Zitat von Ema: Keine Ahnung, ob dich das überzeugt, MMHW, aber mich überzeugt so etwas ganz und gar nicht.
Ich glaube nämlich nicht, dass das Leben "mit uns geschieht", ohne dass wir die Möglichkeit haben, über unsere Handlungen zu reflektieren.
Leider kommt es zum Nachdenken meist erst, wenn es passiert ist und genug Schmerzen bereitat hat. Denn momentan sind andere Dinge wichtiger, weil die Affäre die Gefühle anspricht. Auf einmal ist da Jemand, der einen versteht , der auch nicht glücklich mit seinem Leben ist. Das verbindet ungemein. Dann spürt man, dass man wichtig ist und fühlt das Glück dieser großen Verbundenheit. Ein Wunsch nach mehr davon entsteht. Abgesehen davon, dass man sich wieder "gesehen" fühlt. Ich bin anscheinend doch noch liebenswert und begehrenswert.
Und da einen dieses Gesamtpaket so glücklich macht, pflegt man es natürlich weiter. Manchmal kommen vielleicht so störende Gedanken auf wie: Was mache ich da eigentllich? Ist das noch in Ordnung so?
Aber diese Gedanken wischt man schnell wieder weg und freut sich auf das nächste Date. Oh, wie schön ist das Leben auf einmal wieder! Diese Übereinstimmung in so vielen Dingen, das kann doch kein Zufall sein! Unglaublich, der tickt ja wie ich, der denkt über dieselben Dinge nach und der ist auch unglücklich in seiner Beziehung und mit seinem Los!
Dann kommt eines zum anderen und Mensch schlittert in eine Affäre, die im Endeffekt meist nur Leiden bringt.
Hinterher aber zu sagen, ich weiß gar nicht wie das passieren konnte. es war nicht geplant, nicht gewollt, aber es kam einfach so überraschend in mein Leben, dass der Verstand momentan im Urlaub war, ist schon billig. Denn man weiß ja durchaus was man tut, strebt aber nach Gefühlsbefriedigung.Und dieses Motiv ist meist stärker als alles andere.
Solche Äußerungen kommen von Leuten, die sich das Leben auch einfach machen. Es schwingt dahinter mit, dass sie ja gar nicht so viel dafür können. ES passierte einfach und ich konnte, äh, wollte es nicht sein lassen. Aber so ehrlich zu sich selbst sind die wenigsten.
Da ist es schon einfacher, dem Zufall, dem Sechser im Lotto mit diesem Menschen oder dem Schicksal die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben.ES passierte einfach, ES kam über uns und ehe wir es uns versahen, war ES schon passiert.
Negierung einer freien Willensentscheidung, denn ich hätte die heiße Herdplatte nicht berühren müssen. Ich wusste ja, dass ich mir die Finger verbrennen würde,, aber wenn das ES halt stärker ist, gibt man nach.
Mit solchen Äußerungen legt man die Verantwortung für sein Tun bequem ab, denn ES war ja Schuld..