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Zitat von Raida:Dann würde eine Traumatherapie , wenn das Trauma in der Kindheit entstanden ist, die Ursache nicht beheben können?
Damit ein psychisches Trauma entsteht, müssen drei Bedingungen erfüllt sein:
1. Die Persönlichkeit der betroffenen Person muss eine Vulnerabilität aufweisen. Nicht jeder Mensch ist traumatisierbar. Es gibt Menschen, die von frühester Kindheit an unter ungünstigsten Bedingungen aufgewachsen sind und dennoch keine Traumata davongetragen haben. Solche Menschen nennt man "resilient".
2. Die betroffene Person war einem traumatischen Ereignis ausgetzt. Wie schwerwiegend ein Ereignis sein muss, um traumatisierend zu wirken, hängt aber wiederum von der Vulnerabilität der betroffenen Person ab. Manche Menschen überleben schwerste körperliche Misshandlungen ohne psychisches Trauma, und andere tragen bereits von einer Spritze beim Arzt ein psychisches Trauma davon.
3. Die betroffene Person besaß zu dem Zeitpunkt, als sie dem traumatischen Ereignis ausgesetzt war, keine geeignete Bewältigungsstrategie. Da Bewältigungsstrategien erlernt sind, kann man bei traumatischen Ereignissen im Kleinkindalter generell davon ausgehen, dass die betroffene Person noch keine geeignete Bewältigungsstrategie besitzt. Sie musste dann also ad hoc eine Strategie entwickeln. Wird die Strategie in der jeweiligen Situation als hiflreich empfunden, wird sie beibehalten und später in anderen Situation wiederverwendet.
Zitat von Raida:Also ist nur "Symptombekämpfung" möglich?
Ursachenkaschierung?
An der grundsätzlichen Vulnerabilität kann man nichts ändern, da diese zum Großteil eine Persönlichkeitseigenschaft ist. Wer aber geeignete Bewältigungsstrategien besitzt, der wird trotz Vulnerabilität nicht so schnell traumatisiert. Insofern sollte man das nicht so despektierlich als "Kaschierung" bezeichnen.
Zitat von zebra2020:Das Schlimme ist zudem auch, dass die Defizite durchaus eingestanden werden, aber keine Bereitschaft besteht, daran zu arbeiten. Typischer Spruch ist z.B. Ich bin halt so.
An den ursächlichen Defiziten, die ja Persönlichkeitsdefizite sind, können die betroffenen Personen auch nicht wirklich etwas ändern. Das limbische System eines emotional instabilen Menschen funktioniert einfach anders als das eines emotional stabilen Menschen. Änderungsversuche sind nur hinsichtlich der gewählten Bewältigungsstrategie erfolgversprechend.