Tja, wann ist man sensibel? Als ich mich nach 17 Jahren Ehe entschieden habe, zu gehen, bin ich fast daran zerbrochen. Der Rosenkrieg dauerte so lange, dass ich noch den 20. Jahrestag hatte.

Der Typ hat das volle Programm durchgezogen. Ich bekomme seit 2002 Antidepressiva, manchmal kurzzeitig lebe ich ohne und mache bereits meine dritte Therapie. Danach hatte ich nur noch Männer an meiner Seite, wo ich wußte, das wird nichts, einfach weil ich furchtbare Angst hatte, dass es mich wieder zerreißt. Mein Ex hat mich jahrelang verprügelt, trotzdem bin ich ins bodenlose gestürzt, habe alles verloren und bin in die Insolvenz, weil aus dem Hausverkauf massig Schulden übrig blieben. Das habe ich irgendwie überstanden. Damals hatte ich meine Kinder bei mir, die haben mir Halt und Kraft gegeben.
Im letzten Jahr habe ich mich nach 12 Jahren erstmals auf einen Mann eingelassen, der erste, wo ich an eine Zukunft dachte. Wenn wir zusammen waren, war es super. Aber er hatte so wenig Zeit, dass wir aus dieser Dauerdatingphase nicht raus gekommen sind. Als ich anfing, ganz massiv mehr Zeit einzufordern, zu jammern und zu betteln, hat er mich am 23.12. mit einer Blockade abserviert. Ich habe bis Silvester gebraucht, eine Antwort zu bekommen und habe mich bereits damit arrangiert, dass es vorbei ist.
Dann fing er an, Silvester zu schreiben, auf das Handy meiner Schwester. Im neuen Jahr kamen auf ihrem Handy noch mal Videos an. Ich habe ihn zur Rede gestellt. Dann war wieder ein paar Tage Ruhe. Dann schrieb ich noch mal und er antwortete mir aus dem Krankenhaus, schickte mir ein Bild vom Krankenbett und seine Berichte und meinte, noch bin ich im Krankenhaus. Danach nichts mehr. Seitdem leide ich wieder unendlich. Ich weiß nicht, soll ich hoffen, soll ich aufhören. Ich habe wieder Herzschmerzen und erst nächste Woche einen Termin bei der Therapeutin. Ich habe über Weihnachten und im Urlaub trotz all-inclusive im Hotel abgenommen, weil ich so leide.
Dieses Mal habe ich niemanden, der mir irgendwo Halt gibt. Die Kinder sind aus dem Haus und leben ihr eigenes Leben. Meine Tochter spricht nicht mit mir seit fast zwei Jahren, meinen Sohne sehe ich höchstens ein oder zwei Mal im Jahr. So typisch männlich. Ich bin total verzweifelt und muss seit gestern wieder auf der Arbeit funktionieren. Und ich weiß nicht, wie lange ich das durchhalte, ohne wieder zusammen zu brechen. Ich denke nicht, dass ich mich noch einmal auf jemanden einlassen kann. Es kostet mich zu viel Kraft.
Ich wünsche Euch viel Erfolg, viel Glück beim Verarbeiten. Und ich bin froh, dass ich mich hier manchmal ausheulen kann, auch wenn mir der Kopf ganz schön gewaschen wird.
Irgendwann schaffe ich es, aber bis dahin ist ein unendlich langer Weg.