Zitat von alleswirdbesser: Und was ändert eine Scheidung daran?
Wenn bis zur Scheidung die Ehewohnung noch nicht von einem der beiden oder beiden verlassen wurde, kann man die Zuweisung im (meist Vergleich, seltener) Urteil/Beschluss gleich mitklären lassen. Man muss den Kampf also nicht vor den Kindern austragen und daran Energie verlieren, sondern kann das Problem auf später verschieben. Sofern es einen nicht aushöhlt, noch zusammen zu leben.
Zitat von alleswirdbesser: Außerdem werden sie gar nicht erst geschieden, wenn Jules den ganzen Haushalt macht, sie zusammen essen und so weiter.
Wenn beide geschieden werden wollen (und so sieht es derzeit aus) können sie am Tag vorm Termin noch ein Date gehabt haben und werden trotzdem geschieden.
Eher kann man mit Krankheitszuständen die Scheidung verzögern als mit Anfechtung des Trennungsjahrs.
Außerdem hat Jules Ex von der Trennung rein finanziell mehr als vom Verheiratetbleiben. Ich sehe da aktuell wenig Gefahr für Jules.
Zitat von Ameise_78: Die aktuelle Situation ist für ihn ja auch extrem belastend. Man kann nicht wirklich empfehlen, das noch über lange Zeit so fortzuführen.
Das ist eben die Frage, ob eine Änderung der Situation nicht noch belastender wäre.
Seine Ex ohne Kinder aus dem Haus bekommt er nicht, wenn sie nicht will.
Weglaufen und ihr die Kinder überlassen ist derzeit eh keine Option.
Und ob er ein Wechselmodelle aktuell aushalten könnte, bei dem er eine Woche lang überhaupt nicht weiß, wie es den Kindern geht, glaube ich nicht.
Also ja, der Zustand gerade ist Mist hoch drei. Aber die Alternativen sind derzeit leider Mist hoch zehn.
Die nächste Therapie steht in 2,5 Monaten erst an. Dann wird es noch mindestens Monate brauchen, um zu sehen, ob seine Frau Richtung Stabilisierung oder Richtung Klinik geht.
Ich halte "so gut wie möglich den IST-Zustand aushalten und positiv gestalten" für die beste Möglichkeit, auch wenn sie Jules viel abverlangt.
Zitat von Jules189: Hier muss ich aber ehrlich sein, dass es mein Fehlverhalten war, was für den Stimmungsumschwung gesorgt hat.
Das ist auch meine Erfahrung: Der Erwachsene, der noch am besten aus den Augen schauen kann, bestimmt die Stimmung der ganze Familie. Die Rolle will man gar nicht haben. Und sobald der eigene Akku zur Neige geht oder der Geduldsfaden reißt, brechen alle Dämme. Umso wichtiger, jeden Tag auch auf sich selbst zu achten, damit der Damm dicht bleibt.
Zitat von Jules189: Ich habe ein altes Verhaltensmuster an den Tag gelegt
Magst Du erzählen? Vielleicht können wir helfen.
Ich hatte gestern auch einen Shaiztag. Am frühen Nachmittag hatte ich einen Termin, der eigentlich harmlos war, aber mich an ganz alten Kram aus der Babyzeit mit meinem Kleinen erinnerte. Und das hat mich völlig gerissen. Flashbacks wie eine Zeitreise in die Shaize, Energielevel reichte gerade noch zum Broteschmieren. Panikattacke beim Zähneputzen. Die Kids haben sofort gespürt, dass Mama am Stock geht und haben sich verkrochen. Also ist heute bei uns ein Selbstpflegetag. Klingt eingebildet, ist aber eher eine Bürde: Wenn ich falle, fällt alles. Also muss ich neben allen anderen Personen und Aufgaben zusehen, dass ich nicht falle.
Zitat von Jules189: Ich bin sehr weit aus meiner Mitte weggerutscht und war auch nicht im Hier und Jetzt.
Willkommen im Club. Es gibt so Tage und es gibt so Stunden. Und Du bist ja auch noch ganz neu im "Business" des wirklich realisiert allein für alles zuständig seins. Gesteh Dir zu, dass Du keine Maschine bist, die 24/7 funktioniert und Vollgas geben kann. Deine Ansprüche dürfen mit Deinem Energiepegel und Deinem mentalen Zustand sinken. Das wichtigste ist, dass Du Dich wieder aus dem Sumpf holst. Und das hat ja gestern geklappt. Du bist ausgeschert, hast gesehen, dass es Dich nicht weiterbringt, hast Dich wieder gesammelt und auf Deine Prios fokussiert und ihr konntet sogar eine Lösung (Paarebene ignorieren, Elternebene gemeinsam gestalten) finden. Keine geknallten Türen, keine Anwaltspost, keine Polizei. Also alles in allem ein (in eurer Situation!) guter Tag! Ein nur halb in die Grütze gerittener Tag ist ein guter Tag. Denn Du hättest auch ganz aufgeben, dicht machen und fliehen können. Hast Du aber nicht. Starke Leistung!
Zitat von Jules189: Erst nach ein paar Stunden konnte ich mich wieder sammeln und dann habe ich um einen neuen Termin gebeten.
Und auch hier. Gut gemacht! Das wird nicht der letzte Termin gewesen sein, den Du in den nächsten Monaten aus diversen Gründen platzen lassen musst. Aber Du bist sofort wieder aufgestanden, hast um einen neuen Termin gebeten und ihr nehmt einen neuen Anlauf.
Das ist in eurer Situation ein win und kein fail.
Es wird die nächste Zeit leider vermutlich genauso anstrengend und teilweise zäh und mit Rückschlägen weitergehen. Aber solange Du den Fokus immer wieder auf die Kinder und Dich und eure Zukunft zurückwendest und in Deine Mitte zurückkommst und neue Energie entwickelst, geht es jeden Tag einen kleinen Schritt weiter in die richtige Richtung.
Und zwei Tage, an denen es läuft, und einen Tag, an dem man reinshaizt, ist ein völlig normaler Konga, den ihr jetzt erstmal tanzen müsst. Die guten Tage werden mehr und die schlechten weniger.
Halt durch!