Triggerwarnung ⚠⚠⚠
Im Text werden sensible Themen rundum Depression & Selbstverletzung und Gewaltsituationen thematisiert.
Hallo
Ich brauche eure Einschätzung zu einer Geschichte, die mich völlig überfordert und ich nicht mehr einordnen kann. Es ist mir zuviel und habe nur einen Blickwinkel. Einen Therapeuten hab ich leider momentan nicht, ich denke eure Denkanstösse könnten mir helfen, das zu sortieren. Jeder, der sich dem annimmt, bin ich unendlich dankbar und schicke eine virtuelle Umarmung
Erster Eindruck / erstes Treffen
Ich habe vor einigen Monaten online einen Mann kennengelernt (30), wir schrieben zwei Wochen nett miteinander und trafen uns. Er ist 1h in meine Stadt gefahren. Er war eigentlich nicht mein Typ aber es war so toll mit ihm, wir verbrachten fast 12h miteinander und trafen uns am nächsten Samstag wieder - auch da hatten wir einen so tollen Tag, sind den ganzen Tag unterwegs gewesen und haben uns ausgetauscht. Ich fand ihn einen wahnsinnig lieben, interessanten Menschen, weswegen ich ihn wiedersehen wollte. Hätte nie gedacht, dass ich mich in ihn verliebe, weil er mir total unterwürfig vorkam, was ich nicht so anziehend fand. Mit der Zeit (relativ schnell) verliebte ich mich in ihn nach dem 3. Treffen. Wir telefonierten auch viel abends. Er war super lieb aber auch sehr zurückhaltend, weil er Angst hat, zuviel oder zu aufdringlich zu sein. Wir haben uns z. B erst beim 7. Treffen geküsst. Er hat mir die schönsten Komplimente gemacht, die ich jeh gehört habe und hat mir viel Aufmerksamkeit gegeben und ist auch ein romantischer, leidenschaftlicher Mensch, was ich zuvor nicht so gekannt habe.
Unsere Telefonate gingen oft lange, so 3h und er hat von Anfang erklärt, dass er nie auflegen kann. Er kann zudem nie auflegen. Es muss immer die andere Person auflegen, auch bei Freunden, sonst würd er glaub stundenlang dranbleiben. Mit "nein" sagen hat er auch Probleme.
Seine Kindheit aggressiver Vater
Er erzählte mir beim ersten Treffen auch von seiner Kindheit und wie der Vater ihn und die Mutter geschlagen habe. Sein Vater ist einfach ein gewalttätiger Mann, der sehr viel schrie und ihn ziemlich heftig zusammenschlug. Auch die Mutter wurde geschlagen von ihm.
Dynamiken mit EX-Freundinnen
Er erzählte auch von seinen Ex-Partnerinnen dass auch diese ihn geschlagen haben im Streit weil sie z. B. eifersüchtig waren und er das zugelassen habe und dachte, er könne ihnen somit helfen, ihre Wut rauszulassen und sie das im Moment eben brauchen - also total unterwürfig.
Von der einen Ex meinte er, sie wollten zusammen eine Paartherapie machen und er habe im Vorfeld dem Therapeuten angerufen um ihn zu bitten, dass er während den Sitzungen eher auf ihrer Seite sein soll, damit es ihr nicht schlecht geht.
Eine zweite Situation mit dieser Ex war, dass er behauptet hat, der Vater habe sie einfach von der gemeinsamen Wohnung "entführt" und ihr das Handy weggenommen, anschliessend seien sie zur Polizei und haben die umgekehrte Version erzählt. Er musste einige Zeit später auch zur Polizei für eine Befragung. Eine Anzeige gab es keine, genaueres dazu weiss ich leider auch nicht. Auf jeden Fall war danach Schluss und sie hat ihn blockiert und nie mehr was voneinander gehört.
(Im Verlauf vom Text werde ich nochmals auf das zurückkommen, weswegen ich diese zwei storys als wichtig empfinde).
Seine körperliche Krankheit
Irgendwann nach circa 1.5 Monaten erzählte er mir auch, dass er die Krankheit Morbus Osler hat und das seit 1.5 Jahren erst weiss und dass dies problematisch wäre und er vermutlich nicht lange leben wird und generell sehr schlechte Gene hat und sehr wahrscheinlich noch Krebs bekommen würde, da dies in seiner Familie auch häufig vorkommt. Ich wollte genaueres darüber erfahren aber er blockte meistens ab. Vielmehr hörte ich die nächsten Wochen oft, dass er nicht weiss, ob er es überleben wird. Das fand ich etwas irritierend, da ich mich über die Krankheit informiert habe und man bei regelmässiger Untersuchungen gute Prognosen hat, resp nicht einfach so umkippt.
Im späteren Verlauf erfuhr ich dann, dass er eine etwas schlimmere Variante hat, von der auch sein Herz/Aorta betroffen ist, was später noch relevant wird.
Seine Depression
Irgendwann kam auch zum Vorschein, dass er seit seiner Kindheit schon Depressionen habe und er schon als Kind nicht mehr leben wollte und es kamen öfters Aussagen, er wisse nicht, wie er das Wochenende überleben solle. Er müsse irgendwie paar Tage weg, sonst weiss er nicht. Ich habe natürlich mit ihm über Therapieformen gesprochen und einen Klinikaufenthalt, aber er möchte seinen Job nicht riskieren, weil das das Einzige ist, was ihn ausmacht (so denkt er) und er nicht wolle dass jemand anderes seine Position einnehme, die er sich erkämpft hat und er sich dort nicht erklären will.
Das erste Streittelefonat
Als wir abends telefoniert haben, klang er einmal so abweisend oder genervt, daraufhin hab ich ihn gefragt, ob er wütend wäre. Ich dachte, es wäre vielleicht was beim Job vorgefallen oder sonst was und wollte normal fragen. Ich hätte auch genauso gut fragen können, ob alles OK ist. Diese Frage hat eine 3stündige Diskussion ausgelöt. Er reagierte so seltsam und meinte er kenne keine Wut, diese habe man ihm schon lange rausgeprügelt usw. Er hat sich total verloren er war entsetzt, dass ich denken konnte, dass er wütend sei oder Wut empfinde und meinte dann: "darf man jetzt nicht einmal mehr seinen Staubsauger suchen? ich wollte nur kurz meinen Staubsauger suchen aber dann wird man grad dumm angemacht, weiss nicht, was du in mir siehst. "
In dem Moment dachte ich, dass er vielleicht auf Streit steht und das braucht und einen Streit provozieren möchte und deswegen all die toxischen Ex-Freundinnen.
Ich verstand nicht, weshalb man so reagieren muss oder wieso ihn das so triggert. Hab ihm natürlich versucht zu erklären, dass es OK ist usw. später hat er sich mal kurz beruhigt und dann ging es um seine körperliche Krankheit. Er war wieder sehr destruktiv und meinte, seine Mutter, die die Krankheit ebenfalls hat, würde bald eine Nasen OP haben und dass er besorgt sei. Da hab ich ihn verscuht zu beruhigen und gesagt, er muss sich da glaub keine Sorgen machen, heutzutage sind solche Narkosen sehr sicher und die Ärzte sind routiniert in der Ausübung solcher OP's.
Das hat ihn dann auch wütend gemacht, er empfand es als sehr taktlos, weil er meinte, eine Tante die im Ausland wohnt, bei einer Nasen OP verstorben ist und er wäre mit 13 fast gestorben, weil die Ärzte was übersehen haben. Dann hab ich noch eine Aussage getätigt, die vielleicht wirklich taktlos ist und zwar wollte ich ihn beruhigen wegen Morbus Osler (Gefässerkrankung) und sagte: " ich hab mir das mal angeschaut und so wie ich das im Internet gelsesen habe, ist es nicht so, dass die Leute reihenweise an dieser Erkrankung sterben." Also er war ständig entsetzt und wütend oder beleidigt über meine Aussagen. Merkt er denn nicht, dass ich es gut meine? Er meinte, was im Internet steht, stimmt nicht und ich muss nicht meinen, nur weil ich kurz gegoogelt habe, weiss ich Bescheid usw. Ich hab ihm dann aber klar gesagt, dann soll er mir doch mehr über diese Krankheit erklären, da ich das schon seit einiger Zeit wirklich wissen will, aber er immer abblockt - wie soll ich da einen realen Einlick bekommen? Hab mich dann auch in einem Forum für Betroffene angmeldet, um an die besseren Infos zu kommen. Aber das Ganze hat er immer in einem sehr frechen Ton und sehr aufgebracht rübergebracht.
Am nächsten Tag hat er sich entschuldigt und gemeint, ich habe nichts falsch gemacht und es tut ihm leid. Wir hatten beide Angst, vor einem nächsten Treffen aufgrund des Vorfalls. Haben uns aber später wieder einige Male getroffen und es lief gut.
1. Krise mit ihm live
Wir verbrachten 2 Tage miteinander, es war wunderschön, wir sind baden gegangen und haben zusammengekocht und sassen lange draussen. Dann ist beim "Liebe machen" das Kond. verschoben, resp. in mir stecken geblieben und ich fragte ihn, ob es nicht sinnvoller wäre, die Pille danach zu besorgen. Er meinte zwar, er würde das besorgen für mich aber er sehe kein grosses Risiko. Er möchte übrigens unbedingt Kinder. Später hat er dann gemeint, wenn es draufankommt, dann würde ich gar kein Kind von ihm wollen, weil ich diese Pille wollte. Ich versuchte ihm zu erklären, dass es noch zu früh ist und er noch einige Baustellen hat und es in zwei Jahren sinnvoller wäre, da auch ich noch Dinge habe, die ich zuerst in Ordnung bringen möchte, um eine gute Basis zu schaffen. Das triggerte ihn so sehr. Er nahm es wahnsinnig persönlich.
(Bei ihm hab ich vor allem gemeint, dass ich zuerst bisschen Sicherheit und Einblick möchte, was seine Krankheit, die auch zu 50% vererbbar ist, angeht und die Überforderung mit dem Job und Depression, resp. zusammen bespricht, welchen Umgang wir mit den Themen pflegen wollen usw und bei mir meine Angststörung. )
Er sagte am nächsten Tag: Wer bist du, dass du mir sagen kannst, dass ich nicht ready wäre für ein Kind?" Ich sagte ihm dann, dass ich mich ja auch inkludiert habe und er so: "du hast erst angefangen dich selbst zu kritisieren, als du bemerkt hast, du bist zu weit gegangen." Auf meine Erklärung, dass ich es einfach zu früh fände, reagierte er mit: "nieeeemand will ein Kind von dir, niemand hat davon gesprochen." und alles in einem sehr verzweifelten Ton. Dann meitne er, dass seine Ex-Freundinnen ihn klonen wollten und unbedingt ein Kind von ihm wollten. Das ging den ganzen Sonntag so ich versuchte ich nonstop zu beruhigen, habe mich gar nicht mehr mit Argumenten gewehrt, weil ich bemerkte dass schon die Kleinstigkeit wieder neues Öl fürs Feuer ist. Es war endlos. Habe mich den ganzen Tag nur wiederholt und gesagt, dass ich es nicht so gemeint habe, dass er ungeeignet ist. Er meinte dann noch, mit der richtigen Frau wäre er schon lange so weit und daraufhin hab ich halt gesagt: "dann geh doch zu einer andere Frau". Danach verlor er sich wieder total und meinte, wir müssen das mit uns beenden und er wolle mir das nicht antun, ich sei emotional viel weiter. Aber im nächsten Satz meinte er, er brauche eine Frau die mehr Geduld hat, was ich sehr verletzend fand, da ich den ganzen Tag geduldig war und ihm zugehört habe, während er nonstop am eskalieren war und mir lauter Dinge sagte, die ich gar nicht mehr weiss. Und generell weiss ich von mir, dass ich sehr verständnisvoll bin.
Mein Kopf war überfordert ich hatte Mühe, seinen Gedanken zu folgen und war verwirrt, wieso wir den ganzen Tag über diese Sache stritten und irgendwann am Abend meinte ich einfach: " hejj weisst du was, ich glaube, du übertreibst einfach total". Dann war er so schockiert und weinte und sagte, er sei suizidal und ich lief ihm hinterher und brachte ihm zum Bahnhof und er ging nach Hause.
Er ist dann Zuhause heil angekommen, was mich beruhigt hat, allerdings ging es mir die ganze Woche schlecht, weil ich mir so grosse Sorgen um ihn gemacht habe, da ich an diesem Tag das erste Mal erkannt habe, was für massive Probleme er hat und zugleich war ich hilflos, weil ich ihn ja nicht zwingen kann für eine Therapie. Er hat sich dann wahrscheinlich mir zu Liebe bemüht und einen Termin beim Hausarzt vereinbart, um wegen Medikamenten und neuem Therapeut zu schauen aber bis jetzt ist nichts Konkretes passiert. Seit diesem Ereignis, was vor 3.5 Wochen stattfand, befinde ich mich in einer Krise. Ich hab ihm auch gesagt, ich weiss nicht, ob ich noch Kontakt will, wenn wir das mit uns abbrechen, da ich da vorerst Abstand bräuchte, dann hat er auch geweint, und gemeint: "bitte nicht, ich möchte dich nicht verlieren." Sind seit dem weiterhin fast täglich in Kontakt. Es fühlt sich an, als ob ich mich stark zurücknehmen muss, weil er ja auch suizidal ist und schlimmer dran als ich und ich muss daher schauen, dass es ihm wohl ist. Das erfordert viel Stärke im Moment:(
2. Krise bei ihm Zuhause
Das war vor einer Woche und es war die heftigste Krise, die ich mit ihm erlebt habe, es scheint, als ob sich die Eskalationen steigern. Ich hoffe, ich behalte kein Trauma davon.
Wir haben vereinbart, dass ich paar Tage zu ihm komme, um seine Stadt mal zu sehen, da er bis jetzt immer zu mir kam, aufgrund meiner Agoraphobie. Ich war das erste Mal nach 4 Jahren (seit ich diese Angststörung habe) mit dem Zug in die nächstgrössere Stadt gefahren. Er hat mich mit dem Zug abgeholt und ich fühlte mich mit ihm sicher und es hat geklappt. Als wir ankamen war alles noch in Ordnung für paar Stunden. Dann hab ich ihn gefragt, ob er sich auch so freut, dass ich endlich hier bin, daraufhin ist es plötzlich soo schnell eskaliert innert 5 Sekunden. Meine Frage war offenbar ein Trigger, weil er dachte, man sieht ihm die Freude nicht genug an und dass er wieder was faslch macht (so hat er es mir im Nachhinein erklärt) Daraufhin hat er mir sofort unterstellt, ich wäre toxisch und ich bin auch eifersüchtig auf seine Ex-Freundinnen, worauf ich genatwortet habe, dass ich sicher nicht auf seine Exen eifersüchtig bin. (das hab ich bisschen defensiv gesagt, aber keineswegs laut). Ich wollte es eigentlich noch erläutern und erklären, dass ich auf gewalttätige Frauen nicht eifersüchtig sein kann, dazu kam es aber nicht, denn er ist sofort eskaliert.
Er hat gezittert, hatte alles Spucke, die aus dem Mund lief und tobte vor sich hin schlug sich, sagte Dinge wie, ich wäre 35 und immer noch wie ein Kind und dass er einen *beep* guten Job hat und am nächsten Tag arbeiten müsse und wer ich bin, um ihm zu sagen, er sei kein geeigneter Vater (wieder wegen der Pille danach story) usw und was ich hier überhaupt mache, wieso ich unbedingt kommen wollte. und schlug sich wieder mehrfach gegen die Brust, was bei seiner Krankheit mit den Blutgefässen/Aorta sehr gefährlich sein kann. Ich bat ihn aufzuhören. Ich hatte sehr sehr Angst um ihn und um mich, weil ich ihn so noch nie erlebt habe und ging in Hausflur, weil ich dachte, ich muss vielleicht flüchten, falls er mir was antun würde. Als er das sah sagte er: "jah mach deine Show jetzt, damit es alle mitbekommen." Ich habe bewusst geflüstert, damit die Nachbarn es nicht mitbekommen, weil ich weiss, wie schlimm es für ihn ist, wenn andere Leute Dinge mitbekommen, wie auch die vergangenen Streits mit den Ex-Freundinnen in dieser Wohnung.
Ich versuchte ihn zu beruhigen und bat ihn aufzuhören und fragte, ob ich lieber gehen soll, aber er war voll in seinem Film, teilweise schlug er sich an Kopf. Wir waren dann im Wohnzimmer und ich hörte ihm zu, bis er alles rausliess und wehrte mich verbal gar nicht, mein Ziel war es ihn zu beruhigen.
Ich wollte ihm eigentlich zeigen, dass ich ihm gutgesinnt bin und ihn verstehe usw. hab ihn dann gefragt, ob ich ihn mal kurz umarmen kann, um ihn zu beruhigen. Dann meinte er, nein das habe er nicht verdient.
Als er dann alles rausgelassen hat, hat er sich irgendwann beruhigt und fragte ruhig, ob wir nun schlafen gehen. Fand das sehr seltsam, das war dann plötzlich so, als wie wenn nichts gewesen wäre.
der nächste Morgen
Am nächsten Morgen wunderte ich mich, dass er nicht zur Arbeit ging und weiterschlief, habe zwar gehört, dass er früh morgens telefoniert hat und sich wieder hingelegt hat. Deswegen dachte ich, sehr wahrscheinlich hat er sich frei genommen. Tatsächlich hat er mit seinem Chef vereinbart, erst am Nachmittag zu arbeiten.
Er schlief also tief und fest und ich ging dann um 12 Uhr raus und wollte mir paar Sachen kaufen, allerdings kam ich nicht mehr durch die erste Eingangstür, ich dachte, wahrscheinlich hat er zwei separate Schlüssel. (Es war eine sehr komplexe uralte Türe, man hätte 7 Mal drehen müssen). Klingeln war erfolgslos. Ich beschloss, die Stadt bisschen zu besichtigen und zu warten, bis er wach wird und mir schreibt und die Türe öffnet.
um 15.30 Uhr hat er mir dann aufgemacht, ist gerade aufgewachen. Dann realisierte er, dass er den Nachmittag verpennt hat, hat mich gefragt, weshalb ich ihn nicht geweckt habe und ob mir bewusst, ist dass er jetzt gekündigt wird. Dann ging er ins Wohnzimmer und fragte: "hää wieso ist das Fenster offen und wieso siehts da wieder so schlimm aus, was soll das alles?" Seine Stimmung war komisch. Er fuhr seinen ArbeitsPC hoch, schlug gegen den Tisch und murmelte Zeugs vor sich hin. Ich fragte, ob ich was tun kann, was er grad brauche und er meinte nur: " mach was du willst" Ich fragte ihn ob ich lieber gehen soll, weil er ja am Vorabend gefragt, hat was ich hier überhaupt mache.
Es kam keine Antwort ich stand paar Minuten am Türrahmen und bekam wieder Angst als er auf den Tisch schlug. Ich hab dann gesagt, dass ich dann jetzt gehen würde und hab die Türe geöffnet und war im Hauseingangsbereich.
Dann ging's wieder ganz ganz schnell und er kam aus dem Wohnzimmer, war wieder am heulen und impulsiv und schlug sich wider gegen die Brust vor meinen Augen, ich bat ihn aufzuhören und hatte wahnsinnige Angst, ich dachte er würde jetzt komplett eskalieren, wegen dem Job und mich dafür verantwortlich machen und sich seine Wut jetzt gegen mich richten würde.
Dann hab ich gesehen, dass er sich in der Küche zu Boden warf, sich krümmte und ich konnte ihn gar nicht mehr einschätzen und in dem Moment hatte ich wirklich das Gefühl, ich muss mich jetzt retten, ich muss raus aus diesem Haus, sonst würde er mir was antun.
Das war auch der Moment, wo ich das erste Mal dachte, dass die Geschichten mit den toxischen Exfreundinnen vielleicht andersrum waren und dass die eine Freundin evlt auch die Flucht ergriffen hat und sich von ihrem Vater abholen liess, weil er durchdrehte.
Ich lief also 5 Minuten Richtung Bahnhof, um mich irgendwo niederzusetzen und zu überlegen, was ich machen könnte evtl die Ambulanz rufen oderso? Dann hab gesehen, dass er mich ständig angerufen hat - ich nahm ab und er weinte verzweifelt und meinte, wenn ich ihn schon wie ein Stück sch. zurücklassen, soll ich wenigstens die Ambulanz anrufen, er habe alles Löcher im Kopf und wie egoistisch ich sei, was ich alles angerichtet habe und jetzt einfach weggehe. Genau so haben es seine Exen auch gemacht. Hab ihn dann gefragt, was er braucht und dass ich gegangen bin, weil ich dachte, er wolle dass ich gehe und es besser sei.
Kurz gefasst hab ich 3h mit ihm telefoniert, während ich draussen beim Bahnhof war. Ich war überrascht über seine Ausdrucksweise mit den Beleidugungen und habe gesagt, dass es nicht meine Kommunikationsebene ist, aber es hat nichts genutzt. Ich hab auch erwähnt, dass ich das Gefühl habe, dass er hier wahnsinnig viele Dinge von den Exfreundinnen auf mich projiziert. Ich fragte ihn auch immer wieder wie ich ihm helfen kann und er meinte, ein Gespräch würde ihm helfen, dann hab ich gesagt, wir können uns draussen treffen für ein Gespräch aber nicht in der Wohnung.
3h habe ich mich beleidigen lassen ich wäre dumm, ich wäre kaputt, ich habe ein schei., ich soll zurück in meine Stadt wo alle Leute hässlich sind, ich habe ihn nur runtergezogen die letzten Wochen, ich habe keine Ahnung, wer er zuvor war usw. Und dass ich gleich wäre wie alle anderen und die anderen auch alle keine Ahnung haben und es ihnen en Empathie fehlt und er sei halt krankhaft empathisch, deswegen versteht er sich nicht mit anderen. Ich war 3h nur still und hab ihn beruhigt und alles auf mich genommen und ihm gut zugesprochen.
Normalerweise würde ich so ein Telefonat beenden aber das fiese war, ich war doch gezwungen ihn am Apparat zu haben und ihn zu beruhigen, weil ich Angst hatte, er tut sich was an. Ich kenne seine Familie und Freunde nicht persönlich, sodass ich sie hätte informieren können. Eine Ambulanz zu rufen hätte ihn fürs Leben geprägt, das hätte nicht anonym ablaufen können und ich glaube, es wäre drastisch verlaufen, wenn sie ihn mitgenommen hätten und er für eine Weile nicht mehr zur Arbeit hätte gehen können. Oder? Weiss das jemand?
Ich hab ihm zwischendurch auch mal gesagt, dass ich auflegen muss, weil ich jemand organisieren muss, der mich abholt, da ich ja nicht alleine Zugfahren kann. Dann meinte er: " oh jeeh siehst duu, jetzt werden auch noch andere Leute involviert"
Ich schrieb dann meiner Kollegin heimlich, dass es einen Vorfall gab und ich weg muss von hier und sie bestätigte mir, dass sie sich auf den Weg macht und mich holt. 💕
In der Zwischenzeit hat er sich beruhigt, es schien, als hätte sich seine Wut in Traurigkeit gewechselt. Er hatte ein schlechtes Gewissen, weil er mich zurückbringen wollte und sich verantwortlich fühlte. Aber für mich kam es nicht mehr in Frage dass ich mit ihm 1h in einen Zug steige. Sagte ihm dann dass ich alleine fahre und wir können uns noch kurz verabschieden wenn ihm das so wichtig ist und meine restlichen Sachen holen.
Ich ging noch so 5 bis 10 Minuten zu ihm. Er war wie ein Häufchen Elend voller Leid, er meinte ich habe das nicht verdient und ich soll die Sachen vergessen, die er am Telefon gesagt habe, ich sei die tollste, beste Frau, die er jeh hatte und er könne gar nie sowas denken von mir und dass er kaputt sei und viel Angst hat und wenn wir uns zu einem anderen Zeitpunkt kennengelernt hätten, wäre das anders verlaufen und dass er mich zu sehr liebt und mir das nicht antun will und dass ich genau die Frau bin, die er sich immer gewünscht hat und das nie mehr finden wird.
Seine Erklärung dazu
Dann in den folgenden 7 Tagen schrieben wir nur abends wenig und er sagte, dass er ein hs ist und sich wie ein Stück sch. fühlt und ich das nicht verdient habe. Er schrieb, dass er sich in dem Moment, wo er sah, dass ich wirklich ready zum Gehen war, so sehr verloren hat, weil er dachte, dass er verloren hat und sich deswegen schlug. Er wollte mich nicht anbetteln dass ich bleibe, weil es sich wie ein Zwang angefühlt hätte und er wollte eigentlich dass ich bleibe, er musste sich nur kurz sortieren wegen der Arbeit. Was mich noch schockierte war, dass er meinte, er wollte sich selbst schlagen, um mich von sich zu befreien, als er sah dass ich Angst habe wegen ihm.
Die anderen Tage haben wir nicht viel über den Vorfall geschrieben, das müssen beide zuerst reflektieren und verarbeiten, weil es einfach zu gross war die ganze Thematik.
Vor zwei Tagen hat er mich dann angerufen und wir sprachen bisschen drüber. Er meinte, er habe wohl psychische Probleme und PTBS und vielleicht noch sonstige Probleme.
Er sah auch ein, dass er Kleinigkeiten nicht ertragen kann und sich in neutralen Aussagen vom Gegenüber sehr schnell bedroht fühlt und sich dann verliert.
Ich habe ihm auch versucht zu erklären, dass jedes Gefühl seine Berechtigung hat und Raum haben darf. resp. dass er alles äussern darf was ihn stört, verletzt oder als unangemessen empfunden wird, aber natürlich auf einer ruhigen normalen Ebene, dann kann man sich zu zweit darüber unterhalten und das gehört doch zu jeder Beziehung oder Freundschaft.
Er meinte dann, das könne er nicht, und ich sei da halt weiter und zudem sei er kaputt von den vorherigen Beziehungen, da er dort der Unterwürfige war und die Frauen ihn aus dem Nichts dumm angemacht haben und er meint, jetzt sei er der Toxische geworden.
Er meinte auch, es wäre ihm lieber gewesen, wenn ich ihn geschlagen hätte, anstatt dass ich das so miterleben musste vergangene Woche.
Ich fragte ihn dann, ob er dann nicht so frech gewesen wäre, wenn ich ihn "dominiert" hätte, weil irgendwie kann ich mir das nicht vorstellen, dass er dann ruhig und schüchtern bleibt, wenn er ja schon wegen ganz anderen Kleinigkeiten durchdreht.
Irgendwie find ich das paradox. Dann find ich mal einen Mann der zu mir passt und muss dann feststellen, dass er jetzt mit mir zum Täter wird, aufgrund seiner schlechten Erfahrungen.
Kann das wirklich so sein, dass er sich jetzt nicht mehr regulieren kann und selbst toxisch ist?
Oder war er bereits vorher so kompliziert?
Wie soll ich weiterverfahren? Es ist schwierig, sich zu lösen, wenn man sich liebt, aber gleichzeitig möchte ich auf keinen Fall sein Opfer werden.
Zu seinem psychischen Zustand: Er arbeitet weiterhin jeden Tag und geht mit seiner langjährigen Freundesgruppe raus an Events, Festivals usw. Ich glaube, er würde da keine Hilfe annehmen, solange er nach Aussen noch funktionieren kann, nur eine Medikation würde er einnehmen.
Danke für's Lesen 💕💕💕
Alles Liebe!