Zitat von E-Claire: Und unsere Energie sollten mE auch eher denen gelten, als sich an dieser immer kleiner werdenden Gruppe abzuarbeiten. Natürlich bin ich sehr gern auch mit Männern im Austausch, aber ich muß mich wirklich nicht auf Diskussionen einlassen, bei denen ich zunächst erst einmal überhaupt die Grundlagen schaffen muss. Insbesondere dann, wenn bei genauerem Hinsehen auch in der Gruppe der Männer, die so vehement die Existenz von strukturellen Ungleichheiten bestreiten, natürlich Privilegien anderer Männer gegen diese wirken.
So wahr!
Zitat von E-Claire: ich zB hatte auch eine sehr harte Zeit, um meine persönliche Geschichte, ostdeutsche Protestantin, Einwanderin, erste Generation Vermögensaufbau
Da hatte ich es in jeder Hinsicht leichter. Weiß, abil, Wessi, mit ausreichend Geld auf die Welt und selbst ohne viel Mühe immer ausreichend Geld verdient, Bildungsbürger, liberaler Haushalt. Privilegierter geht's fast nicht.
Außer frau hat nen Bruder...
Aber richtig, mit 19, 20 wurde Rassismus ein Thema. Und das zu verstehen, ohne es jemals selbst erlebt zu haben, fiel schwer. Erst als ich die gleiche Macht- und Normierungsmechanik des Rassismus wie des Chauvinismus erkannt habe, könnte ich nachvollziehen. Vor allem auch die Anstrengung der täglich zwei Dutzend Nadelstiche. Der vorauseilenden Anpassung. Des fehlenden Raums.
Auch eine Auslandszeit hat geholfen, ganz real zu verstehen, wieviele Kalorien ein Alltag in einer fremden Sprache und einem fremden System kosten. Das gab dann sowohl den Zugang zu Einwanderern (Sprache) als auch zu Ostdeutschen (System).
Aber das muss man dann eben auch wollen.
Was mir im Diskurs mit Männern so furchtbar häufig auffällt, ist die Projektion. Von sich auf andere schließen. Da man selbst sich als Opfer empfindet, vermutet man im Aktivismus anderer nur eine jammernde Opferrolle mit Rettungsanspruch statt dem gemeinsamen Finden des Neuen.
Was ich selber denk und tu, trau ich jedem ändern zu. Manchmal scheint es wirklich so schlicht wie einfach zu sein.
Zitat von E-Claire: Damit wäre dann als nächstes festzuhalten, dass weder Dein noch mein Empfinden die Existenz einer strukturellen Ungleichbehandlung begründen oder negieren können, sondern das wir von struktureller Ungleichbehandlung sprechen, wenn wir Zahlen sehen, die darauf hindeuten, dass obwohl wir gesetzlich Chancengleichheit verankern, diese sich aber nicht gerecht auf alle Gruppen verteilt.
Und das bitte ganz fett in rot und quer über Springerpresse und Instagram legen. Ich bilde seit einiger Zeit einen fe. aus, weil mir die gefühlten Annahmen so mühsam sind.