ich habe gestern das neue e-book über Beziehungssucht zu lesen begonnen - vieles darin kenne ich und dann stellte ich mir die Frage, warum es solche Bücher überhaupt gibt und warum die Adressaten dieser Bücher immer Frauen sind? Es mag einige männliche Ausnahmen geben, aber alle meine Bücher - und derer habe ich wirklich sehr, sehr viele - wenden sich an Frauen. auf Seite 80 hat es mich zu langweilen begonnen und mir sind all jene Bücher ständig in den Sinn gekommen, worin beschrieben ist, wie "es" geht. demnach geht's darum, ihn zappeln zu lassen, die unnahbare zu spielen - besser noch -tatsächlich unnahbar zu sein, sich mit vielen Männern zu umgeben, damit "er" nur ja die Lust am Jagen nicht verliert.
ich komme wieder mal zum Schluss, dass mich das nicht interessiert. ich bin genau dann unnahbar, wenn der Mann mich nicht interessiert. So einen gabs mal. damals merkte ich, wie sehr der mich liebte - wahrscheinlich der einzige Mann, der mich wirklich liebte. ABER er war für mich grade mal ein guter Freund (zumal auch er in einer Beziehung lebte). Er hat nach meiner Pfeife getanzt, er hätte alles für mich getan, er hat mir die einzigen Liebesbriefe geschrieben, die ich je bekommen habe. ich habe es genossen, ich mochte ihn, aber ich habe ihn nie geliebt.
jetzt habe ich gerade hier im Forum von einer Frau gelesen, die nach 12 Jahren Knall auf Fall wegen einer anderen verlassen wurde. Plötzlich wird ihr gesagt, dass der Mann ein Egoist ist, dass sie toll ist, er es nicht wert ist etc. Wie verkehrt ist das? Was hilft es uns zu hören, dass ein Mann, der 12 Jahre lang ein Guter war, ein Egoist ist?
ich mache keine Therapie. ich bin in der Hölle aufgewachsen. ich habe eine biologische Mutter, einen biologischen Vater, die - obwohl sie mich nicht lieben oder es eben einfach nicht zeigen können - ich liebe. ich bin "richtig". ich bin emphatisch, obwohl ich wenig emphatisch aufgezogen wurde, ich bin intelligent, obwohl ich meine ganz Kindheit hörte, dumm zu sein. ich bin unterhaltsam und witzig, obwohl ich immer hörte, zu ernst zu sein. ich bin einfach wie ich bin und ich mag mich!
Das Buch gestern fing damit an, von "bedingungsloser" Liebe zu "reden" - das ist die "richtige" Liebe. ich liebe bedingungslos. Das Thema ist, dass ich auf Menschen treffe, die eben mich nicht wollen. So einfach ist das. dem einen bin ich zu stark, dem nächsten zu groß, dem dritten zu dick, dem anderen gefällt meine Nase nicht, dem nächsten bin ich zu gescheit, dem anderen zu wenig Weibchen. Mehr ist es nicht. Es gibt neben den Männern, die mich interessieren, drei andere. Zwei davon sind in Beziehungen und braten mich trotzdem an. also ist es nicht so, dass ich niemanden interessiere. es ist nur so, dass mich das nicht interessiert. der dritte war vor vielen Jahren eine Affäre - ich war aber nicht die einzige- und er verheiratet. Er tauchte immer wieder auf, aber er bewegt mich nicht mehr. ich komme zum Schluss, dass ich nicht falsch bin, aber es halt einfach so ist, wie es ist. Es gibt halt keinen. Ich mache nichts falsch. ich bin vielleicht in den Augen derer, die mich abschleppen wollen, zu leichtgläubig, aber ich habe nicht vor, Menschen mit Mißtrauen entgegen zu treten. ich will netten Worten und netten Taten weiterhin Glauben schenken. ich möchte nicht anfangen, mir bei Gesten wie Geschenken und Komplimenten zu denken, dass er das alles nur macht, um mich ins Bett zu kriegen. Dann soll es so sein.
Wir sind nicht dazu geboren, unser ganzes Leben allein zu sein. Meine Wünsche sind also völlig normal.
ich lebe ein sehr, sehr sorgenfreies Leben. ich habe viel erreicht und mir ist schlicht und ergreifend langweilig. Daran ist nichts verwerflich. ich würde gern die angenehmen Seiten des Lebens zu zweit erleben - auch das halte ich für normal. Ein Mann hat in meinem Leben in Wahrheit keine Aufgabe. Es gibt nichts zu unterstützen, es gibt nichts zu reparieren, es gibt nichts, wo er der Held sein kann. ich brauche nichts von einem Mann außer seine Liebe. und in Wahrheit ist das meines Erachtens der Grund, warum es nicht klappt. Männer wollen Frauen beschützen, sie wollen sich männlich fühlen, sie wollen erfolgreich sein. Wer mich kennenlernt, sieht auf den ersten Blick, dass ich keinen Schutz brauche, dass bereits alles "erledigt" ist, dass sie keine Heldentaten mehr vollbringen können.
was mich immer wieder klein macht ist, dass ich zusehen muss, wie Männer Frauen wählen, die - natürlich nur aus meiner Sicht - nur halb so interessant sind, wie ich es bin. Das soll nicht überheblich klingen. ein Beispiel: der letzte Kandidat ist gerade in einem Sorgerechtsstreit. Er möchte sein Kind zu sich holen. für mich war von vornherein klar, dass das letzte was dieses Kind braucht ist, dass der Vater, dessen Trennung er schon verkraften muss, sich jetzt noch vor seinen Augen mit einer neuen Frau beschäftigt. Der Sorgerechtsstreit zermürbt alle, macht das Kind extrem fertig. ich habe mich während "unserer Zeit" total im Hintergrund gehalten, wäre nicht auf die Idee gekommen, für dieses Kind eine zusätzliche Belastung darstellen zu wollen. Von mir aus, wußte ich, dass ich die Wochenenden, wo er sein Kind hatte, ich mich im Hintergrund halten werde. Die Neue scheint das nicht zu interessieren. Und damit hat er mir jetzt einen Gefallen getan. ich möchte keinen Mann, für den sein Kind nicht wirklich im absoluten Mittelpunkt steht, obwohl er das seit Monaten behauptet und schon gar nicht in einer Phase, wo er Zeit, Geld und Nerven in ein Gerichtsverfahren investiert. ich möchte keinen Mann, der lieber mit einer Frau zusammen ist, die die Tragweite ihres Verhaltens - im Hinblick auf das Kind - nicht behirnt. Dann passen die beiden gut zusammen und er eben nicht zu mir.
Das was einige Frauen hier erleben, keinen geeigneten Mann zu finden, hat wahrscheinlich viel mehr mit der Zeit zu tun, in der wir leben, die Geschlechterrollen sind im Umbruch, die Auswahl groß, das Internet bietet unsagbar viele Möglichkeiten, sich den schnellen Kick zu holen. Es liegt aber in der Natur der Frau, sich nach gefühlvollen Beziehungen zu sehnen und in der Natur des Mannes, seinem Fortpflanzungstrieb zu folgen. In vergangenen Generationen gab es das nicht, dass Frauen um die 50 scharenweise Single waren. Zumindest bekam man das nicht so mit. Sie lebten in wirtschaftlichen Abhängigkeitsverhältnissen und viele waren wahrscheinlich innerhalb ihrer Gemeinschaften einsam und unglücklich und der Mann ging genauso fremd. ich höre oft von Männern, dass Frauen auch nur den schnellen Sex suchen. jede mir bekannte Plattform verkommt zu einer fi.ckmi.ch Plattform. ich glaube aber, dass das auch damit zu tun hat, dass sich viele Frauen denken, "besser das, als gar nichts" den Eindruck habe ich auch, wenn Frauen Beziehungen zu Männern eingehen, die gebunden sind. davon kann ich selbst ein Lied singen. irgendwann - nach vielen Jahren Singledasein - dachte ich mir, "na dann halt so, wenn es nicht anders geht"
ich habe (eher unbewusst) gewählt, keine leichte Beute für 100 Männer zu sein. ich habe gewählt, trotzdem Ansprüche zu haben und mich nicht einfach so mit Männern einzulassen, um die innerliche Leere und Langeweile zu übertünchen. Der Preis den ich dafür zahle, ist eben diese Langeweile und damit auch das Spüren von Einsamkeit. Das wird mir bewusst - in dem Moment, wo mein Hirn wieder die Oberhand gewinnt!
ich habe diesen Text fast mehr für mich, als für Euch geschrieben - möchte euch aber nicht vorenthalten, was bei mir grade läuft.