Zitat von Vidi:
Ich lese aus deinem Geschriebenen heraus, dass du von dir selber irgendwie denkst, dass dich diese gemachten Verlusterfahrungen weniger liebenswert machen bzw. für andere Menschen sehr anstrengend sein können und sie eventuell überfordern könnten. Du zweifelst da an dir und meiner Meinung nach völlig zu Unrecht!
Guten Morgen Vidi,
danke Dir, dass Du Dir die Zeit genommen hast, mein Thema durchzulesen und zu analysieren.
Zuerst: Der Verlust Deines damaligen Partners tut mir wirklich leid.
Ich weiß, wie man sich fühlt, wenn man glaubt, es reißt einem den Boden unter den Füßen weg.
Du hast Recht, ich zweifel sehr viel an mir, vor allem nach dieser Erfahrung mit ihm jetzt.
Er ist eben die erste "neue" Person und der erste Mann gewesen, dem ich mich nach all dem was passiert ist (neben meinen Freunden, Familie, Therapeut und Coach) geöffnet habe und mich auf etwas Neues einlassen wollte.
Ich hatte davor lange keine Dates mehr. Ich war länger mit meinem Exfreund zusammen und nach der Trennung habe ich mich erst einmal 1,5 Jahre fast nur um mich gekümmert. Ich war also generell unsicher, was die ganze Datingsache angeht, Männer kennenlernen usw.
Ich bin was das angeht erstmal sehr schüchtern.
Als es losging habe ich ebenfalls viel gezweifelt. Das ist das, was Du wahrscheinlich als Bauchgefühl/Intuition benannt hast.
Ich habe an mir gezweifelt, an ihm gezweifelt, an dieser Konstellation gezweifelt, am Zeitpunkt usw.
Ich bin ein Weltmeister darin, wenn es ernst wird, alles im Vorfeld kaputt zu denken.
Auch hast Du Recht damit, dass ich mir Gedanken darum gemacht habe, ob der Zeitpunkt der Richtige ist, der Mann der Richtige ist usw.
Ich wollte ihn mit seinen jungen Jahren nicht mit meinen Baustellen belasten.
Auch dachte ich, dass ich mit eben diesen Baustellen schon viel besser zurecht käme.
Das war auch wirklich eine Zeitlang so.
Ich war positiv und gut gelaunt und habe in meinem Leben wieder eine Leichtigkeit erlebt. Und in dieser Phase habe ich ihn kennengelernt.
Seit ich diesen Thread erstellt habe, sind ja jetzt auch wieder einige Wochen vergangen.
Ich habe viel nachgedacht. Inzwischen hat er mich auch aus seinen Kontakten gelöscht und seit zwei Wochen haben wir gar keinen Kontakt mehr.
Und ja, wahrscheinlich stimmt es, wenn es der richtige Mann gewesen wäre, dann hätte sich erstens mein Bauchgefühl nicht so zügig gemeldet, ich hätte nicht überlegt, ob ich ihn nerve/störe mit meiner Art und ich hätte diesen Gedanken gar nicht so extrem gehabt, ihn nicht zu belasten (das mag wirklich dem Alter geschuldet sein).
Ich merkte, je mehr ich seine Worte für voll nahm und mich entspannte und ihn auch wirklich von meinen Sorgen und Nöten erzählt habe, desto krampfiger wurde es zwischen uns und er zog sich zurück.
Im Moment ist es mit meiner Stimmung auch wirklich jeden Tag anders.
Der Schock war groß, dass er so kalt und distanziert war, dass er mir die Schuld dafür gab, dass er "gezwungen" war, mich zu löschen, weil ich ihn mit meiner emotionalen Art nerve (dabei sagte er mir, dass er da ist, wenn ich ihn brauche).
Ich möchte ihn nicht in Schutz nehmen, aber er konnte es wahrscheinlich wirklich nicht auffangen.
Er war gar nicht in der Lage dazu aber seine Bereitschaft war auch ab einem bestimmten Punkt wohl auch nicht mehr dazu da.
Ich denke, er mochte mich am Anfang mehr, aber er wollte es schön einfach und unkompliziert, hier und dort mal eine gesellschaftsfreundliche Flosel, dass er da ist, aber die Taten haben ja etwas anderes bewiesen.
Mal komme ich besser damit klar und denke es ist richtig so, es wäre sowieso nichts geworden.
Lydia, mache Dir keine Vorwürfe. Du hast nichts falsch gemacht und Du bist gut so wie Du bist, er konnte/wollte es eben nicht erkennen. Es ist gut, dass Du wieder Gefühle für jemanden entwickeln kannst.
Dann gibt es aber auch Abende (meistens Abende oder morgens), wo ich wirklich großen Drang habe, mich bei ihm zu melden. Aus Gewohnheit, aus dem Vermissen heraus, aus der Traurigkeit und aus dem Ego heraus.
Aber ich weiß, dass es vergebens ist und dass ich es selbst bereuen würde.
Ich versuche es so zu sehen, dass ja alles im Leben einen Sinn hat.
Dass er nicht ohne Grund in mein Leben kam.
Durch ihn konnte ich lernen, was mir wichtig/nicht wichtig ist, was mich ausmacht und an welchen Stellen ich neue Erfahrungen sammeln durfte. Dass ich sehr wohl (eifer)süchtig sein kann, dass ich Angst habe, wieder jemanden an mich heran zulassen, den ich mag, dann Angst habe, ihn wieder zu verlieren, Selbstwert usw.
Ich glaube an den Spruch, dass sich die Geschichte so lange wiederholt, bis man daraus lernt.