Zitat von Zugaste:Wie sieht es deiner Meinung nach mit dem Bindungswunsch aus in einer gesunden Beziehung?
Der ist bei beiden Partnern gleich stark vertreten. Sonst macht es keinen Sinn. Klar, mal geht es dem einen schlecht, dann hat er den größeren Wunsch nach Bindung, mal hat der andere mit Eifersucht zu kämpfen und bindet deswegen stärker. Aber im Großen und Ganzen ist es ausgeglichen. Wenn jemand nämlich keinen starken Bindungswunsch (mehr) hat, fährt er seine Bemühungen runter. Der andere Part wird zunehmend frustriert. Das hält keine Partnerschaft auf Dauer aus. Ein bricht aus. Entweder aus Enttäuschung oder Überforderung.
Zitat von Zugaste:Wie meinst du das mit deinem Selbstbewusstsein im Zusammenhang mit deiner Sechsualität?
Hum, also da spielen mehrere Faktoren mit rein. Da muss ich weiter ausholen. Ich weiß, das tu ich immer!
1) In meiner Teenagerzeit entdeckten gerade die Medien das Thema 6 so richtig für sich. Plötzlich war es hipp, jeder hatte es, es war supergesund (heute sind es Granatäpfel, aber damals wurde geknattert), man hatte gefälligst ausgefallene Wünsche zu haben, die Stellung im Sekundentakt zu wechseln- ,,,auf gut Deutsch, 6 hatte nichts mehr mit Spaß zu tun, das war ein gottverdammter Hochleistungssport. Ich war der Teenie, der im Sport immer zuletzt in eine Mannschaft gewählt wurde. Ich ging davon aus, dem 6 sowieso nicht zu genügen. Ich war auch so schon nervös genug und hatte scheußliche Prüfungsängste. Ich hätte mich niemals freiwillig solch einem Druck ausgesetzt.
2) Ich war bis zu meinem 18 Lebensjahr das hässliche Entlein. Ich hatte nur einmal mit 17 ein Date. Gut, das war dann auch mein 1. Freund gewesen, aber ansonsten.... Kein Wunder, dass ich nicht auf das Pferd "Liebe" setzte, sondern die Dinge tat, in denen ich wirklich gut war. ...Nerdige Dinge halt.
Dummerweise wendete sich das Blatt. Und jeder bemerkte es, mit Ausnahme von mir. Plötzlich erzählte mir jeder Junge, wie toll ich aussehen würde. Dem ersten habe eins auf die Nase gegeben, weil ich dachte, der veräppelt mich. Unglücklicherweise gelten Nerds als schwer zu knacken. Was einen besonderen Reiz ausübt. ...Ich wurde wirklich von ALLEN Hunden gehetzt. Und verstand doch nicht einmal, was passiert war!
Von hübschen Frauen erwartet man anscheinend ein anderes Verhalten, als von weniger Schönen. Plötzlich irritierte ich Menschen mit meinem Verhalten und eckte an, ohne es zu begreifen. Ich war nicht mehr die Gleiche, wie vorher. Nur hat mich niemand vorgewarnt, wie hätte ich mich denn vorbereiten sollen? Die Liebe machte mir zusehends Angst!
3) Männer wollten plötzlich 6 mit mir. Und zwar reichlich. Da galt es als Ausrede, wenn man keine Lust hatte. Es wurde bemängelt, dass ich nach einem Streit erst recht nicht wollte. Dann hieß es, ich wolle den Mann erpressen, damit er brav ist. ...Das man einfach keinen Bock auf jemanden hat, auf den man wütend ist, war völlig undenkbar. Weshalb ich eigentlich schnell aus der Beziehung ausbrach, wenn solche Diskussionen aufkamen. Die bedeuteten Druck und Druck führte dazu, dass ich mit Sicherheit nie wieder Bock auf den Mann hatte. Wozu das Elend weiter in die Länge ziehen. ...Ja, ich bin geflohen.
Ich konnte ja doch nicht anders empfinden.
Deswegen wurde ich irgendwann mehr oder weniger a6uell. Einfach keine Lust mehr. Den Kopf voller wichtigen Dinge. Und großer Ideen. Die ich umgesetzt habe. Und dementsprechend selbstbewusst wurde. Ich brauchte niemanden, war nicht abhängig und hatte ne Menge geschafft. Ich gehörte zu den Menschen, die es sich leisten konnten, aufgeschlossen zu sein. ...Weil man mich lieber zu seiner Freundin als zu seiner Feindin haben wollte.
Ab da ließ ich mich nicht mehr unter Druck setzen. Ich beschloss nur noch Spaß beim 6 zu haben, wenn das einem nicht ausreicht. Na gut, shiet happens. ...Es reichte aus!
Ich verhielt mich, wie ich wollte, egal ob hübsch oder hässlich und pfiff auf die Meinung der anderen. ich hatte meinen ganz eigenen Charme. Gut, in erster Linie eigenwillig, aber das gefiel anscheinend einigen Männern.
Wenn ich keine Lust hatte, hatte ich keine Lust. Basta. Ich rechtfertigte mich nie mehr. Friss oder stirb. Wer sich rechtfertigt, begibt sich in die Defensive und somit unterlegende Position. Komischerweise können Männer dann erstaunlich zärtliche und einfühlsame Beziehungsarbeit leisten. Geht doch!
Es liebt sich deutlich leichter, auch im 6uellen Sinne, wenn man sich selbst mehr als genügt. Also deswegen gehört für mich Selbstbewusstsein mit dazu. Sonst ist man unnötig gehemmt.