Zitat von Fenjal:@Talia_ er wusste doch, offenbar schon länger, um seine Erkrankung, warum mußte er dann noch ein Kind zeugen? Wie unterstützt er nun dieses Kind, wenn es z.b. studieren möchte, mit Freunden 3 Wochen nach Italien fliegen möchte, ein tablet braucht..... Joh, wusste man nicht, ... sich Wünsche zu erfüllen ist das ...
Ich mag mich wiederholen aber:
Ich finde deine Antwort schwierig, weil sie davon ausgeht, dass psychische Erkrankungen planbar, kontrollierbar und rein logisch behandelbar wären. Genau das sind Depressionen aber nicht.
Zu sagen „Er wusste doch von seiner Erkrankung, warum dann ein Kind?“ klingt so, als wäre das Leben von Menschen mit Depressionen dauerhaft eindeutig und gleich schlimm. Dabei verlaufen Depressionen episodisch. Viele Betroffene haben Phasen, in denen es ihnen besser geht und sie Entscheidungen treffen, die zu diesem Zeitpunkt sinnvoll erscheinen. Elternschaft ist keine rein rationale Rechnung, und Depression bedeutet nicht automatisch, dass jemand nie eine Familie haben dürfte.
Außerdem reduzierst du Elternschaft stark auf materielle Wünsche wie Studium, Reisen oder Tablets. Gute Elternschaft besteht vor allem aus Bindung, Zuwendung und Sicherheit, und das können auch Menschen mit Depressionen geben, vorausgesetzt, sie haben die nötige Unterstützung. Krankheit bedeutet nicht, dass man automatisch kein guter Elternteil sein kann.
Der Anspruch, depressive Menschen müssten „folgerichtig denken“ und Probleme wären vermeidbar, wenn sie nur genug Vernunft anwenden würden, geht an der Realität vorbei. Genau das können Betroffene in belasteten Phasen eben nicht, das ist ein Symptom der Erkrankung, kein Charakterfehler. Von jemandem mit Depressionen zu verlangen, jederzeit rational zu funktionieren, ist wie zu sagen: „Wenn du Asthma hast, atme doch einfach vernünftiger.“
Natürlich trägt jeder Verantwortung für sein Kind. Und ja, manchmal braucht es dafür Unterstützung von außen. Das ist völlig legitim zu sagen.
Aber die Vorstellung, Depression sei ein Ergebnis mangelnder Weitsicht oder fehlender Logik, stigmatisiert Betroffene und macht die Situation für niemanden besser.
Edit: Leider vergesse ich oft, weil du deine Nicks so häufig änderst, dass du eine grundsätzlich feindliche Einstellung gegenüber Eltern hast. Deshalb ist meine Energie hier wohl verschwendet.