also bei der nöthigen Vorsicht möglich, eins der Packete zu öffnen und wieder zu verschließen, ohne eine auffällige Spur davon zurück zu lassen. Ferdinand that es; eine beträchtliche Anzahl von Cassenscheinen blickte ihm entgegen. Hatten die anderen Packete den gleichen Inhalt, so müßte der Gewinn, den der Vater gemacht hatte, ein nicht unbedeutender sein.

Die Hefte waren Kalender, welche nach der Folge der Jahreszahl aufeinander gelegen hatten. Er durchblätterte den ältesten derselben. Auf den unbedruckten Rändern waren verschiedene ökonomische Bemerkungen angebracht, zwischen denen sich zuweilen eine auf einen anderen Gegenstand bezog, der von Zeit zu Zeit wiederkehrte und die Aufmerksamkeit des jungen Mannes außerordentlich zu fesseln begann. Die kurzen Worte, welche von der ungeübten Hand des Obermüllers neben die roth angestrichenen Tage gesetzt waren, betrafen meist die Niedermühle und bildeten, der Zeit nach aneinander gereiht, den Abriß einer Geschichte von ihr, für welchen Ferdinand allerdings das klare Verständniß entgehen mußte. Er durchschlug einen der Kalender nach dem andern. Was hatten die vielen Zahlen und der sonderbare Name Marder zu bedeuten, welcher stets bei ihnen stand?

Er mußte unwillkürlich an die Zeit denken, in welcher Horn in die Gegend gekommen war, um die Niedermühle zu bauen. Damals hatte Klaus, als er den Proceß verloren sah, öfters ingrimmig geäußert: Den Menschen, den mach ich todt um jeden Preis, und sollt ich selber mit zu Grunde gehn! Er brachte die Sachen sorgfältig wieder an ihren vorigen Platz und stand schon im Begriffe, wieder empor zu steigen, als er einige Kleidungsstücke bemerkte, welche hinter der Leiter an der Wand hingen. Er besah sie. Sie gehörten dem Vater; sie waren schon sehr alt, aber der Schmutz, welcher an ihnen hing und mit welchem besonders die Stiefel bedeckt waren, schien noch nicht vollständig vertrocknet zu sein. Sie waren erst vor Kurzem, vielleicht am vorigen Abende, in Gebrauch gewesen.

Er blies die Lampe aus und verließ unter unbeschreiblichen Gefühlen den räthselhaften Ort. Auf dem Damme angekommen, stieg er von demselben hernieder und schritt zur Hausthür. Sie war von außen verschlossen, und Niemand schien daheim zu sein. Konnte der Vater das Haus verlassen? In tiefen Gedanken wendete er sich dem Dorfwege zu. Bei der Niedermühle angekommen, sah er die Gebäude derselben dunkel und lichtleer vor sich liegen. Der Graben war zugestellt; das reiche Wasser rauschte

arbeitslos über das Wehr hinab; kein Rad ging, kein Stampfkolben ließ sich hören, und auch die Säge im Schneidehause ruhte. Warum wurde heut, an einem Werktage, gefeiert?

Ein einziges, im Parterre gelegenes Fenster war erleuchtet. Er begab sich in den Flur und klopfte; auf den von innen erschallenden Ruf öffnete er und trat in das Zimmer.

Das junge Mädchen, welches arbeitend am Tische saß, sprang bei seinem Anblicke vom Stuhle empor und eilte mit freudeglänzendem Gesichte auf ihn zu.

Vater, Mutter, der Ferdinand ists! Kennt Ihr ihn denn nicht?

Halt! ertönte es da; der Vater eilte aus dem Dunkel der Ecke herbei und stellte sich zwischen die beiden jungen Leute. Du brauchst mir nicht zu sagen, wer es ist; ich seh es schon von ganz allein. Es ist der neue Niedermüller, der von der Wanderschaft zurückkehrt, um uns hinweg zu jagen. Scheer Dich hinaus, Gichtmüllerssohn! Die Mühl ist Euer, aber diese Stub gehört noch mir, und so lang ich noch darin zu wohnen hab, darf mir das Klausvolk mit keinem Schritt herein!

Ich bitt Euch, Niedermüller, meinte Ferdinand erschrocken, was hab ich Euch denn zu Leid gethan, daß Ihr solche Red gegen mich führt? Was ists mit der Mühl und mit dem neuen Müller? Ich versteh Euch nicht!

So hat Dein Vater, der alte Judas Ischarioth, es Dir noch nicht gesagt und Dir auch nichts davon geschrieben? Da muß ich Dirs schon mittheilen, damit Du die Schadenfreud ein wenig eher hast! Er hat heut die Niedermühl erstanden und von seinem Lotteriegeld baar bezahlt. Du bist nun ein großer Mann und brauchst jetzt den Horn und seine Leut gar nimmer anzuschaun!

Die Niedermühl erstanden und baar bezahlt der Vater? fragte der Jüngling fast erschreckt. Das ist ja gar nicht möglich! Wie ist es denn gekommen, daß Ihr sie versteigert habt?

Weil ich von dem Geldmarder ruinirt worden bin. Doch geh hinaus! Dein Alter hat mich heut aus seiner Stub gejagt, so brauch ich nun auch Dich nicht hier zu dulden!

Nein, ich geh nicht eher von dannen, als bis ich Alles weiß. Ihr habt ja früher immer viel auf mich gehalten; ich begreif von Allem nichts und bitt Euch sehr, mir wenigstens nicht eher bös zu sein, als bis Ihr seht, daß ich Euch übel will!

Das klingt gar schön und vernünftig, und es ist auch wahr, daß ich Dir und Deinem gichtbrüchigen Verräther immer wohl gewogen war, aber desto schlechter ist ja das von ihm, was er an mir gethan hat, viel schlechter und schlimmer, als wenn er mich gleich lieber ganz erschlagen hätt!

Dann seid so gut und sagt mirs doch. Vielleicht vermag ichs wieder gut zu machen!

Nein, diese Schart ist nimmer auszuwetzen! Du hast mich gekannt und weißt, was ich früher für ein starker und rüstiger Mann gewesen bin; ich war so gesund und kraftvoll, daß ich hätt mit Kirchthürmen hausiren können. Nun schau mich jetzt einmal an! Das Haar ist mir schneeweiß geworden; das Gesicht hat Falt an Falt und auch die Knochensicht bekommen; ich kann nicht grad mehr stehn, und was ich angreif, das möcht ich vor Schwäch und Unvermögen gleich wieder aus der Hand fortthun. Das hab ich dem Marder zu verdanken, der mich langsam abgekerkert hat, bis die Subhaste über mich hereingebrochen ist.

Dem Marder? Wer ist das? fragte Ferdinand, das Wort jetzt zum zweiten Male hörend. Er dachte an die Kalender und an die Zahlen, bei denen es gestanden hatte.

Auch das weißt Du nicht? Es ist ein Spitzbub, der nun seit Jahren hier und in der Gegend einbricht, ohne daß man weiß, wie er herein gekommen ist. Er war auch einige Mal in der Obermühl, am meisten und öftersten aber hier bei mir. Er nimmt nur Geld, nichts Anderes als Geld; er weiß ganz genau, wann man es bekommt und wo es liegt, selbst wenn man es im tiefsten Grund verbirgt. Wenn ich welches bekommen hab, so bin ich damit voll Angst im Haus herumgelaufen und hab es jeden Tag wo anders hingesteckt; aber gefunden und geholt hat ers. So ist mirs viele, viele Mal gegangen; ich bin ärmer, immer ärmer geworden, und die Sorg und Unruh hat mich

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abgezehrt, wie der Schwamm dem Baum ins Leben frißt. Und als hernach endlich die Niedermühl aufgeschrieben wurde mit Allem, was darin stand und hing, hat mir Dein Vater Hilf versprochen und mich abgehalten, sie bei einem Anderen zu suchen. Ich hab ihm auch vertraut und gewartet bis zum letzten Augenblick. Aber als ich dann heut gekommen bin, um mir das Geld zu holen, ist er voll Freud und Lachen gewesen, daß ich zu Schanden bin, hat mich den Dümmsten von den Dummen geheißen und drauf am Nachmittag das höchste Gebot gethan, so daß ihm meine liebe, schöne Mühl mußt zugeschlagen werden. Geh nach dem Dorf ins Wirthshaus, wenn Du ihn finden willst. Er ist mit dem Hans dorthin gefahren und giebt den Freilanz und das Einstandsbier. Da werden sie nun jubeln und springen, und ich mag sehen, wo mir ein Aufenthalt bleibt!

Es war Ferdinand unmöglich, ein Wort zu dem Gehörten zu sagen. Er lehnte mit erbleichtem Angesichte an der Thür und starrte den Müller an, als habe er von ihm ein Ungeheuerliches, eine Schreckensbotschaft vernommen, unter der er die Antwort im Munde ersterben fühle. Horn war auf einen Sitz gesunken und hatte das Gesicht in die Hände verborgen. Nach kurzem Schweigen aber sprang er wieder empor und trat auf den jungen Mann zu.

Jetzt weißt Du, was Du wissen wolltest. Ich hätt gar nicht so viel zu Dir gesprochen, aber Du warst früher gut und brav und wirst auch jetzt noch ein Gefühl im Herzen haben, obgleich der Apfel nicht gar weit vom Stamme zu fallen pflegt. Dein Vater sagte heut, ich würd als Bettler aus dem Haus getrieben und könnt am Armuthsbach die neue Elendsmühl errichten. Er mag sich nur nicht verrechnen. Ich hab von dem Zahlgelde doch noch so viel herausbekommen, daß ich nicht von Thür zu Thür zu wandern brauch, und er ist doch auch nicht vor dem End glücklich zu preisen. Wer seinen besten Freund verräth und betrügt und gar noch den Glauben abschwören will, der soll mit dem Hohn nicht billig sein. Der liebe Gott hat auch seine Mühlen, und die mahlen zwar oft langsam, aber trefflich klein!

Den Glauben abschwören, sagt Ihr! Wie meint Ihr das? klang die Frage zwischen den zuckenden Lippen hervor.

Er will katholisch werden und nach Mariahilf wallfahrten, um dort Heilung zu finden und sich als Mirakel anstaunen zu lassen. Das ist die Krone, die dem heiligen Klaus noch fehlt. Geh fort, geh fort! Er ist ein Judas, und Du bist sein Sohn; wir sind geschiedne Leut. Spiel den reichen Niedermüller, so

lang Du willst und so lang es geht; ich kann auf meine Elendsmühl stolzer sein, als Ihr auf Euer Lotterieheimwesen! Er öffnete die Thür und deutete hinaus. Verlaß die Stub und kehr mir nimmer wieder!

Vater, klang die bittende Stimme des Mädchens, thu ihm das nicht zu Leid; er ist ja unschuldig an dem, was uns betroffen hat!

Ferdinand erfaßte ihre beiden Hände mit den zitternden seinen.

Bertha, ich dank Dir schön für die Lieb und Güt, mit welcher Du gesprochen hast; aber der Vater hat Recht, wenn Alles wahr ist, was er sagt. Ob wir uns wiedersehn, das weiß ich nicht; aber wenn ich die Fremd wieder aufsuchen muß, so vergiß den Ferdinand nicht, der an Dich gedacht hat, so lang er fort gewesen ist, und der ein Leid mitnimmt, für das es keine Heilung giebt!

Seine Augen glänzten wässrig, und seine Stimme bebte. Er sah aus wie Einer, der die tödtende Kugel erwartet, und als er sich jetzt an den Niedermüller wendete, wollten ihm die Worte nur langsam und wie heiser von den Lippen gehen.

Lebt wohl; ich will Euch gehorchen und Eure Stub verlassen! Kehr ich wieder, so bleibt Ihr Niedermüller und sollt erkennen, daß ich besser bin, als Ihr wohl meint. Kehr ich aber nicht zurück, dann vergebt mir das Weh, das Euch ohne mein Wissen und ohne meine Schuld bereitet worden ist. Ich bin ärmer noch, als Ihr, und der Armuthsbach, an dem ich steh, ist tiefer noch und schlimmer, als derjenige, an dem Ihr Eure Elendsmühl errichten sollt. Gott geb, daß ich nicht darin versink!

Er ging. Es war mittlerweile dunkler Abend geworden. Am Wege, der zum Dorfe führte, rauschten hüben und drüben die Tannen; das Strauchwerk flüsterte so lind und heimlich, und der Bach murmelte auch jetzt sein altes Lied. Ferdinand vernahm von diesen Stimmen und Tönen, denen er heute Morgen so glücklich gelauscht hatte, nichts; er schritt unsicher und wankend auf dem so wohlbekannten Wege dahin; es war in ihm ebenso finster, wie in der Natur um ihn her, und dieses innere Dunkel wurde durch die Lichter, welche das bald erscheinende Dorf ihm entgegenwarf, nicht aufgehellt. Wie ganz anders sah es doch jetzt in ihm aus, als vor den wenigen Stunden, da er gemeint hatte: Daheim ists doch am schönsten; ich komme nie wieder fort!

(Fortsetzung folgt.)

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Der Gichtmüller.
Originalerzählung aus dem Erzgebirge von Karl May.
(Fortsetzung.)

III.
Der Gichtmüller hat die Niedermühl ersubhastirt, und die Nachbarn sollen nach dem Gasthof kommen. Er giebt dort den Freitanz und das Einstandsbier!

So lautete die Kunde, welche der Dorfwächter von Haus zu Haus getragen hatte, und Jeder, der nicht durch eine Nothwendigkeit zurückgehalten wurde, war ihr gern und willig gefolgt. Es gab so vielerlei Gründe, sich über das Ereigniß des Tages auszusprechen, und als man gar sah, daß der Obermüller auf seinem Räderstuhle durch das Dorf gerollt und nach dem Gasthause geschoben wurde, wollte es Niemand versäumen, den Mann zu sehen, dessen Wohlhabenheit erst jetzt zu imponiren begann und dessen Person durch die Unnahbarkeit, in welche er in den letzten Jahren gehüllt gewesen war, ein gewisses romantisches Interesse erhalten hatte. Die Achtung, welche man seinem Sohne zollte, der es bis zum Geschäftsführer einer weit entfernten amerikanischen Dampf- und Wassermühle gebracht hatte, floß unwillkürlich auch auf ihn mit über, und Viele, die es mit ihren Rechtsansichten nicht so genau nahmen, erkannten gern die Schlauheit an, mit welcher von ihm der Lotteriegewinn zu demselben Zwecke aufgehoben worden war, zu welchem er Ferdinand in die Fremde ge schickt hatte, um etwas Tüchtiges zu lernen.

Man hatte seinen Stuhl hinauf in den Saal getragen, damit er sich überzeugen könne, welch einen fleißigen Gebrauch man von seiner reichlichen Spendung mache. Hier hielt er schon mehrere Stunden lang inmitten der Tanzenden und von einem Kreise lustiger Trinker stets umschlossen. Die Beine staken auch jetzt in einem dicken Wattüberzuge, und der Kopf mit dem leidenden und eingefallenen Gesichte lag weit hintenüber in dem verbrauchten Polster der Lehne. Obgleich so matt und angegriffen, daß er es nur bei einem ganz besonderen Ausbruche der Laune zu einem kurzen, schmerzhaft verzogenen Lächeln brachte, mußte er doch hier und da Rede und Antwort stehen; es ging nicht

anders, und als er sich nach vielem Zureden sogar herbeiließ, aus einem dargebotenen Glase zu nippen, schien er Alles gethan zu haben, was in seinen arg geschädigten Kräften stand. Es gab Keinen, der ihm eine besonders große Freundschaft gezollt hatte, aber sein außerordentliches Leiden hatte einen versöhnenden Charakter für Vieles, was sonst ganz sicher zur Geltung gekommen wäre.

Keiner der Anwesenden bemerkte, daß in dem unerleuchteten Nebenzimmer, welches durch ein Buffetfenster mit dem Saale in Verbindung stand, Einer weilte, der mit bleichem Angesichte das bunte Treiben beobachtete und den forschenden Blick ganz besonders auf den Müller geheftet hielt. Dieser Letztere konnte endlich den ihn umwogenden Lärm unmöglich mehr ertragen; er hatte seiner Pflicht als Geschenkwirth genug gethan und gab dem bereitstehenden Hans einen Wink, ihn fortzubringen. Er wurde unter Dankesbezeigungen in seinem Sessel hinunter auf die Straße getragen und von dem treuen Knechte dann trotz des beschwerlichen Weges glücklich nach Hause gebracht.

Geh hinauf, Hans, gebot er dort, und schau nach dem Ferdinand! Er darf nun herunterkommen!

Der Abgesandte kehrte nach kurzer Zeit zurück und meldete, daß der junge Herr noch wie zuvor im tiefen Schlafe liege. Der gute Alte konnte die Einsperrung gar nicht begreifen, hatte sie aber doch pflichtschuldigst ausgeführt, weil er gewohnt war, jeden Befehl des Müllers ohne Widerrede zu vollziehen.

Das ist gut; so hat er also gar nicht gemerkt, daß wir fortgewesen sind und ihn festgehalten haben. Erzähl ihm nichts davon und geh jetzt schlafen!

Hans rollte den Stuhl hinaus in die Kammer, schob seinem Meister behutsam ein Kissen unter den Kopf, sah nach, ob Alles sich in der gehörigen Ordnung befinde, und begab sich dann zur Ruhe.

Kaum hatte sich die Thür hinter ihm geschlossen, so erhob sich der Müller vom Stuhle, streifte die Watte von den Beinen

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und reckte und dehnte die Glieder, als fühle er sich um einen beträchtlichen Theil seiner Größe zusammengeschrumpft.

Endlich ists für heut und nun bald auch für immer überstanden! Ich hab nun die längste Zeit Komödie gespielt, und den Schluß, den wird das wunderthätige Muttergottesbild zu Mariahilf zu Weg bringen. O, über die Dummen, die gar nimmer alle werden! Solche Staatsstreich wie den fremden Lotteriegewinn und die Schwagerschaft mit dem Horn, durch die ich ihn sicher gemacht hab, bringt doch nur der Obermüller fertig. Und die Gicht mit sammt meinem dicken Bauch ist erst recht ein Meisterstück. Wer nicht laufen kann, der kann auch nicht den Leuten ihr Geld wegholen, und wer nun gar am Leib so geschwollen ist, wie ich, der vermag unmöglich durch ein Fenster zu kriechen!

Er knöpfte die Kleidung auf und zog das Futter hervor, welches ihm ein so geschwollenes Aussehen ertheilt hatte.

Jetzt will ich hinaus in meine Räuberhöhl; der Lebrecht wird bald kommen und mir die verheißene Botschaft bringen! Ich hab mich heut im Dorf gezeigt; sie Alle haben gesehen, wie schlimm es mit mir steht, und sind voll Mitleid und Erbarmung gewesen. Wenn morgen früh dem Horn seine Herauszahlung fehlt, so weiß ich ganz gewiß, auf wen der Verdacht unmöglich fallen kann. Er muß als Bettler fort; ich habs damals geschworen, als ich den Proceß verlor, und darum werd ich heut noch einen Gang zu ihm machen. Es ist der letzte, den ich thu, und was so viele Mal gelungen ist, das wird auch dieses letzte Mal von statten gehen!

Er verriegelte die Thür, welche zur Wohnstube führte, trat dann an das Bett und schob es mit Leichtigkeit bei Seite. Als er den Zugang zu dem Nebenraume aufstieß, drang durch denselben ein heller Lichtschein in die Kammer.

Bist Du schon da, Lebrecht? fragte er leise, sich niederbeugend.

Schon eine ziemliche Weil, lautete die Antwort. Ich hab mir die Lamp angebrannt, weil mir die Zeit zu lang geworden ist.

Schon recht! Ist das Loch oben zu?

Ja. Ich werd es doch nicht offen lassen, damit die Frösch und Kröten herunterschauen und dann unsere Sach in die Welt hinein quaken können!

Der Sprecher war ein kleiner, verwachsener und rothhaariger Bursche, der dem jetzt herbeikriechenden Müller die Hand zum Willkommen bot.

Ihr habt heut gute Zeit gehabt, Obermüller; ich aber bin mit Seufzern gespeist und mit Klagen getränkt worden, so daß es mir ganz elend und jämmerlich im Magen ist. Habt Ihr nicht einen guten Trunk bei der Hand, der Einen curiren kann? Bei uns in der Niedermühl ists zu End damit!

Erst kommt das Geschäft und dann der Lohn. Wie stehts mit dem Geld?

Ich hab aufgepaßt wie ein Himmelslauscher, der wissen will, wohin die Sternschnupp fallen wird, und bin endlich auch richtig dahinter gekommen.

Nun?

Ja, wie steht es denn eigentlich mit dem Papier von wegen der Obermühl? Wir haben doch so gehandelt, daß ich Euch den Aufpasser mach und dafür die Obermühl erhalt, sobald die Niedermühl Euer geworden ist. Noch gestern bin ich hier gewesen, und Ihr habt gesagt, daß Ihr es mir geben wollt, sobald wir das Geld haben, welches der Niedermüller vielleicht herausbekommt.

Das ist Alles richtig, und ich werd auch Wort halten, denn Du hast Deine Sach sehr gut gemacht und mir so viel treffliche Nachricht gebracht, daß ich oft geglaubt hab, Du seiest allwissend. Aber jetzt ist das Geld doch noch nicht unser! Ich hab das Papier ganz fertig geschrieben und werd es nachher mitbringen. Sobald der Kasten beim Niedermüller leer ist, geb ich Dirs in die Hand, aber keinen Augenblick eher, das kannst Du nicht von mir verlangen. Und aus Vorsicht sagen wir einstweilen, daß Du die Obermühl bloß gepachtet hast. Also wo ist das Geld zu finden?

In der kleinen Stub, wo der Müller jetzt schläft, da liegt

es in dem kleinen Wandschrank, der nicht weit vom Fenster ist. Aber den Schlüssel dazu hat er in der Tasch, und der Laden ist von innen fest verschlossen.

Da ist die Sach nicht leicht für mich! Schläft das Weibsvolk mit in der Stub?

Nein, die sind vorn heraus. Die Müllerin liegt krank auf dem Kanapee, und die Bertha will nicht weg von ihr.

So wird sichs doch vielleicht noch machen lassen. Hör, was ich Dir sag! Du gehst jetzt nach Haus; ich komm in kurzer Zeit nach und bring den Dietrich und die Strickleiter mit, auf welcher ich alle Mal in Deine Giebelkammer gelangt bin. Wir müssen den Müller aus seiner Stub herauslocken. Sobald ich oben bei Dir bin, gehst Du hinunter und sagst, Du hättest Jemanden um das Haus schleichen sehen. Er wird herausgehen, und dann eil ich schnell hinab, um das Geld zu nehmen. Ich bin bestimmt fertig, ehe er wiederkehrt, und dann treffen wir uns wieder in Deiner Kammer, wo Du das Papier erhältst. Er schaut sicher nicht gleich in den Schrank hinein, und wenn er es auch thut, so wird er zuerst im Haus nach mir suchen, und dann kann ich ja ganz ungestört auf der Leiter davon. Hast Du Alles vernommen?

Ja. Es ist der einzige Weg, den es giebt. Aber nehmt Euch nur hübsch in Acht, daß wir zu guter Letzt nicht gar noch ein Unglück erleben! Ihr dürft nicht eher an die Mühl kommen, als bis ich das Licht ganz nah an das Fenster setz. Dann ist die Luft rein, und ich laß die Schnur herab, um die Leiter hinauf zu ziehen. Jetzt will ich gehn; laßt mich nicht lange warten!

Als er fort war, kehrte Klaus in die Schlafstube zurück und nahm das Leinen- und Federzeug aus der Bettstelle. Unter dem Strohsacke befand sich ein Doppelboden, welcher alle nothwendigen Diebeswerkzeuge enthielt.

Heut brauch ich bloß die Strickleiter, die Latern und den Dietrich. Aber halt, den Todtschläger nehm ich noch mit dazu; ich werd ihn wohl auch gebrauchen können, denn der Lebrecht, der Dummkopf, darf nicht denken, daß er die Obermühl bekommt. Er muß den Mund halten und zufrieden sein, wenn Niemand erfährt, daß er mir beigestanden hat. Wenn ich das Geld hab und er verlangt das Papier, geb ich ihm Eins auf den Kopf und mach mich davon!

Er brachte die angegebenen Gegenstände in die Räuberhöhle, wie er den verborgenen Raum genannt hatte, wechselte die Kleidung und stieg nach dem Damme empor. Noch war er damit beschäftigt, den Deckel auf die Oeffnung zu bringen, als er eine Hand auf seiner Schulter fühlte. Im Nu hatte er sich umgedreht und erhob den Schläger; aber ebenso schnell war auch seine Hand gepackt und festgehalten.

Vater, willst Du Deinen Sohn erschlagen?!

Wer wer ists? Du bists? Wie kommst Du hier her und was willst Du da?

Den Marder will ich zurückhalten, damit er nicht noch größeres Unheil anrichtet, als er bisher gestiftet hat!

Den den Marder? Du weißt, daß daß

Er konnte vor Bestürzung nicht weiter reden. Daß der eigene Sohn sein Geheimniß entdeckt hatte, war schlimmer, als wenn ein Anderer ihn ergriffen hätte.

Ich weiß Alles! Ich bin aus meiner Stub fortgewesen und hier hinabgestiegen, wo ich das Geld gesehen und die Kalender gefunden hab. Ich kenne nun die Lotterie, in welcher Du gewonnen hast; es ist eine schreckliche, eine fürchterliche, und ich ich hab Alles, Alles in ihr verloren. Komm mit hinab in Deinen Fuchsbau, ich hab mit Dir zu reden!

Ich hab nicht Zeit dazu. Sags gleich hier!

So willst Du wohl eben wieder einen Gichtweg thun? Ich hab mirs gleich gedacht! Es schlich Jemand so heimlich um die Eck; ich hab gemeint, Du wärsts selber, und bin dann gleich herbeigekommen, um nachzuschaun, ob das Nest leer ist. Also deshalb sollt ich heut gleich wieder fort und weil Du wußtest, daß ich nie zugegeben hätt, daß Du den braven Niedermüller aus dem Seinigen treibst. Steig wieder hinab; ich laß Dich nimmer fort!

23.05.2020 08:48 • x 1 #919




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