Zitat von juliet:
aber gerade Leidenschaft seh ich (leider) fast als Widerspruch zur Harmonie. jedenfalls auf Dauer.
ein leidenschaftliches Erlebnis (ich spreche jetzt von der s. Ebene) assoziiere ich immer mit einem Stück Unsicherheit.
man könnte sogar sagen: je unsicherer, desto leidenschaftlicher. denn wenn ich etwas "erobern" muss, erscheint es mir doch oftmals "begehrenswerter", nicht wahr? irgendwann kippt natürlich diese "Korrelation". wenn etwas zu unsicher ist, ist es auch möglicherweise nicht mehr leidenschaftlich ....
also wenn man sich zB versöhnt, ist die Leidenschaft doch größer, als wenn ich ständig einvernehmlich alles ohne reibungspunkte mit meinem Partner kläre.....
ich plädiere hier jetzt aber nicht für Streit und Kampf oder so, nee, nee.....
aber Harmonie ist für mich die Voraussetzung, mich zu öffnen und jmd an mich ranzulassen. das ist auch klasse.
aber eben nicht geradenach leidenschaftlich.....
Leidenschaft spielt in einem anderen Stadion.
Ich stimme Dir da zu! Für mich nährt sich Leidenschaft vor allem aus Ängsten. Weil man dann, wenn man Angst hat, anfängt, zu kämpfen. Wenn die Ängste zu stark werden, kippt es, denn dann will man nicht mehr kämpfen, sondern fliehen, wie Du auch sagst. Aber wo so gar keine Angst (Gefahr) mehr da ist, da findet auch kein Kampf statt, und Leidenschaft ist ja immer ein Kampf. Deshalb sind Affären ja auch so leidenschaftlich, denn da gibt es eben gar keine Sicherheit, nur Unsicherheiten und viele viele Ängste. Das befeuert natürlich ungemein.
Ich glaube aber schon, dass man auch in einer Beziehung beides haben kann, also dass man sich die Leidenschaft auf kleinerer Flamme immer erhalten kann. Wenn man eben keine ZU große Sicherheit hat, sondern immer mal einen Funken Unsicherheit einstreut, also böse gesagt "Ängste" beim anderen schürt. Dazu genügt aber zum Beispiel schon eine lebhafte Diskussion über irgendwas, es muss ja nicht immer gleich ein Streit sein
Oder eine kurze Zeit der Distanz (das kennen ja die meisten, dass man sich, wenn man sich ein paar Tage nicht gesehen hat, plötzlich wieder stärker begehrt, das hängt ja eben auch damit zusammen). Man sollte also halt bei aller Harmonie auch immer mal wieder ein kleines Feuer abfackeln, damit die Leidenschaft nicht total versiegt ... und das gelingt am besten, wenn beide auch innerhalb einer Beziehung sie selbst bleiben. Ihre eigenen Werte, ihre eigenen Ansichten, ihre eigenen Wünsche vertreten und dem Partner gegenüber verteidigen. Also kein Streit um des Streitens willen, aber auch keine zu große Kompromissbereitschaft um des lieben Friedens willen. Wenn man mehr bei sich bleibt, macht man das ja ganz automatisch, denke ich, es sei denn, man heiratet seinen siamesischen Zwilling

(und selbst da gibt es ganz sicher Meinungsverschiedenheiten)