Zitat von merretich: Finde ich zB wenn ich hier im Forum lese, wie Leute sich manchmal verhalten einfach weil sie es können
und sich dann wundern, was an Leid und Chaos daraus entsteht...weil Orientierung fehlt.
Der Punkt ist, dass ja keiner von sich sagen würde "Ich bin ein unehrlicher Mensch" oder "Ich bin nicht zuverlässig" oder "Ich besitze keine Empathie". Und wer sich (zeitweise) so verhält, wird darüber entweder gar nicht erst nachdenken oder spezifische Gründe finden, die sein Verhalten rechtfertigen. Das empfinde ich nicht als "schlechten Charakterzug", sondern einfach menschlich und "normal, denn so ist unser Gehirn nunmal gemacht. Eine Diskrepanz zwischen Worten und Verhalten wird meistens dadurch ausgeglichen, dass die Worte dem Verhalten angepasst werden, nicht umgekehrt. Dissonanzreduktion. Das macht unser Gehirn, weil es das kann. Das ist sozusagen die "dunkle Seite" der Tatsache, dass Menschen aus Versehen so wahnsinnig intelligent werden konnten (meiner Meinung nach ein fataler Irrtum der Evolution). Mut demselben Gehirn verteufeln wir dann Menschen, die sich genauso verhalten und nennen das "Moral". Das Konzept kommt an seine Grenzen.
Ich messe daher Menschen eher nicht mehr daran, was sie getan haben, sondern ob sie breit sind, draus zu lernen. Ob sie sich wenigstens bemühen, einigermaßen konsequent zu sein.
Ein Beispiel: ich habe mehr Respekt vor einem J., der mit den Drro.gen aufhört, als vor einem Menschen, der nie damit angefangen hat. Denn der Ex-Junkie hat mehr über sich und daraus gelernt, während es keine große Kunst ist, gar nicht erst mit Dro.gen anzufangen. Ich versuche, mehr über die Prozesse zu erfahren und weniger auf das absolute Ergebnis zu schauen und setze dort meinen Maßstab an. Finde ich einfach realistischer.