Ich habe gerade etwas ganz furchtbar Trauriges gehört. Habe so geweint, wie schon lange nicht mehr...
Ich kenne ein alters Ehepaar, dem ich aufgrund ihrer Situation manchmal im Haushalt ein wenig geholfen habe. Er war an 3 Tagen in der Woche an der Dialyse. Sehr krank.
Sie rief mich vorhin völlig aufgelöst an. Ihr Mann ist letzte Nacht in einer Not-Op nach einem Darmverschluss verstorben. Was ja sehr traurig ist. Was mich so unglaublich fertig gemacht hat, war, dass sie sagte, sie hat sich all die Jahre mal scherzhaft, meistens ernst beschwert, dass sie nicht schlafen könnte, weil er so furchtbar gewühlt hat nachts. Sie hat jetzt keine Möglichkeit mehr, ihm zu sagen, dass für sie die Hauptsache und das Wertvollste war, dass er da war, dass es ihn gab. Sie wird diese Chance niemals bekommen. Das macht sie völlig fertig. Die vertanen Chancen, als sie es hätte sagen können...
Diese Vorstellung hat mich völlig fertig gemacht.
Als ich so weinte, kam mein Nochmann dazu, fragte mich, was passiert wäre. Als ich es ihm sagte, und ich noch mehr weinen musste, kam von ihm nichts.
Ich habe ihm gesagt, wie furchtbar ich es finde, dass wir das auch mal hatten, dieses füreinander da sein, und jetzt jeder von uns allein wäre, wenn so etwas passieren würde. Ich habe mich gefragt, was ich ihm noch würde gesagt haben wollen in so einer Situation. Habe ihm gesagt, ich denke, es wäre 'egal, was passiert ist, egal, was jetzt passiert, ich habe mit Dir die schönste und glücklichste Zeit meines Lebens erlebt, und dafür bin ich unendlich dankbar...'. Er sagte, dass es ihm mit mir genauso ging.
Nun Sitze ich hier, heule mir die Augen aus, wegen vertaner Chancen, weil man Dinge häufig nicht wieder gutmachen kann, weil man versuchen sollte, Schönes, Kostbares festzuhalten und zu bewahren...
Ich weine darum, was war, was jetzt ist. Die Gefühlskälte in ihm. Herz gegen Stein vertauscht.
Es macht mich traurig, wieviele Menschen in der oben beschriebenen Situation allein sterben.
Und ich Weine, weil ich mich unendlich nach diesem einen Menschen sehne, der für mich da war, mich auffing, die Sonne hat scheinen lassen, auch wenn es dunkel war.
Ich habe, nein, wir haben alles verloren, was zählt im Leben...
