Zitat von Ruebezahl: ch weiß, dass ich nicht „die große Liebe verloren“ habe, sondern eine Beziehung, die mich ständig in Alarmbereitschaft gehalten hat.
Ich weiß jetzt auch: Jemand, der wirklich will, braucht keine Pausen, um zu spüren, ob er dich liebt.
Ich bin noch nicht völlig frei von ihr – aber ich bin ruhiger.
Die Trigger werden seltener, und ich kann sie benennen, ohne dass sie mich mitreißen. Das Grübeln hält sich dadurch inzwischen in Grenzen.
Ich weiß, dass ich mich da Schritt für Schritt rausarbeite.
Und ich weiß, dass ich in Zukunft keine Frau mehr „retten“ will – ich will mit jemandem auf festem Boden stehen.
Beeindruckend, wie Du Dein Verhalten und Deine inneren Muster analysiert hast.
Alarmbereitschaft - ein sehr passender Ausdruck für eine Pendelbeziehung, die aus einem Auf und Ab besteht. Man kann sich daran gewöhnen, dass es immer wieder Störfaktoren, merkwürdige und verstörende Verhaltensweisen, emotionalen Rückzug gibt. Und dann wieder das Gegenteil: scheinbares Verständnis, liebevolles Verhalten und Zugewandtheit.
Das kann zu einer Abhängigkeit führen, denn nach nichts giert der Untergeordnete mehr als danach. Er hat es erlebt. glorifiziert es im Rückblick auf und wartet und hofft und investiert, um die Dro. wieder zu bekommen. Denn dann kann er sich wieder einreden, dass doch alles gut wird, wenn man nur wartet, Verständnis zeigt, hofft und im Stillen leidet. Aber aufgeben, never!. Im Grund genommen fungiert der instabile Partner als Dro., denn er entscheidet, wann und wie lange der Abhängige die Dro. bekommt und ob überhaupt.
In solchen Beziehungen besteht immer ein starkes Machtgefälle. Wenn man so was hinter sich hat (ich kenne das auch), sollte man sich selbst hinterfragen, wie es kommt, dass man sich zum Spielballt machte und immer weiter hoffte und glaubte, dass eines Tages eine Erfüllung kommt. Oft stecken nicht aufgelöste Kindheitsdefizite dahinter, die dann im Erwachsenenleben wiede abgespult werden, nur dass sich die Beziehungspersonen ändern.
Denk an Deine Kindheit - hier ist der Schlüssel zu vielem, auch zu Deiner Angepasstheit, Deinem immensen Invest (zeitlich, finanziell, nervlich). Du willst es nicht wahrhaben und klammerst Dich daran, als ob diese eine Person Deine Erlösung wäre.
Und die Bewältigung danach ist langwierig. Es ist schön zu lesen, dass Du Dich schrittweise rausarbeitest. Und Arbeit ist es ja auch und jeder kleine Fortschritt zählt. Anfangs glaubt man nicht, das jemals verarbeiten zu können, Sehnsüchte wallen auf, Erinnerungen an die schönen Dinge mit dem Expartner quälen einen. Oft gesellt sich dann die Wut dazu, auf den Expartner und auf sich selbst, weil man sich zu einer Marionette hat machen lassen. Erst wenn dieser Gefühlscocktail allmählich abflaut, kann man dann genauer hinsehen und erkennt, dass zwei defizitäre Menschen sich aneinander abarbeiteten und auf Heilung und Glück hofften. Denn auch der Expartner tat es ja nicht aus böser Absicht, auch er konnte nicht anders, vor allem wenn noch starke hormonelle Schwankungen im Spiel sind.
Übrigens ist es symptomatisch für Bindungsvermeider, dass sie sich nicht zum Partner bekennen, ihn nirgendwohin mitnehmen, ihn aus ihrem Zirkel raushalten. Das ist degradierend und verletzend, wenn man so beiseite gestellt wird. Und dennoch nimmt man es so hin. Warum? Was ist da in einem los, dass man nicht sagt, Du Moment mal, ich fände es angemessen, dass ich auch mal Deine Freunde kennenlernen darf.
Und natürlich sucht der Untergeordnete nach Ursachen, auch bei sich selbst. Wenn ich so und so wäre, dann ... ich müsste anders sein, souveräner damit umgehen können, dann ...
Dahinter steckt nicht selten eine mangelnde Akzeptanz von den Bezugspersonen in der Kindheit. Das Kind arbeitet sich ab, mutiert zum besten aller Kinder, gibt sich Mühe, wird so wie man es haben will, aber es reicht einfach nicht. Wieder erfährt es Ablehnung, Abwertung, Gleichgültigkeit. Und immer wieder nimmt es erneut Anlauf, um das zu bekommen, was es braucht. Lob, Bestätigung, Akzeptanz.
Und später macht man es genauso. Man nimmt alles hin, steckt alles ein, strengt sich an für ein bißchen Zuwendung und Nähe und das immer wieder. Ich melke den Ochsen, bis er irgendwann doch Milch gibt.
Es liegt an mir, dass es nicht läuft.Ich bin nicht mal gut genug, ihren Freundeskreis kennenzulernen und mitgenommen zu werden. Sie müsste mich doch sozusagen "herzeigen", aber das ist und bleibt ein Wunsch.
Und dann bekommt man noch selbst ein schlechtes Gewissen, weil man sich in Frage stellt. Und der Partner schürt das noch. Nein, das stimmt so nicht. Nein, das habe ich nie gesagt, behauptet. Das hast Du falsch verstanden (wie meistens), Du hörst die Flöhe husten, Du siehst immer das Schlechte, Du redest von Dingen, die Du nicht verstehst ... Diese Parolen stellen den Partner ins Abseits und deklassieren ihn. Aber man bleibt doch kleben und schluckt es wieder und wieder.
Zitat von Aletheos: Heute bin ich froh und glücklich, dass es vorbei ist. Es war eine furchtbare Zeit, sowohl während, aber noch schlimmer finde ich, die Zeit nach der Beziehung. Heute bin ich endlich glücklich, trotz der kleinen und kurzen Momente alle naselang. Es ist aber mehr so ein Grübeln, ohne wirkliches Gefühl, Vermissen, oder Schmerz. Mehr so ein Alter, wieso hast du nicht die Augen aufgemacht? Es war so klar.
Genz genauso. Noch Jahre später spürte ich oft eine unglaubliche Erleichterung, dass diese Person aus meinem Leben verschwunden war. Ich genoss es, Gleichgültigkeit, ja sogar Freunde zu empfinden, dass er weg war und ich es geschafft hatte.
Die Muster solcher Beziehungen sind immer sehr ähnlich. Aktiver Bindungsvermeider trifft auf passiven und die zwei ergänzen sich prima, nur dass keiner glücklich damit wird.
Man begreift später nicht mehr, was man sich alles aufgehalst hat, was man alles ertragen und hingenommen hat. Wofür?
Es ist und bleibt unbegreiflich.
Solche Beziehungen haben ihren Sinn. Sie haben ein hohes Lernpotential, vor allem auch für einen selbst. Man muss lernen, bei sich zu bleiben anstatt für den Partner alles Mögliche zu tun und ihm keine Grenzen zu setzen. Daher sollte man solche Erfahrungen auch nützen, sie sind gute Wegweiser für die eigenen Defizite.
Ich freue mich sehr, wenn ich solche Beiträge lese, an denen man sieht, wie weit die Schreiber mit sich selbst gekommen sind.
Man muss achtsam umgehen, nicht nur mit dem Partner, vor allem mit sich selbst. Auch das kann man daraus ziehen für sich.