Zitat von hahawi:Ich glaube, für jemanden, der so etwas nicht am eigenen Leib erlebt hat, sind die Verletzungen und Kränkungen, die einem da zugefügt werden, von einem Menschen, den man zu kennen, zu lieben und vor allem zu vertrauen glaubt, gar nicht nachvollziehbar.
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Ja, du hast gut beschrieben, wie es mir immer noch mit der Situation geht. Das was mir wirklich am meisten zu Schaffen macht sind die Kränkungen durch Degradierung und vor allem der Vertrauensbruch, der für mich aus dem Nichts gekommen ist. Der Treppenwitz ist nämlich, dass Vertrauen in all den Jahren bei uns wirklich nie ein Thema war. Hilft nix, Opfermodus muss immer wieder abgeschaltet werden
@victim_reloaded Ich fand die hier genannten Definitionen sehr plausibel. Vielleicht noch ein ergänzender Aspekt: Für mich ist ein Warmwechsel (wie auch ein Seitensprung) eine Art Vertragsbruch. Eine "Vereinbarung" wird nicht nur einseitig aufgekündigt (was völlig legitim ist), sondern die dem "Vertrag" zugrunde liegenden (nicht immer ausgesprochenen, aber lange Zeit geltenden) Spielregeln und Werte werden gleichzeitig einseitig außer Kraft gesetzt. Ich denke, die meisten kämpfen damit, dass dies für sie überraschend und durch eine so nahestehende Person.
Dass der Warmwechsel dem Verlassenen als Rechtfertigung dient, seine Anteile auszublenden, lese ich hiert nicht. Ich lese hier sehr verletzte Menschen, die ihr eigenes Tun und Fühlen in den Blick nehmen, um wieder Fuss zu fassen.
Und noch eine perönliche Bemerkung: Meine EX hat genauso agiert wie du. Entfremdung, Kritik (die ich in der existenziellen Dimension so nicht wahrgenommen habe). Aber sie hatte erst den Mut, die Kraft, die Sicherheit, was auch immer, sich zu trennen als jemand Neues da war. Zusammengekommen sind die beiden offiziell auch erst ein paar Wochen später. Ich kann verstehen, warum man so handelt. Menschlich finde ich es jedoch einfach schwach, wenn Menschen nicht alleine für sich einstehen können und sich lieber durch lavieren. Weg des geringsten Widerstands nennt man das. Klar sind wir alle mal ambivalent, ungerecht, lassen fünfe gerade sein, treffen falsche Entscheidungen, handeln unmoralisch - . Aber zumindest im Nachhinein muss es doch möglich sein, sich und anderen einzugestehen: Mensch, ich hab mich nicht angemessen verhalten und richtig Mist gebaut. Gerade gegenüber Menschen, die mal wichtig waren. Yo, ich weiß, ich bin naiv. Es gibt eben kein Sparbuch der Liebe.
