Sabine76
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nachdem ich nun ein paar Wochen stiller Beobachter war, glaube ich hier richtig zu sein, um Euch nach Rat und objektiven Meinungen zu meiner Geschichte zu fragen. Wahrscheinlich wird sie auch bei mir etwas länger, ich versuche mich aber so knapp wie möglich zu fassen, ohne hoffentlich wichtige Details und ein paar Hintergründe zu vernachlässigen.
Wo soll ich anfangen?
Am Besten ganz von vorne:
Mein Mann (43) und ich (44) haben uns im Frühling 2001 beim Studium an der Uni kennengelernt. Es war nicht die berühmte Liebe auf den ersten Blick, aber schon nach drei aufregenden Wochen waren wir ein festes Paar. Total verliebt, ungebunden, ausgelassen, vollkommen frei und wild, hatten wir die perfekte Beziehung mit extrem viel Spaß, tollen Feiern und vielen Freunden, täglichen anderen verrückten Ideen (öfter mal die Vorlesungen geschwänzt
Bei dem ganzen Glück, war es aus heutiger Sicht eigentlich nicht verwunderlich, dass ich schon im Dezember unerwartet schwanger wurde. Natürlich waren wir zunächst etwas überrascht, aber unsere Beziehung war so intensiv und tief, dass wir zu dem Zeitpunkt sicher waren Alles zusammen meistern zu können und so erblickte neun Monate später unser erstes Kind das Licht der Welt. Trotz allem Stolz und Freude über unseren Sohn hat sich dadurch unsere Beziehung natürlich verändert. Ich habe mein Studium aufgegeben und mein Mann sich umso mehr ins Studium vertieft. Ich war überwiegend mit dem Kind beschäftigt und er mit seinem Abschluss und diversen Jobs, damit wir auch finanziell über die Runden kamen. Ich vergaß zu erzählen, dass wir im Frühjahr 2002 vor der Geburt natürlich noch ganz klassisch eine riesengroße Traumhochzeit mit allen Freunden und Familie veranstaltet haben (obwohl wir uns die gar nicht leisten und nur Dank unserer Eltern finanzieren konnten). Aber ich schweife ab.
Als mein EM dann knapp drei Jahre später seine Dissertation und auch gleich einen gutbezahlten Jobeinstieg bei einem großen Stuttgarter Unternehmen bekam, war die Freude groß und das Glück wieder mit uns. Endlich hatten wir wieder gemeinsame Zukunftspläne und Aufgaben. Raus aus der viel zu kleinen Studentenwohnung und rein in ein kleines Häuschen mit Gartenoase, unser neues Familien-Liebes-Nest einrichten und einstimmig unseren zweiten Nachwuchs planen, der sich auch bald einstellte. 2006 kam dann unser zweiter Sohn zur Welt. Jetzt war aus der kleinen perfekten Zweierbeziehung eine große perfekte Familie geworden, mit allem Spaß zu Viert aber auch Stress und Verantwortung. Die mein Mann wohl allzu ernst nahm und sich mehr und mehr in seinen Beruf engagierte, um seine Karriere voranzutreiben (anstatt sein Privatleben). Im Prinzip blieb dadurch die ganze Arbeit zuhause bei mir hängen und der Alltag wurde über die nächsten Jahre zu meiner Routine. Selbstverständlich blieb unsere Beziehung über die Zeit langsam und Schritt für Schritt immer mehr auf der Strecke.
Schwubs, irgendwann 10 Jahre später (wie die Zeit verging) und die Kinder in der Pupertät waren, war ich nur noch degradiert zum Auslaufmodell Haushaltshilfe und Muttertier. Natürlich hatte ich meine Freundinnen und Familie zum "Babble", bin für mich selbst auch regelmäßig zum Sport, um fit, gesund und attraktiv zu bleiben und wir hatten unsere jährlichen Familienurlaube. Aber das kann Keinen auf Dauer erfüllen und so kam es wie es kommen musste.
Auf einer großen Sommerparty bei Freunden hat mich vor drei Jahren ein ehemaliger Kumpel meines Mannes heftig angeflirtet. Damals um Anerkennung, Komplimente und Aufmerksamkeit heischend, habe ich den heißen Flirt leicht angetrunken an dem Abend gerne erwidert. Für mich hatte es sich damit. Doch keine Woche später stand er eines Vormittags vor unserer Haustür und wollte "nur mal auf einen Sprung vorbeischauen, da er ohnehin in der Nähe gewesen sei". Nach zwei Kaffee und einer supernetten Unterhaltung oder besser einer Fortsetzung des Flirts, sind wir dann irgendwie im Ehebett gelandet. Hinterher war ich komplett durch den Wind, hatte ein schlechtes Gewissen und war von mir selbst überrascht. Ich habe lange mit mir gehadert es meinem Mann zu beichten oder nicht. Da es jedoch mal sein guter Freund war und ich nicht wusste, ob es beim einmaligen Ausrutscher bleibt, habe ich geschwiegen und mich im Gegenteil weiterhin mit ihm getroffen. Da er in einem Hotel mit Schichtdienst gearbeitet hat (was wg. der Zimmer und Arbeitszeiten recht praktisch war), konnten wir es locker so einrichten, dass mein Mann und die Kinder Nichts davon mitbekommen haben (hoffe und glaube ich zumindest). Als der AM mir dann nach einem halben Jahr mitgeteilt hat, dass er sich aus Karrieregründen in ein anderes Hotel an einem anderen Ort versetzen lassen will und er unsere Beziehung beendet, war ich zu tiefst traurig und erleichtert zugleich. Mittlerweile weiß ich, dass der Grund wohl nicht die Karriere allein, sondern eine andere Frau war. Aber das tut hier nichts zur Sache.
Ich war wieder in meiner Rolle als vernachlässigtes Hausmütterchen angekommen, die ich einige Monate weiter durchhielt, bis ich einen One-Night-Stand mit einem befreundeten Nachbarn aus der Straße hatte als mein Mann mal wieder auf Dienstreise war. Diesmal blieb es jedoch wirklich dabei. Dann kam wieder lange Zeit gefühlt nichts als Leere und Einsamkeit (in der Ehe), bis ich zufällig auf diversen einschlägigen Datingportalen im Internet landete und seitdem öfter mal fremde Männer date. Manchmal nur zum Kick oder Selbstbestätigung und es bleibt beim Chat oder ersten Treffen, öfter aber auch mehr. Mann muss vielleicht dazu sagen, dass ich es offensichtlich recht leicht habe, da ich scheinbar der Typ Frau bin, auf den die Männer stehen (langhaarig-brünett, sportlichschlank mit großer Oberweite und dunkelbraunen Rehaugen). Es waren einige wirklich interessante Männer dabei, aber nie der Mr. Right. Vor ca. zwei Monaten bin ich dann an einen AM geraten, dessen S.-Vorlieben so gar nicht zu meinen passten und da ist mir die Gefährlichkeit meines Tuns erstmal so richtig bewusst geworden. Natürlich habe ich die Treffen mit dem AM danach sofort beendet und bin seitdem "clean" (was AM betrifft). Rückblickend haben mich diese Dates von Mal zu Mal zunehmend weniger befriedigt und ich fühlte mich hinterher oft nur ausgenutzt, um nicht zu sagen benutzt.
Unsere Ehe ist inzwischen auf dem Bruder-Schwester-Niveau angekommen. Es ist nicht so, dass wir uns gar nicht mehr leiden können, aus dem Weg gehen oder wir uns gegenseitig ständig streiten und auf die Nerven gehen. Aber im Grunde kenne ich meinen Mann nach 19 Jahren eigentlich kaum noch und weiß gar nicht, ob er mich noch liebt oder vielleicht sogar ebenfalls fremdgeht, da ich mir nicht vorstellen kann, dass er sich mit zwei bis dreimal 08/15-S. im Jahr begnügen kann? Auch ich weiß nicht, ob ich ihn noch ernsthaft liebe (wäre ich sonst mit anderen Männern zusammen gewesen)? Was ist nur aus unserem großen Glück geworden? Stecke ich mitten in einer Midlife-Crisis (dachte die gibt es nur bei Männern)? Ich bin ziemlich verzweifelt und weiß ehrlich nicht mehr weiter .
Jetzt frage ich Euch:
Soll ich ihm Alles beichten? Soll ich ihm Nichts sagen und so ungücklich weiterleben wie in den letzten Jahren und hoffen, dass es irgendwann von alleine besser wird? Soll ich weiter nach dem 100%-Match suchen? Soll ich unsere langjährige Beziehung/Ehe beenden (will ich ihm und vor allem den Kindern eigentlich nicht antun)? Soll ich mit ihm reden, aber was? Paartherapie mit/ohne Wahrheit? Oder ist sowieso schon Alles zu spät, da früher oder später ohnehin Alles rauskommen wird?