Zitat von Schattenseite: Er selbst hatte während unserer knapp drei gemeinsamen Jahre zeitweise im Wochentakt Schluß gemacht und kam aber immer wieder auf mich zu, nachdem er sich wieder beruhigt hatte, was meist nur ein paar Stunden oder wenige Tage dauerte. In dieser Zeit schrieb er mir wütende Nachrichten oder ignorierte mich komplett.
Ich war in dieser Zeitspanne jedesmal total am Boden und wie gelähmt. Meldete er sich dann wieder, war ich dankbar und unendlich froh darüber. Es war ein richtiger Teufelskreis und seinen Trennungsdrohungen und meinen Verlustängsten um ihn.
Ein nettes Karussell, auf dem du Runde um Runde gedreht hast. Du hast ihm ja alles immer wieder verziehen, ihn immer wieder zurückgenommen und was hast Du noch getan? Du hast nicht gesehen, was für ein Mensch er ist und du hast nicht auf Dich geachtet, sondern bist schlecht mit dir selbst umgegangen.
Nach zwei oder drei Runden weiß man, wie es läuft mit ihm. Es ist eine Spirale ohne Ende, die du freiwillig mitgelebt hast. Änderung oder gar Besserung nicht in Sicht.
Und du konntest dich nicht lösen, weil du ja eigentlich wusstest, dass du es nur aushalten musst und dass er wiederkommen würde. Und nach dem Entzug durch sein Schlussmachen warst du so süchtig nach diesem Gefühl des Zusammen- und Einsseins mit ihm, dass du es immer wieder spüren wolltest. Das ging aber nur, indem du bliebst und er sich alles erlauben konnte. Das ist dein Anteil an der Misere. Wer schlecht mit sich umgehen lässt, mit dem gehen manche Menschen schlecht um. Wofür sollten sie sich auch anstrengen, sich ändern oder gar bessern? Braucht es doch nicht, Schattenseite wartet treu und ergeben auf seine Rückkehr.
Und diese Heiß- und Kaltspielchen, die er da machte, haben einen weiteren Effekt. Seine Zungeigung, seine Wärme waren alles andere als zuverlässig. Im Gegenteil, es konnte jederzeit wieder kippen. Und wonach giert der Mensch? Nach Wärme, Vertrauen, Geborgenheit. Dadurch, dass du das niemals zuverlässig bekommen hast, greift das Innenleben zu einem Trick. Es stilisiert das Zusammensein, das wundervolle Gefühl der Übereinstimmung und Harmonie zu etwas ganz Besonderem hoch, eben weil es nicht selbstverständlich ist. Und daher wolltest du das immer wieder auskosten und hast dafür die Abwendung, die Distanz, die Ängste hingenommen.
Zeigt einem Kind ein Bonbon, das ganz gierig das Bonbon möchte. Du aber sagst ihm, nö, das ist mein Bonbon, den esse ich selbst. Aber weil ich nicht so bin, darfst du mal dran sch *beep*. Was passiert? Oh, wie wunderbar schmeckt doch dieses süße Bonbon, das möchte ich wieder haben und daher warte ich schön brav und bin auch brav und artig. Denn dann kriege ich eines Tages bestimmt ein Bonbon für mich allein.
Erkennst du dich darin wieder?
Ich vermute dass es in deiner Kindheit eine oder mehrere Situationen gab, die dieser ähnelten. Vielleicht war ein Elternteil dir gegenüber auch mal heiß und dann wieder brutal kalt und abweisend? Die Kinderseele kann damit nicht umgehen und das Kind hat zwei Möglichkeiten. Entweder es bleibt brav und willfährig und versucht alles zu tun, um Liebe zu bekommen oder es wird rebellisch. Rebellion kostet viel Energie und ein Kind strebt nach Geborgenheit und Sicherheit und daher passt es sich meistens an.
Das ewige Warten auf ihn hast du wahrscheinlich auch schon in der Kindheit kennengelernt. Das Kind verschiebt den Schmerz, die Angst vor dem Verlassenwerden, ins Unterbewusstsein. Und da liegt es nun, aber es ist ja nicht weg, sondern beeinflusst dein Verhalten als Erwachsene.
Du lebst das nach, was du kennst und hast nur die Protagonisten geändert. Die Seele kennt nur den Zwang zur Wiederholung, denn sie glaubt, dass im Nachleben Heilung liegt. Denn dieses Mal könnte es ja das große Happy-end geben, dieses Mal könnte es halten. ich muss ihn nur wieder zurücknehmen und darf mich wieder in seine Arme flüchten und alles ist gut. Es klappt aber leider nicht, weil für eine Heilung Deiner Defizite nicht er zuständig ist. Er zeigt dir nur. woran es bei dir hapert. Er ist somit ein Werkzeug deiner Seele, die endlich Ruhe möchte, die du ihr aber nicht gibst. Du bleibst in der hochstressigen Situation, lebst mit deinen Verlustängsten und der Ungewissheit und verharrst in der unguten Situation.
Es fehlt dir an Selbstwertgefühl, an Eigenständigkeit und an Erkenntnis, dass es keine Besserung geben wird.
Fange bei dir an, löse dich von Menschen wie ihm, und erinnere dich lieber an das was du erlebt hast. Es wirkt immer noch nach und es kann nur besser werden über die Erinnerung und die Erkenntnis, dass die Heilung nicht bei anderen Menschen liegt. Sondern nur in dir selbst. Kümmere dich und um deine Blessuren und sieh das traurige kleine Kind in dir, das nur Liebe möchte und Glück sucht. Dann sei doch mal gut zu dem Kind und sage zu ihm: du pass mal auf, ich bin für dich da und ich verspreche dir, dass ich von jetzt an besser auf dich aufpasse und dass wir eines Tages wieder glücklich werden.
Zitat von Schattenseite: Angeblich habe ich ihn fortwährend verletzt und unglücklich gemacht und zurückgestoßen, wenn ich mir mit einer Antwort Zeit ließ und (was selten vorkam) ein Treffen absagte. Ich kann und will diese Verantwortung für ihn als Ü- Fünfziger nicht mehr übernehmen.
Du hast dir einen Mann ausgesucht, der schwer gestört ist und Dinge möchte, die er selbst nicht tun konnte. Und wenn du nicht "artig" warst, wurdest du beschimpft und als die Schuldige hingestellt. Vermutlich hat er eine narzistische Störung. Dagegen kommst du nicht an, denn für Argumente und zu Selbstkritik ist er nicht in der Lage.
Zitat von Schattenseite: ich wollte diese Endlosschleife durchbrechen … aber es fühlt sich leider nicht so „erlösend“ an, wie ich gehofft hatte und meine Trauer um unsere gemeinsame Zeit bzw. um eine mögliche Zukunft ist einfach riesig. Dabei weiß ich rational, dass es die richtige Entscheidung war und ist, zu gehen und wegzubleiben. Seinen Kontakt im Messenger habe ich blockiert und er hat sich sofort danach gelöscht, was ich auch gut finde. Er hatte das früher oft getan, die ganze App runtergeworfen, um sich kurz darauf wieder anzumelden und mir zu schreiben. Daher diesmal mein Blockieren des Kontaktes.
Du hast endlich in deinem Interesse gehandelt und darauf darfst du stolz sein. Du hast dich gelöst, was schwierig genug war, aber damit ist es nicht getan. Denn nun fehlt dir was, es ist nun eine Lücke in deinem Leben, die noch nicht wieder kompensiert werden kann. Gerade bei diesen hochstressigen und belastenden Beziehungen ist die komplette Ablösung um so schwieriger. Sieh es mal so. Mit ihm warst du permanent beschäftigt. Er war da und vielleicht mal lieb und nett und du warst die Beste aller Frauen, aber dann wurde er wieder abweisend und kalt und wenn du nicht gespurt hast, warst du die Schuldige. Deine Seele kam über die 3 Jahre praktisch nicht zur Ruhe, weil es einen Menschen darin gab, der die absolute Hauptrolle spielte. Und das war er, nicht etwa du. Denn du hast ihn machen lassen, hast alles ertragen, alles nachgesehen, Hauptsache er kommt wieder. An diesen ständigen Stress gewöhnt man sich, man merkt zwar, dass er schädlich ist, aber kommt doch nicht raus. Denn der Kick nach dem Stress ist so gewalitg, dass man sich einredet, es hat sich gelohnt.
Das zermürbt dich innerlich und in der Folge auch körperlich, es zieht dir sehr viele Energiereseven raus, die du in ihn steckst, aber von dir abziehst.
Und da dudas gewöhnt bist, fühlt sich die Trennung für dich jetzt leer an, irgendwie gar nicht so gut wie du gehofft hast. Denn du bist immer noch in dem Negativstress, weil du dieses "Nichts" jetzt erst mal aushalten und letztendes auch auffüllen musst. Und das geht halt nicht so schnell. Genauso wie du 3 Jahre für nichts mit ihm vergeudet hast, so brauchst du jetzt Monate über Monate, um darüber hinweg zu kommen und deinem Leben wieder Inhalt und Struktur zu geben.
Du hast das Wichtigste geschafft, die Trennung durchgezogen. Die Kontaktsperre wird wirken, denn dadurch kapieren die Gefühle, die ja immer nur das Glück spüren möchten, dass er weg ist und dass es gut ist. Es wird schrittweise besser, aber es gibt auch wieder mal einen Rückschlag. Das ist normal, denn die Trauer verläuft nicht linear. Nach einem Tag, an dem es ganz gut ging, kann es auch wieder einen Einbruch geben. Da ist es dann ganz wichtig, konsequent zu bleiben und ja nicht doch wieder Kontakt aufzunehmen, oft verkleidet mit der Ausrede, ich wollte bloß mal sehen, wie es ihm geht. Nein, es geht dich nichts an und du wirst deine Fortschritte nicht wieder kaputt machen, indem du einbrichst.
Diese Sehnsüchte kommen, ich kenne sie und da musst du hart zu dir selbst sein. Denn allein indem du dich bei ihm wieder meldest, gibst du ihm Futter für sein Ego. Gleichgültigkeit ist die schönste und beste aller Rachegefühle. Und irgendwann kommst du auch dahin, aber schätzungweise musst du mindestens mit einem Jahr rechnen, eher länger. Aber du wirst selbst merken, dass du mit der Zeit weniger an ihn denkst.
Nimm den Fokus von ihm weg, er ist wie er ist und er wird bleiben wie er ist. Er war nicht gut für dich, aber vielleicht doch sinnvoll. Denn er zeigt dir, wo deine Baustellen liegen. Sei mal ein wenig gut zu dir, hab dich selbst ein wenig lieb, kümmere dich um dich. Das wird dir gut tun. Nicht er verdient deine Aufmerksamkeit und deine Gedanken, sondern du selbst. Du hast zu wenig Selbstfürsorge gelernt und das darst du jetzt nachholen. Das ist prima. Nütze diese Zeit für dich und denk nicht über ihn nach, sondern über dich und gehe pfleglich mit dir um. Das Schwierigste ist geschafft, die Trennung und die hast du allein herbei geführt. Das ist eine Leistung an sich in deinem Interesse, denn den Dauerstress mit dem kaputten Mann wolltest du nicht mehr ertragen. Mach dir das nicht kaputt, sondern "feiere" es, lobe dich und sag dir, es war das Beste und einzig Richtige so.
Mit der Zeit wird die Sehnsucht schwächer und die Trauer auch. Sie schaut ab und zu wieder mal vorbei, stört dich, geht aber auch wieder. Bleib einfach auf deinem Weg. Du hast ein Ziel. Du möchtest das, was dich wahrscheinlich über Jahre gequält hat, los werden und zu einem friedlichen und zufriedenen Leben finden. Du möchtest deine Mitte wieder finden und dazu brauchst du dich selbst und vielleicht ein paar Freundinnen, die dich auch mal ablenken oder in den Arm nehmen.
Die Leere wird nicht bleiben, auch sie wird vergehen und irgendwann, in zwei Jahren oder so, wirst du merken: Seltsam, wie das damals alles war. Wie ich mich aufgegeben hatte, wie ich behandeln habe lassen? Es wird dir seltsam vorkommen und so, als ob es nicht du gewesen wärst, die das mitgemacht hast, sondern eine andere, fremde Person.
Dann kannst du dich entspannt zurück lehnen und dir sagen: das, was ich nicht für möglich gehalten habe, ist eingetreten. ich bin frei und habe mich selbst befreit. ich bin über mich hinausgewachsen und er? Ist mir egal. Soll er leben wie er mag, für mich ist das kein Thema mehr. Und dann wird dich eine große Erleichterung überfluten, die du dir gönnen darfst. Weil du es dir wert bist und von nun an auf dich aufpassen willst. Menschen wie er können dir dann nichts mehr anhaben, denn du sortierst sie rechtzeitig wieder aus.