Ich denke auch, dass das ein ganz wichtiger Punkt ist. Im ganzen Leben, aber gerade in der Geliebten- oder Betrogenensituation. Aus dieser Passivität rauszukommen, immer nur zu REagieren. Wenn man sich aktiv für etwas entscheidet, von dem man weiß, dass es das Beste für einen selbst ist und das trotz (vermeintlicher) Verluste KONSEQUENT durchzieht, dann wirkt sich das sehr positiv auf das Selbstwertgefühl aus.
Das ist kein Spruch, ich merke es gerade an mir selbst. Ich bekomme wieder die Zügel in die Hand, gaaaanz langsam, aber ich spüre schon wieder wie es sich anfühlt, ZU LEBEN!
Nach so vielen Monaten hatte ich das schon ganz vergessen, war im wahrsten Sinne des Wortes im Schatten, ich kann mir annähernd vorstellen, wie es sich erst nach vielen Jahren anfühlen muss. Aber es geht, Maus hat es auch geschafft und Kätzchen und viele andere... Und schau, wie viel Kraft in ihren Zeilen mitschwingt, weil sie sich aus eigener Kraft für sich entschieden haben,
Ja, es ist erstmal ein unvorstellbarer Kraftakt. Der Anfang ist schlimm, sehr schlimm. ABER du musst da durch! Und dann arbeitet die Zeit für dich. Du hast ja schon einmal geschafft, den Kontakt für einen langen Zeitraum zu unterbinden. Und da ging es dir besser. Das wird auch diesmal so sein. Und diesmal bist du schlauer, denn du weißt nun, dass jeder Kontakt GIFT ist und dich wieder in die "Falle" zurückzieht.
Für mich persönlich war der beste Weg am Anfang des Entzuges dieser:
Ich habe mir alles erlaubt. Stundenlanges Heulen, Schreien, lethargisches Rumliegen, Schokolade essen, nicht aufräumen, nicht "funktionieren"... und das ohne mir selbst ein schlechtes Gefühl dafür zu machen. Ich habe es zugelassen, dass er 24 Stunden in meinem Kopf ist. Ich habe in der Zeit alle Emotionen in seine Richtungen zugelassen und die wechselten im Stundentakt: Traurigkeit, Wut, Verständnis, Liebesgefühle, dann wieder Wut, Rachegedanken usw.
Ich hatte vorher einen Pakt mit mir gemacht, eine einzige Regel, nämlich dass ich MICH UNTER KEINEN UMSTÄNDEN melde. EGAL wie groß mein Verlangen danach ist. Ich habe mir wirklich die ganze Wohnung mit Zetteln diesbezüglich vollgeklebt, mir Erinnerungen in mein Handy geschrieben. Und ich hatte (habe immernoch) ständig den Wunsch ihm zu schreiben. Es gab (gibt) viele Situationen, da kann ich auf einmal nicht mehr verstehen, was daran so schlimm sein soll, dass ich ihn doch lieb habe, nicht verlieren will, unendlich vermisse blabla...
ABER - im Unterschied zu damals - gehe ich dem nicht nach. Ich tue es einfach nicht, EGAL wie groß der Drang und die Sehnsucht ist. Und irgendwann sieht man wieder etwas klarer und ist superstolz die Situation gemeistert zu haben.
Ich mach mir nichts vor. Nach gerade mal ein paar Wochen bin ich auch noch nicht raus aus der Nummer, ich habe immer wieder solche "Rückfälle". Aber ich weiß jetzt, dass diese überstehbar sind und sie werden auch immer weniger!
Ich habe nach diesen oben beschriebenen ersten Tagen angefangen zu überlegen, WAS genau ich an diesem Mann so "liebe" und viel über diese Situation nachgedacht. Mit etwas Abstand kommt eine Erkenntnis nach der anderen. Ich will das jetzt nicht endlos ausführen, aber wenn du den "Mangel" in dir erkennst (mit ihm als Spiegel) und das aktiv angehst, wirst du nicht nur ihn viel schneller loslassen können, sondern auch noch für dich in deinem Leben einen großen Schritt nach vorn machen. Gerade in diesen gaaaanz schlimmen Momenten, wenn ich emotional am Boden war, hatte ich einen sehr guten Kontakt zu meinem "Inneren" und konnte den "Mangel" ganz klar erkennen.
Es ist schwierig, jeder ist in seiner Welt und seinen Gedanken gefangen. Nur man selbst kann sich aktiv entscheiden. Manchmal braucht es seine Zeit. Sei gut zu dir.
