Zitat von afxy: Aber bei ihm war es anders. Ich war emotional zurückhaltend. Es fiel mir schwer von mir aus guten Morgen zu schreiben, weil ich nicht zu viel sein wollte. Ich habe nie von mir aus nach Treffen gefragt, weil ich mich nicht aufdrängen wollte. Ich habe keine Komplimente gemacht, um nicht zu bedürftig zu wirken. Ich war zwar aufgeschlossen, aber vorsichtig. Und ich frage mich manchmal, ob ich es selber verbockt habe.
Dein Verhalten zeigt einiges sehr deutlich. Du hast kein stabiles Selbstwertgefühl, das Dir hilf, mit Desinteresse und Ablehnung und Gleichgültigkeit zurecht zu kommen. Da solltest Du ansetzen und es lernen, dass Du es Dir wert bist, gut auf Dich aufzupassen und nicht allen daher geschriebenen Worten zu glauben. Jemand mit einem guten Selbstwertgefühl lässt sich nach einer längeren Kontaktsperre nicht wieder auf Geschreibsel ein und interpretiert dann noch etwas hinein.
Der Junge hat meine Probe nicht bestanden, also weg mit ihm. Dumm, dass ich mit ihm ins Bett gestiegen bin, aber wenn der hinterher völlig emotionslos in seine Jeans steigt und verschwindet, weiß ich, was ich ihm wert bin. Nämlich nichts.
Du läufst krampfhaft Jemandem hinterher, der Dich schlicht und einfach auflaufen lässt. Warum dieser eine Mann? Vermutlich weil Dein Unterbewusstsein hier etwas wittert. Es wittert, dass das der Mann ist, an dem Du Dich erfolglos abarbeiten kannst. Das Unterbewusstsein ist nicht logisch, aber es führt Dich zu etwas, was Du kennst. Vielleicht Ablehnung, Gleichgültigkeit, obwohl Du Dich so angestrengt hast und alles richtig machen wolltest?
Auch hier hast Du Dich so verhalten wie Du es gelernt hast. Du hattest Angst, weil Du gespürt hast, da ist was, was mich anzieht. Und Du warst Dir Deiner nicht sicher, denn sonst hättest Du ja mal nach einem Treffen gefragt. Aber die Angst war stärker und dann hast Du Dich gefragt, wie muss ich mich verhalten, damit der mir bleibt.
Und da Du Dich keinesfalls aufdrängen wolltest, weil dieser Mann nämlich durchaus selbstbewusst ist (wenn auch nicht menschlich wertvoll), hast Du von Anfang an klein beigegeben. Ach, ich würde mich ja gerne mit ihm treffen, aber wenn ich frage, dann komme ich womöglich als aufdringlich rüber. Also lieber nicht. Ich halte mich zurück, damit er ja nicht denkt, dass ich was Ernsteres von ihm will. Da spricht die *beep* Angst anzuecken, aufdringlich zu erscheinen und zurück gewiesen zu werden. Und Angst ist niemals ein guter Ratgeber, aber sie ist schwer zu bezwingen.
Es wäre an der Zeit, mal bei Dir anzufangen. Dich zu hinterfragen und vor allem, etwas für Dich zu tun. Deinen Wert zu erkennen und innerlich unabhängiger zu werden. Diese Zurückweisung von diesem Mann beschäftigt Dich schwer und das dürfte nicht sein. Denn Du hast Zurückweisung bzw. Desinteresse erfahren und damit kommst Du nicht klar. Damit kommt Deine verletzte Seele nicht zurecht. Du lebst hier ziemlich sicher etwas nach, was Du kennst. Schlechte Erfahrungen, die Du wahrscheinlich schon in der Kindheit machen musstest.
Schau mal unter Trauma-Reinszenierung nach. Es könnte sein, dass Dir da etwas bekannt vorkommt. Es ist nicht normal, sich einem Menschen anzuvertrauen, der Dir schon mal Gleichgültigkeit bewiesen hat. Aber kaum kommt wieder was, ein Krümelchen seiner Aufmerksamkeit (Breadcrumbing), stürzt Du Dich wieder in den Kontakt. Um etwas, was früher vorgefallen ist, jetzt quasi zu überschreiben, also aufzulösen. Das ist das Gehirn, das glaubt, in der Wiederholung von Situationen wird das Dilemma von früher aufgelöst und dann geht es mir gut.
Wende Deine Aufmerksamkeit Dir selbst zu und werde Dir Deiner selbst bewusster. Du eierst etwas ziellos dahin und suchst etwas, was Du nicht findest, weil Du bei den falschen Menschen danach suchst. Das sollte Dir zu denken geben.
Hier will dir keiner was Schlechtes, auch ich nicht. Ich war Dir gar nicht unähnlich und brauchte sehr, sehr lange, bis ich wusste, dass alles, was mir widerfuhr kein Zufall war. Und dann fing ich bei mir an, denn was half es mir denn, andere zu analysieren? Nichts. Und ich erkannte dann in der Rückschau vieles. Auch ich reinszenierte frühere Verletzungen in dem Irrglauben, dass es dieses Mal zu einem glücklichen 'Ende kommt.
Das glückliche Ende kommt, wenn man bei sich anfängt, bereit ist, sich selbst anzuschauen und ehrlich zu sich zu sein und sich dennoch zu akzeptieren.