Zitat von paulaner:Nee, das sehe ich anders. Auch wenn das bei dir vielleicht wirklich sein mag.
> "dann weil sie ihren betrogenen Partner nicht schon wieder und noch weiter verletzen wollen."
Ich denke es ist von allem ein bisschen:
- Sie wollen sich selbst nicht mehr so sehen. Dieses "Das bin ich (eigentlich) nicht".
- Sie wollen vor allem vor ihrem Partner nicht so, wie soll ich sagen, negativ und gnadenlos dastehen.
- Und, ja, auch der vermeintliche "Schutz" des Partners wird dabei eine Rolle spielen.
Aus meiner Sicht stehen aber alle drei "Gründe" einer wirklichen, und damit ehrlichen, Aufarbeitung im Wege.
Keiner hat gesagt, dass eine Aufarbeitung einer solchen Schice "schön" ist.
Also ich muss dazu nochmal meinen Senf dazu geben. Wenn ich von einer Jauchegrube spreche, die da nach einer Affäre langsam austrocknen muss, heißt das nicht, dass mit dem Partner nicht ehrlich aufgearbeitet werden kann und muss. Was da unbedingt auf den Tisch gehört ist die Frage nach dem "Warum".
Bei uns war es wohl so, dass da viele Faktoren eine Rolle spielten. Zunächst mal waren wir beide zu dem Zeitpunkt als unsere Beziehung vor vielen Jahren begann, noch jungfräulich, körperlich wie seelisch. Wir hatten keine Ahnung, wie eine Beziehung so zu führen ist und mussten uns alles gegenseitig und selbstständig erarbeiten. Da lief natürlich einiges schief. Dennoch blieben wir über viele Jahre ein sehr harmonisches Paar, auch wenn uns von Anfang an der Gegenwind kräftig ins Gesicht blies. Es folgten Jahrzehnte, in denen wir unser Leben lebten und uns vor lauter Schwierigkeiten und Problemen dabei unmerklich voneinander entfernten. Wir sind eigentlich sehr verschieden. Mein Mann ist ein sehr zuverlässiger und treuer Mensch, der mir immer sehr viel Halt und Geborgenheit vermittelte. Allerdings ist er auch sehr risikoscheu, mit zunehmendem Alter wurde er immer eingefahrener im Denken und Handeln und was ich zunächst als Geborgenheit empfand, wurde für mich und mehr und mehr zum goldenen Käfig, aus dem ich ausbrechen wollte und musste. Ich bin nämlich ein sehr labiler, emotionaler und quirliger Mensch, der nichts schwerer erträgt als Langeweile und Enge. Als mir dann der ExAm begegnete, dachte ich, dass er mir die richtige Mischung aus Geborgenheit und Abenteuer bieten würde. Was ich nicht ahnte war, dass der ExAm ein Weiberheld vom Feinsten war, der sein Ego durch wechselnde Frauengeschichten immer schon aufpolieren musste. Mir vermittelte er das Bild des treusorgenden Familienvaters und Opas, der mit seiner verstorbenen Frau eine glückliche Ehe geführt hatte. Das kann sogar sein, dass seine Ehe glücklich war, aber das war sicher nicht sein Verdienst. Ich sah bei meinen Nachforschungen später viele alte Fotos, auf denen er mit anderen Schönheiten posierte. Dabei immer mit einem sehr charmanten Grinsen im Gesicht und mit seinen so unwiderstehlich funkelnden Augen. Ich denke, seine Frau wusste sehr genau, wer er war. Sie hatte jedoch die Stabilität und die Weitsicht, ihn gewähren zu lassen. Ich erinnere mich aber noch sehr gut, wie sie kurz vor ihrem Tod mehrfach auf unserer Arbeit anrief und ihn dabei zu seinem Leidwesen mahnte, pünktlich zu Hause zu sein. Er reagierte darauf sehr ungehalten. Sie brauchte ihn in dieser Zeit wahrscheinlich sehr dringend. Er blieb aber lieber auf der Arbeit und flirtete mit mir und anderen Kolleginnen. Das begründete er dann später mit seinem angeblichen Pflichtbewusstsein und Fleiß. Das aber kaufte ich ihm nicht mehr ab. Er hätte in den letzten Tagen und Wochen an die Seite seiner Frau gehört und nicht auf die Arbeit. Hätte ich gewusst, wie krank seine Frau war, ich hätte ihm genau das gesagt und ihn nach Hause geschickt. Aber ich schweife ab!
Nun, wichtig bei einer Aufarbeitung einer Affäre ist das "Warum"! Wovor sich jeder Ehepartner aber hüten sollte, sind Fragen nach dem Wann, Wie oft, Wo und Wie! Diese Fragen sind hervorragend dazu geeignet, das Kopfkino anzuheizen und sie spielen letztlich für den Fortbestand der Ehe keine Rolle. Mein Mann hat diese Fragen zum Glück nie gestellt. Er wollte und will nicht wissen, wie oft und wann der ExAm und ich uns trafen, wo das ganze statt fand und wie wir es gemacht haben. Ich würde ihm auch darauf keine Antwort geben, denn es spielt keine Rolle mehr. Ich würde auch nicht auf die Idee kommen, ihre Fähigkeiten als Liebhaber miteinander zu vergleichen. Es waren zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Ungefähr so ähnlich wie High Heels und Wanderschuhe. Und diese Affäre hatte letztlich mit unserer Ehe nichts zu tun, eher mit meiner Persönlichkeit, die zu dieser Zeit in 2 Teile zerfallen war.
Jetzt arbeite ich daran, diese 2 Teile in mir wieder zusammen zu bringen und beide mit meinem Mann wieder in Kontakt zu bringen. Dazu muss er mich ein Stück weit loslassen und mit mir zusammen wachsen. Er muss raus aus seiner Komfortzone, in der es sich über Jahre sehr gemütlich gemacht hat. Er muss mir Freiraum geben, meine Persönlichkeitsanteile beide ausleben zu können, natürlich in gewissen Grenzen und idealerweise mit ihm gemeinsam. Dazu muss er mir wieder vertrauen! Er muss mir zutrauen, dass ich aus dem Geschehenen gelernt habe und mich weiter entwickelt habe.
So und am kommenden Wochenende fangen wir mal damit an. Da gehen wir gemeinsam zu einer Party, bei der ich tanzen und lachen und genießen will. Sollte er dazu keine Lust haben, werde ich ihn an der Bar parken und mit meiner Freundin die Tanzfläche unsicher machen, denn so bin ICH und ich werde mich nicht mehr ändern und verbiegen. Für keinen Mann auf dieser Welt!
Ich zeige meinem Mann also sehr wohl, wer ich bin. Und das sogar ohne schlechtes Gewissen. Meine Affäre damals war der größte Scheic des Jahrhunderts aber sie war heilsam für mich und jetzt vielleicht auch für unsere Ehe. Vorausgesetzt, auch mein Mann hat daraus gelernt! Wir werden sehen...
LG