Zitat von Merrit: Anfang hab ich unheimlich Gas gegeben. Ich wollte zeigen, wie toll ich bin und dass es sich lohnt, mit mir zusammen zu sein. Sie fand das toll, hielt mich aber auf Distanz. Ich wollte frühzeitig viel mehr und dieses auf Abstand halten sorgte dann dafür, dass ich nach 7-8 Monaten zunehmen den Mut verlor und mich stückweise zurückzog. Dann begann sie aber zu klammern und schaltete um. Nun wollte sie alles. Aber mir fehlte das Vertrauen, ob das echt ist. Sie begann, permanent an mir herumzunörgeln. Immer wieder Kritik, meckern, nörgeln. Sie steigerte sich damit in eine Abwärtsspirale. Ich warnte sie, dass sie den Blick für das schöne unserer Beziehung verlieren würde, aber sie hörte nicht auf. Ich versuchte jedoch, ihr entgegenzukommen, was mir, wie ich denke auch gelang. Dennoch… letzte Woche trennte sie sich.
Erst investierst Du viel Energie in die Beziehung und sie bleibt in der Distanz. Dann ziehst Du Dich zurück und sie trabt an. Ja, das ist meist das Gesetz der Bindungsvermeider. Zeigt Jemand Interesse, ziehen sie sich zurück. Schwindet derjenige dann, sind sie auf einmal hinter her.
Dir fehlte das Vertrauen ob echte Gefühle dahinter sind. Das sind sie meistens nicht, denn der Bindungsvermeider lebt in seinem Zwiespalt zwischen Nähe und Distanz. Einmal gewinnt das Bedürfnis nach Nähe, Vertrauen und Wärme und das nächste Mal sind sie gefühlt kühl und irgendwie abwesend.
Und auch das Nörgeln am Partner ist ein Mechanismus, Distanz zu schaffen. Denn mit Nörgeln und Kritik treibt man den anderen weg.
Ein Bindungsvermeider lebt seine jeweiligen Bedürfnisse ziemlich ungebremst und meist ohne schlechtes Gewissen am Partner aus, der dann zum Spielball wird. Einmal geschätzt und hoch gehalten, dann wieder ins Abseits gestellt, weil er nicht gut genug ist.
Und der Gegenpart ist dann der passive,der alles erträgt und Mühe hat, sich wieder zu positionieren, vor allem, weil der aktive Teil das Selbstwertgefühl des passiven oft ordentlich demontiert.
Du redest vom Schönen in Eurer Beziehung, das sie aus dem Fokus verloren hat. Ääh, war da so viel Schönes oder war es nicht eher so, dass Du die wenigen Phasen in gefühlter Gemeinsamkeit hochstilisiert hast, weil Du ja inzwischen gewöhnt warst, auif Abstand gehalten zu werden? Der Passive will ja nur eine harmonische Beziehung mit gegenseitiger Wertschätzung und neigt dann dazu, die Momente mit Wärme und Zusammensein überzubewerten, eben weil er oft so kurz gehalten wird.
Du hast versucht, Deine Position zu verbessern und gingst auf sie zu. Heißt, Du suchtest wieder Nähe und wolltest ihr bewusst machen, dass sie mehr in die Beziehung einbringen muss.
Nun ja, verstandesmäßig begreift das der aktive durchaus, aber ob er es durchhält, ehe die alten Mechanismen wieder die Oberhand gewinnen, ist mehr als fraglich. Denn dahinter steckt das Unterbewusstsein, das aufgrund schlechter Erfahrungen , die meist schon in der Kindheit gemacht werden, echte Beziehungen ablehnt.
Die Folge sind im Erwachsenenleben meist instabile Beziehungen mit einem ständigen Wechsel aus Nähe und Distanz. Das hält den passiven bei der Stange, denn auch daran kann man sich gewöhnen trotz des Leids, das empfunden wird. Und der passive gibt sich ja so viel Mühe, er strengt sich an, redet mit Engelszungen und stösst oft genug auf eine gefühlte Mauer.
Eine super Konstellation mit einem Auf und Ab, wobei sich die Abwärtsspirale im Lauf der Zeit immer schneller dreht.
Auch der passive leidet meist an Bindungsängsten, er lebt sie aber völlig konträr aus. Denn er will ja eine echte Beziehung und tut sehr viel dafür und gibt jede Menge an Nachsicht und Geduld. Aber warum sucht er das ausgerecnet dort, wo er es nicht findet? Da läuft er zur Hochform auf, aber eine Beziehung, in der alles einfach und harmonisch ist, verlangt ihm auch oft zu viel ab. Vodergründig hat er eine tiefe Sehnsucht nach Liebe, hängt sich aber an einen Partner, bei dem die Sehnsucht danach meist Sehnsucht bleibt.
Oder es werden Partner gewählt, die für eine tiefe Beziehung schlichtweg nicht in Frage kommen. Sie sind zu jung oder zu alt oder vergeben oder stecken noch mit einem Bein in einer Exbeziehung-
So, und als es ihr zuviel wurde, machte sie Schluss. Aber telefonieren geht noch, über 3 Stunden, in denen sie wieder die alte Leier abzog. Du bist der Böse usw. und sie will mit Dir niemals nicht eine Beziehung mehr eingehen.
Aber dann, was ist das? So ganz und konsequent zieht sie den Schlussstrich nun doch nicht, denn Du könntest ihr dann ja ganz abhanden kommen. Und es könnte ja sein, dass sie wieder mal so was wie Liebe fühlt und daher hält sie sich gerne ein Hintertürchen offen.
Ja, und Du bist eh an allem Schuld, sie aber nicht. Kommt Dir das nicht etwas merkwürdig und kurzsichtig vor? Eine einfache Weltsicht, denn der Anteil am Scheitern wird schlichtweg allein dem Partner oder Expartner angelastet. Damit der andere seine weiße Weste behält und sich sagen kann, ich wollte das ja alles gar nicht, aber ...
Hast Du Dich schon mal mit Bindungängsten befasst? Ich empfehle Dir die Bücher von Stefanie Stahl, z.B. Jein. Bindungsängste erkennen und bewältigen.
Vorsicht: erkannt sind sie leicht, aber mit dem Bewältigen sieht es eher schlecht aus, denn dahinter stecken uralte Verletzungen, die nie bewältigt wurden und zu solchen Verhaltensweisen führen.
Was willst du mit Deiner nörgelden Frusttante? Dich weiterhin demontieren lassen, denn darauf läuft es ja hinaus? Es ist nicht selten, dass die Beziehung wieder auf On geht und beide sind guten Willens im Glauben, dass sie jetzt ja wissen, was sie aneienander haben. Aber nach ein paar Wochen geht das Wechselbad wieder von vorne los und die guten Vorsätze sind vergessen - bei beiden. Denn gegen die Steuerungen aus dem Unterbewusstsein kommen beide nicht an.
Du kannst ihr natürlich alles nachsehen, so wie immer und viel Geduld und viel Nachsicht einbringen. Ob sie es Dir lohnt, steht auf einem anderen Blatt. Denn der alte Klammeraffe nervt so schrecklich, dass man ihn am liebsten wegbeißen möchte. Und außerdem ist er schon ziemlich langweilig und reizlos geworden, denn er lässt sich viel gefallen, oft zu viel.
Ich sehe da ehrlich gesagt schwarz. Wie soll daraus eine Beziehung werden in der sich beide wohl fühlen und der sich beide so akzeptieren können wie sie sind, ohne dass man ständig nörgeln und schimpfen muss und dem anderen Vorwürfe macht? Meist bleibt es bei einer zeitlich begrenzten Neuauflage, die sich auch öfters wiederholen kann. Denn das Spiel aus Heißt und Kalt hat ja auch was, es wirkt durchaus belebend, auch wenn es hochstressig ist.
Nur eine tragfähige und stabile Beziehung kann man eher nicht erwarten. Irgend einer zieht irgendwann die Reißleine und das ist meist der aktive Teil, denn der hat in der Beziehung die Oberhand. Also bestimmt er auch mit Vorliebe eine Trennung nach dem Motto, wenn sich hier Jemand trennt, dann bin ich es.
Willst Du Dich wieder verletzen lassen, demontieren und Dir sagen lassen, dass Du nicht so bist, wie Du sein solltest? Was bindet dich an diese selbstgerechte Megäre? Hast Du Spaß daran, dich quälen zu lassen? Oder hast Du vielleicht gelernt, dass Liebe immer mit Leid einhergeht und dass man schon sehr viel einbringen muss, um sie zu bekommen.
Liebe, von dieser Frau, die auf Dir rumgetrampelt ist? Ach komm, das ist keine Liebe, das ist Vorteilsnahme, wenn in ihr gerade mal wieder der Wunsch nach Nähe die Oberhand gewinnt.
Das ist doch nicht schön, wie sie mit Dir umgeht und Du wirst in dieser Beziehung bzw. wurdest der "trottelige" Teil, der ihr immer noch die Stange hält. Aber wofür?
Ich kenne derlei Beziehungen auch aus eigener Erfahrung. Es braucht lange Zeit und man muss viel zulassen und versuchen, die Ursprünge der Verhaltensweisen zu erkennen, damit man sie einigermaßen eindämmen kann. Aber ich sehe gerade bei ihr überhaupt keine Motivation sich zu hinterfragen.