Zitat von leskine: Würde das nicht jeder tun?
Jein. Das finde ich wirklich ein ganz, ganz wichtiger Punkt das für sich klar zu bekommen, das ist die Art, wie ich mir das zusammenreime:
Hm...
Systematisch.
Wie jemand mit mir umgeht, hängt ja wohl von 3 Dingen ab:
1. Der Persönlichkeit des anderen
2. Der Art, der Beziehung, die wir zueinander haben
3. Meiner Persönlichkeit, davon wie ich es aufnehme
Und was bedeutet das jetzt in Bezug auf "auf sich beziehen"?
Ich versuche mir zwei Dinge klar zu machen:
1. In dem ganzen Prozess ist eine riesige Menge Unschärfe. Warum Person A so handelt, wie sie handelt, kann sie vermutlich nur zu einem winzigen Teil begründen. Der großteil der Programme und auch der Motive sind mit Sicherheit unbewußt. Und auch darin, wie Person B das aufnimmt, kommt die gleiche Unschärfe hinein. Person B nimmt das alles nämlich nur über die verschiedensten Filter wahr, von denen auch ein Großteil unbewußt ist. Durch diese Unschärfe ist es mE überhaupt nicht möglich, mir ein Urteil über das Verhalten anderer Leute und die dahinter liegende Motivation zu bilden. Deshalb empfinde ich das oft (nicht immer!) als Zeitverschwendung. Meine grundsätzliche Arbeitshypothese, dass es die meisten Menschen schon im großen und ganzen gut mit mir meinen werden, erlaubt mir einen konstruktiven Umgang damit, und leistet somit gute Dienste.
2. Das einzige, was wir daran wirklich allein beeinflussen können, sind wir selber. An Beziehung höchstens zur Hälfte, ich würde das einfach als gegeben hinnehmen, was zwischen diesen beiden Menschen möglich ist. Jedenfalls hat das Gegenüber hier mindestens genauso viel Recht, diese Beziehung mitzugestalten. Die andere Person ist die andere Person. wie die die Interaktion intern verschaltet... Viel zu viele Variablen, brauchen wir gar nicht drüber nachdenken. Ich kann also nur mich anschauen, meine Filter, warum verletzen mich Verhaltensweisen, wie kann ich mich schützen...
Ok, praktisch am Beispiel: Du solltest mE ihre Absage nicht auf dich beziehen, und bei dir bleiben.
Also, auf der Persönlichkeitsebene von deiner Ex: Wir wissen nichts über deine Ex, und auch du kennst nur den winzigen Bruchteil, den sie dier bewußt erklären konnte, und den du durch deine Filter (vielleicht richtig, vielleicht falsch) verstanden hast. Ob sie dich respektiert oder nicht, ob sie dich noch mag oder nicht... Weiß keiner.
Auch du nicht. Jetzt kannst du natürlich entscheiden, ob du so eine Person, die aus Gründen und Motiven, die du nicht kennst, kurzfristig absagt, in deinem Leben haben willst. Dahingehend gehen ja auch deine Überlegungen. Als objektiven Grund lasse ich: "sie sagt ein Treffen kurzfristig ab" nicht durchgehen. Der Grund müsste wohl eher lauten: "Aufgrund der Bedeutung, die sie für mich hat, kann ich es nicht aushalten, wenn sie kurzfristig absagt" eher zutreffen.
Und wäre absolut valide! Auf eurer Beziehungsebene: Also, die Paarbeziehung ist vorbei. Jetzt willst du sondieren, was vielleicht zukünftig für eine Beziehung möglich wäre. Freundschaft? Wenn ja, wie lose? Hier scheinst du ganz genaue Vorstellungen zu haben, über Verbindlichkeit und Respekt, und die Bedeutung, die du für sie haben sollst. Die kurzfristige Absage sagt dir jetzt nicht mehr und nicht weniger, als dass sie, als 50% Mitsprache und Vetoberechtigter Partner andere Vorstellungen von Prioritäten und eurer Nach-Liebes-Beziehung hat.
Und wieder: was du für dich entscheiden darfst und musst ist, ob das eine Beziehung ist, die du in deinem Leben haben möchtest, die dir gut tut usw. Sie schuldet dir nicht, hier die Beziehung aufzubauen, die du dir vorstellst, und du schuldest ihr nicht, auf ihren Vorschlag einzugehen.
Deshalb auch nochmal meine Meinung: Solange nicht jeder für sich mit der Liebesbeziehung abgeschlossen hat, wird es vermutlich unmöglich sein, eine andere Art von Beziehung aufzubauen.
Auf deiner Ebene: Hast du viel Input bekommen, an dieser Stelle würde ich weitermachen. Du willst respektiert werden. Will jeder von uns. Klar kannst du dich jetzt an einer kurzfristigen Absage hochziehen... Oder du überlegst dir, warum und wo du dich selber oder eben deine Eltern, dir nicht den Respekt geben oder gegeben haben, den du bräuchtest. Wo bekommst du schon Respekt, und kannst es vielleicht nicht wertschätzen? Ich vermute nen Haufen Glaubenssätze genau hier! Oder eben ein typisches Beispiel für einen Trigger: sie sagt ab, und latscht damit auf DEINEN "ich werde nicht respektiert" Trigger. Sie kann aber nichts dafür, dass es diesen Trigger bei dir gibt. Schau genauer hin!
Oh Backe, was für ein Roman, wieder mal...