Zitat von juliet:ihr lieben
Danke für die vielen guten Beiträge
PTB - Das glaube ich auch, bemerke bei mir auch entsprechende Symptome !
verzeihen ja, vergessen nie. Auch das kann ich so unterschreiben !
ich merke aber, dass auch der dritte Schritt, der hier irgendwo genannt wurde, nämlich "loslassen" unbedingt erforderlich ist.
ich habe für mich die gleiche Erkenntnis gewonnen wie ihr: egal, ob allein, mit neuem Partner oder meinem betrügenden Partner - mein Urvertrauen ist pulverisiert !
vielleicht ist das auch gut so, denn 100- Prozentiges Vertrauen ist vielleicht im menschlichen Beziehungen gar nicht angemessen.
vertrauen ja, aber dennoch auch das Wissen, dass mein gegenüber nicht perfekt ist und schon gar nicht von heute für immerdar meine Bedürfnisse vollauf befriedigen wird
mit anderen Worten, mein gegenüber wird mich vielleicht verletzen, enttäuschen
wenn ich das annehme und akzeptiere, kann ich im Hier und Jetzt auch wieder vertrauen !
Das ist eine wichtige und schwierige Erkenntnis!
ich habe mich entschieden, mit meinem Partner zusammen zu bleiben - beziehungsweise einen Neuanfang zu wagen!
nach wie vor sind täglich Momente da, in denen ich k.... könnte angesichts des massiven Vertrauensbruchs, Der mir widerfahren ist !
in solchen Momenten denke ich aber auch daran, wie ich mit meinem Verhalten dazu beigetragen habe, dass er sich von mir unmerklich - und kontinuierlich - entfernt hat ......
an diesen Baustellen arbeite ich .
es tut mir gut, mich nur auf mich und meine Baustellen zu konzentrieren. Damit habe ich wirklich alle Hände voll zu tun
ich merke auch, dass die SchmerzIntensität und -Häufigkeit langsam nachlassen!
lasst uns hier gegenseitig Mut und Hoffnung geben !
Nach meiner Erfahrung bist Du mit dieser Haltung bereits auf einem sehr guten Weg.
Ich habe nun Deine Geschichte nicht gelesen, weiß also nicht wie lange das Aufdecken des Betruges bei Dir her ist. Bei mir ist es nun gut 4 Jahre her und es geht mir mit meinem Mann besser als je zuvor. Ich habe verziehen, vergessen nicht. Auf ein Vergessen sollte auch nicht hingearbeitet werden, da wird sonst nur ein Verdrängungsprozess eingeleitet und das ist nicht gut.
Besser ist, sich mit allem gründlich auseinanderzusetzen und die eigenen Anteile zu erkennen. Sicher soll man bei der "Heilung" das Hauptaugenmerk auf sich selbst gerichtet haben, jedoch darf man dem Partner dabei nicht nur den schwarzen Peter zu schieben.
Mein Mann war der "Täter", wie hier so gerne formuliert wird. Aber er hat sich nach Aufdecken des Betruges auch intensiv mit den Geschehnissen auseinander gesetzt, wollte er doch verstehen, warum ich so verletzt und aus dem Takt gekommen war, wegen etwas das nach seiner Beurteilung "für die Ehe und unsere Beziehung zu keiner Zeit von Bedeutung war" (er hatte eine rein 6uelle Affäre mit einer ebenfalls verheirateten Mutter und sie trafen sich nur hin und wieder für 1-2 Stunden im Hotel). Er konnte zuerst meine Reaktion gar nicht nachvollziehen, später empfand er auf einmal Schuld und schämte sich.
Diese Schuld trägt er heute genauso noch mit sich herum, wie ich mein Nicht-vergessen-können.
Das ist auch nicht so verkehrt, so werden wir beide daran erinnert aufzupassen und nicht die Arbeit an der Beziehung schleifen zu lassen. Nichts ist selbstverständlich und über alles kann man miteinander reden, das haben wir beide daraus gelernt.
Seit einiger Zeit denke ich auch nicht mehr mit Bitterkeit an das Geschehene zurück, es ist zu einer zwar schmerzhaften aber wohl auch notwendigen Erfahrung geworden. Erst dadurch haben wir uns mit uns selbst, dem anderen und unserem Miteinander mehr auseinandergesetzt. Auch wenn es hart war und ich gerne auf diese Erfahrung verzichtet hätte, es hatte auch etwas Gutes. Ich habe mich selbst besser kennengelernt und es ist mir zu manchen Dingen ein ganz anderer Zugang gelungen.
Vor fast zwei Jahrzehnten hat mir ein mittlerweile verstorbener Bekannter, der damals bereits an die 80 war und über sehr viel Lebenserfahrung und philosophischer Bildung verfügte, versucht seine Betrachtungsweise der Dinge nahe zu bringen. Ich habe es damals nicht verstanden und ihn eher als "alten Spinner" gesehen. Nun weiß ich, er hatte Recht. Erst durch erlittenen Schmerz ("Läuterung") bin ich in meinem eigenen Mittelpunkt angekommen. Aus dieser veränderten Position heraus war es mir dann auch möglich meinem Mann zu verzeihen.
Vergessen ist gar nicht nötig, mit der Zeit und mit Abstand betrachtet relativiert sich das ganze dann auch. Es hilft bis es soweit ist ganz ungemein, da etwas mehr Pragmatismus und weniger Drama an den Tag zu legen.
Die erlittene Verletzung bzw. schlechte Erfahrung prägt einen doch sowieso. Jede neue Beziehung wird davon beeinflusst, da kann ich auch gleich mit dem alten ("geläuterten") Partner neu starten, wenn genug Liebe da ist.