Zitat von tesa:ich würde es eher Wünsche nennen. Ein Bedürfnis ist etwas das essentiell ist. Ein Wunsch ist etwas, das man gerne hätte, aber man kann auch ohne leben.
also wenn du jeden einzelnen Punkt davon auch ohne Beziehung leben kannst, dass gratulier ich dir!
ich küssen weder mit irgendwelchen menschen, noch schlafe ich mit ihnen, ich lasse auch keine x-beliebigen Menschen in meine Wohnung, damit wer da ist, wenn ich heimkomme. ich schlafe auch selten mit einer fremden Hand auch meinem Bauch ein und schaue ungern beim Aufwachen in fremde Augen.
Ja, das sehe ich genauso, dass Wunsch nicht gleich Bedürfnis ist. Aber ich denke, dass hinter jedem Wunsch ein Bedürfnis steht.
Wenn ich beispielsweise den Wunsch habe, eine Reise zu machen, dann können dahinter völlig unterschiedliche Bedürfnisse stecken. Z.B. das Bedürfnis nach Erholung oder das Bedürfnis, meine Neugier auf Unbekanntes zu befriedigen etc. Wenn ich mir nun keine Reise leisten kann, kann ich ja trotzdem überlegen, welches Bedürfnis nun konkret dahinter steckt. Wenn es Erholung ist, dann kann ich vielleicht zuhause einen Entspannungskurs belegen, wenn es Neugier und Wissensdurst ist, findet sich auch irgendwas. Das ist natürlich nicht das Selbe, wie eine schöne Reise. Aber es befriedigt ein Stück weit meine Bedürfnisse und sorgt für meine Zufriedenheit.
Dein Wunsch ist eine Beziehung. Dahinter stecken auch Bedürfnisse. Du erwähnst z.B. Nähe, Geborgenheit, Küssen, nicht allein sein. Wenn halt nun mal derzeit keine Beziehung da ist, würde ich dann versuchen herauszufinden, welche Bedürfnisse dahinter stecken. Wenn ich schon keinen Mann an meiner Seite habe, den ich küssen kann und auch nicht betrunken in einer Bar Fremde küssen möchte, dann könnte ich das dahinter stehende Bedürfnis nach körperlicher Nähe vielleicht ein Stück weit befriedigen, in dem ich mich schön massieren lasse, zu einer Kontakt-Impro-Veranstaltung gehe, ein Tan tra-Seminar buche oder was auch immer.
"Nicht alleine nachhause gehen wollen" - vielleicht steht dahinter das Bedürfnis nach mehr Gesellschaft - wäre eine WG etwas? Das sind nur beispielhafte Vorschläge und ich höre Dich schon aufschreien: "Nein, das will ich alles nicht, ich will eine Beziehung." und ziehe meinen Kopf bereits ein, weil Du auch mir mit Deiner toughen Art ein wenig Angst machst.
Ich meine herauszulesen, dass Dir die Begriffe "Bedürfnisse" und insbesondere "Bedürftigkeit" Schwierigkeiten bereiten. Du schreibst am Anfang des Threads, dass Du auf keinen Fall bedürftig seist. Das fällt mir schwer nachzuvollziehen, wenn Du von Deiner schlimmen Kindheit berichtest und davon, dass Du eigentlich noch nie eine durchweg erfüllende, liebevolle Beziehung hattest. Da muss doch eine große Bedürftigkeit da sein, das Bedürfnis bedingslos geliebt zu werden, eines der Wichtigsten überhaupt - die diesen starken Wunsch nach einer Partnerschaft schafft.
Bedürftig zu sein ist doch überhaupt nichts Schlimmes, schlimm wird es nur, wenn man diese Anteile bei sich selbst abspaltet oder versucht durch Leistung, Erfolg, Anerkennung zu kompensieren. In Deinem anderen thread, den ich nun vollständig gelesen habe, schreibst Du von einer "großen inneren Leere", die Du manchmal spürst. Hier schreibst Du von Langeweile. Kannst Du es zulassen, da hinein zu gehen? In Kontakt mit Deinen negativen Gefühlen zu kommen? Schwer oder?
Mir fiel auch auf, als Beispiel, dass Du schriebst, der eine Mann hat Dir dann gesagt, dass er eine andere kennengelernt hat, Ihr könntet aber noch weiter 6 haben. Du hast dann geantwortet, das sei in Ordnung für Dich, Du seist deshalb auch nicht wütend und wünscht ihm Glück mit der Neuen. Ich fragte mich an dieser Stelle: "Wo sind denn Deine Gefühle?"
Du wirkst auf mich sehr sehr kopflastig. Als überdurchschnittlich intelligente Frau analysierst Du alles und versuchst, alles mit dem Verstand anzugehen und zu lösen. Was ist mit dem emotionalen Anteil? Hast Du Zugang dazu?
Ich glaube Gesprächstherapie, Bücher lesen, nachdenken - das bringt Dich hier nicht wirklich weiter. Probier Dich doch mal in mehr praktischen, körperlichen Techniken aus, als in theoretischen. Therapie wurde hier schon vorgeschlagen. Falls Du das nochmal in Erwägung ziehen solltest, wäre vielleicht eine körperorientierte Therapie eine gute Wahl. Oder Schematherapie. Oder andere Dinge, die Dich mehr von Deiner stark ausgeprägten rationalen, intellektuellen (männlichen) Seite in Deine weibliche Kraft bringen: Intuition, Emotion, Weichheit, Verletzlichkeit (im positiven Sinne).
Du schreibst, Du magst Dich und bist mit Dir im Reinen. Kannst Du das auch wirklich FÜHLEN? Oder ist es eher eine intellektuelle Wahrnehmung? Also eine logische Schlussfolgerung, die sich aus Fakten ergibt. Ich kenne das von mir aus früheren Zeiten, dass ich auf verstandesmäßiger Ebene, also logisch davon überzeugt war, dass ich toll bin: intelligent, erfolgreich, freundlich, beliebt. Lag ja auf der Hand, war offensichtlich, wurde mir auch gespiegelt. Aber ganz tief in mir versteckt, kaum wahrnehmbar war doch ein latenter, unterdrückter Zweifel, ob ich wirklich LIEBENS-wert bin. Irgendwann wurde das stärker, und den vielen Bestätigungen von außen, konnte ich immer weniger abgewinnen. Und dann kam die ganze Emo-Kagge, die ganzen alten Gefühle in den Jahren der Therapie nach oben. Nach und nach. Und ich konnte meine weibliche Seite integrieren und meine Mitte finden.
Also, wie ist es WIRKLICH um Dein Selbstwertgefühl bestellt? Schon allein auf Grund der doofen Männer-Erfahrungen muss es doch stark gelitten haben? Auch wenn Dir das niemand anmerkt, weil Du so stark, selbstständig und unabhängig wirkst.
Um jetzt nochmal auf Deine Männer zurückzukommen. Wie ich es verstanden habe, wünschst Du Dir, dass ein Mann Deine tief empfundene Langeweile vertreibt, Deine innere Leere füllt. Das ist sicher für die meisten Männer eine Mords Herausforderung und Aufgabe. Vielleicht eine zu große Aufgabe, die nicht zu bewältigen ist? Dann doch lieber bei der langweiligeren Frau das Ikea-Regal andübeln?