Zitat von GarstigeGräte: Ich glaube, das ist auch ein Punkt, warum es mir schwer fällt, loszulassen. Ich glaube, er ist der einzige Mensch, der noch an das Gute in mir glaubt, obwohl ich ihn so oft richtig sch. behandele und den letzten Nerv raube. Und das zeigt wiederrum, dass er eigentlich auch ein guter Mensch ist, wenn er sich trotzdem nicht komplett von mir abwendet.
Klingt das irgendwie verrückt?
Menschen haben gute und schlechte Eigenschaften. Insofern sind sie immer zweispältig und vereinen gute und schlechte Seiten in sich. Es ist ja auch schön von ihm, dass er sich nicht komplett abwendet, aber mit Deinen echt abstossenden Spionageaktionen machst Du das dann auch noch erfolgreich kaputt.
Und ob es Dir hilft, wenn er Dich immer noch kontaktiert, sei mal dahingestellt. Auch hier sehe ich einen Zwiespalt.
Er ist krank, das ist schlimm. Aber es ist auch nicht Deine Schuld und seine auch nicht. Aber er hat sich getrennt und das hat eben auch Konsequenzen, die Du ihm nicht aufzeigst. Was in Deinem Interesse wäre, weil es immer weiter geht. Das Ganze ist ein Karussell das sich immer weiter dreht, weil keiner absteigt. Aber wer mag schon ewig Karussell fahren?
Zitat von GarstigeGräte: Ich glaube nur, wir hätten das irgendwie hinbekommen, wenn wir uns beide darüber im Klaren gewesen wären, dass und was wir hätten ändern müssen. Das ist so bitter. Und macht mich gleichzeitig wütend, weil ich finde, dass er nicht genug dafür getan hat. Er ist den Weg des geringsten Widerstandes gegangen, weil es ihm scheinbar wichtiger war als Sieger aus der Sache heraus zu gehen anstatt sich einzugestehen, dass auch ER Fehler gemacht hat.
Herrgott nochmal, jetzt denk doch nicht immer in der Kategorie von Siegern und Verlierern. Genau mit dieser Haltung kommst Du nirgends weiter weil Du überall nur Konkurrenz und Häme und Abwertung witterst. Du polarisierst. Und ihr hättet das NICHT hingekommen, wie denn auch?. Wenn Du bei jeder Gelegenheit, bei der Du Dich ungerecht behandelt fühlst, austickst und offenbar Deine Impulse nicht kontrollieren kannst. Du denkst immer in schwarz und weiß. Ist alles in Ordnung, ist er "weiß" und dann fühlst Du Dich auch so. Dann macht er wieder was falsch und mutiert zum schwarzen Ritter. Damit nicht genug, denn du wirst dann auch zur schwarzen, bösen Furie.
Wie bitte ist da eine sachliche Kommunikation auf Augenhöhe möglich? Denn wärt ihr wieder in der Beziehung ging es doch wieder genauso von vorne los. Das Wir-hätten-das-schon-hinbekommen sind die idealisierenden Gedanken des Verlassenen, der Wunschdenken und Realität verwechselt.
Wie oft habt ihr es denn probiert, Euch vernünftig zu unterhalten ohne dass einer ständig Recht haben muss. Du ordnest Dich immer gerne als Verliererin ein und logischerweise ist er in Deiner Welt dann der Sieger.
Du bist megaanstrengend und insofern kann seine Trennung auch eine Schutzreaktion sein, weil er dem Beziehungsstress entfliehen wollte. Das ist sein gutes Recht. Er ist nicht verpflichtet, ewig in einer Beziehung zu verharren, die keinem von Euch gut tat.
Und nochmal: er ist ein freier Mensch, Du auch. Jeder darf gehen, wenn er diesen Weg für sich als den besseren einordnet. Auch wenn es dem Verlassenen weh tut, so muss er dem Anderen die Entscheidung zugestehen und braucht auch nicht darüber zu urteilen, wie gemein, hinterhältig, fies das ist und wie unglücklich er damit ist.
Du wirst von ihm vermutlich als emotionaler Anker benutzt, aber Dich wirft es jedes Mal zurück.
Beim Einwohnermeldeamt anrufen, ich fasse es nicht. Wie tief willst du noch sinken?
Er hat das getan, was ihm möglich war. Du musst darüber nicht urteilen. Und er hat das entschieden, was für ihn vermeintlich die besser Wahl ist. Wärst Du die bessere Wahl, wäre er bei Dir.
Und dann taucht im letzten Satz wieder der Sieger auf,. Er ist der Sieger, weil er entschieden hat. Logischerweise bist Du dann der Verlierer. Das alles findet nur in Deinem Kopf statt, weil Du schwarz/weiß denkst. Vielleicht gesteht er sich ja auch ein, dass auch er Fehler gemacht hat, aber nicht gegenüber Dir. Das muss er auch nicht. Ich hoffte auch über Monate auf ein Wort der Entschuldigung, bis ich mir sagen konnte, da kommt nichts mehr. Und außerdem was hätte es für mich geändert? Genugtuung? Nein, denn auch ich hatte zum Scheitern beigetragen. Und keiner muss sich entschuldigen, wenn er nicht das Bedürfnis dazu hat.
Ich von meiner Warte aus ordne ihn nicht als Sieger ein, der Dich damit in die Tonne tritt. Er suchte sich das aus, was für ihn besser war. Ob richtig oder falsch, weiß er ja vorher nicht. Aber irgendwann war halt das Maß voll.
Zitat von GarstigeGräte: Aber er hat mir, uns, nie die Chance gegeben, es besser zu machen. Und das nehme ich ihm übel, egal wie irrational das ist.
So, weißt Du das so genau? Er hat Euch keine Chance gegeben? Vielleicht doch, aber vielleicht hast Du ihm ja auch keine Chance gegeben. Und schon wieder: das nehme ich ihm übel.
Kannst du machen, raubt Dir aber nur Deinen Seelenfrieden, den Du aber eh nicht hast. Immer gehst du in Opposition, nicht nur in der Beziehung, auch gegenüber Deiner Umwelt, weil Du überall Ungerechtigkeit witterst.
Hast Du eigentlich Freunde? Eine Familie, in der Du Rückhalt finden kannst?
Zitat von GarstigeGräte: aber das, was er getan hat oder wie er es getan hat, hat mich gefühlt in sämtliche Einzelteile zerlegt.
Er ist nicht für Dein Leben verantwortlich, aber er ist für sein Leben verantwortlich. Er kann bei Dir nicht richten, was bei Dir im Argen liegt. Das ist eine Illusion und eine Anspruchshaltung, die ich seinerzeit auch hatte.
Warum wollte ich ihn denn? Warum erschien er mir wie eine Lichtgestalt?
Hinterher, weit nach der Trennung wurde mir einiges klar. Ich war unzufrieden, sehr unzufrieden, mit allem. Im Job Stillstand, im Privatleben Stillstand, in der Ehe Stillstand. ich sah die Welt als einigermaßen trostlos an. Die Ursache dafür lag nicht in der Umwelt, die lag in mir selbst. Denn ich mochte mich selbst nicht. Und er sich selbst nicht mag, ist unfähig, glücklicher zu werden.
Dann kommt die Projektion ins Spiel. Unzufriedene Frau begegnet der Lichtgestalt und gewinnt sie. Und ich war glücklich, schwebte auf Wolke 7. Endlich war ich wieder wer, endlich fühlte ich mich wichtig und begehrt. Das hielt nicht lange an, denn er ging allmählich auf Distanz und ich bekam Verlustängste, die ich wegschob, klein redete, aber nur übertünchte.
Oh nein, das darf nicht sein, ich muss ihn halten. Mein Leben ist sonst wieder trostlos und ohne Perspektive. Ich brauche ihn doch.
Das was wir mit Krallen festhalten wollen, geht, weil es die Krallen spürt und dann die Reißleine zieht.
Später wurde mir klar, dass nicht etwa er mich benutzt hat, sondern auch umgekehrt. Denn er war mein Retter, sollte mein ödes, lahmes Leben richten und mich endlich glücklich machen. Wer sich selbst nicht mag, sondern sich nur mag, wenn ein anderer ihm das spiegelt, wird die Beziehung nicht halten können. Das Gegenüber spürt das, auch wenn es zunächst keinem bewusst ist. Aber ich habe ihn tatsächlich benutzt, weil ich den Auftrag an ihn hatte, den ich selbst nicht erfüllen konnte: Mach mich glücklich, damit ICH glücklich bin.
Das ist reichlich egoistisch, aber ich habe es zunächst nicht erkannt. Erst weit nach der Beziehung, da fiel es mir auf einmal scheinbar ohne Auslöser auf. Auf einmal war er wieder in meinen Gedanken und ich fragte mich, warum? Vermisste ich ihn noch? Nein. Wollte ich wieder Kontakt? Nein, kein Bedürfnis. Was dann?
Dann sah ich die Beziehung vorbei ziehen wie ein Zweipersonenstück auf der Bühne, in dem sich beide abmühen, aber es wird doch nichts. Und dann erkannte ich meinen Anteil, mein Fehlverhalten. Er sollte das in mir richten, was ich nicht selbst richten konnte. Und war beschämt, vor mir selbst. Fast tat er mir dann leid.
Er weiß das nicht, muss es auch nicht wissen. Und er geht mir aus dem Weg und das ist mir Recht bei den seltenen Gelegenheiten, bei denen wir uns begegnen..
Später sagte ich mir. Es ist gut, dass er kam und es ist besser dass er ging. Denn durch ihn habe ich viel gelent, über mich, über Dynamiken in Beziehungen und über Aussöhnung mit dem anderen. Und mir wurde klar, dass es meine Aufgabe ist, mit mir auszukommen und ich darf mich auch selbst mögen. Und mit der Einstellung ist dann auch die Oppositionshaltung zu ihm und zum Rest der Welt überflüssig.
Ich kann mein Leben in die Hand nehmen, es gestalten. Ich kann mir Frieden zugestehen und darf die Kriegsschauplätze verlassen. Schicksalsschläge werden kommen,das bleibt nicht aus. Aber ich muss sie nicht selbst herbei führen. Ich bin wie ich bin und das ist in Ordnung. Jenseits von perfekt, aber das ist keiner. Und mein Partner ist auch wie er ist und das darf er sein. Auch er ist jenseits von perfekt. Aber mit der Einstellung kann ich gut mit ihm leben.
Du hältst Dich ständig auf einem Kriegsschauplatz auf und merkst nicht wie selbstschädigend das ist. Und immer siehst Du Gewinner und Verlierer. Die gibt es im Sport, aber nicht in Beziehungen. Entweder beide gewinnen oder beide verlieren, dann ist die Beziehung zu Ende und das ist dann auch meistens gut so.
Zitat von GarstigeGräte: Bin ich immer noch. Und in der Vergangenheit habe ich meine Wut jederzeit ausgelassen, egal an wen. Da kenn ich (leider?) nichts.
Ich HABE also aus meiner Sicht Grenzen gesetzt. Und trotzdem wurden sie immer wieder überschritten. Werden immer wieder überschritten. Ich habe das Gefühl, ich werde nicht ernst genommen und mit mir kann man es ja machen.
Weil: Ach, die regt sich schon wieder ab..
Das ist doch die logische Konsequenz. Wer soll denn eine Frau noch ernst nehmen, die ständig wütend wird, sich immer benachteiligt und übergangen fühlt? Ist doch klar, dass die Mitmenschen da abstumpfen. Ach die, oh je, schon wieder bricht sie in Wut aus. Na, soll sie. Ich bring mich in Sicherheit oder beachte es einfach nicht mehr.
Du brauchst Dich nicht zu wundern, wenn Dich keiner mehr ernst nimmt und sich zurückzieht.
Mangelnde Impulskontrolle, Ichbezogenheit, Ungerechtigkeit gegenüber anderen, Kampfbereitschaft , Schwarz-weiß-Denken, Rechthaberei, Vorwurfshaltung , Anspruchshaltung - all das lese ich aus Deinem Post. Und dann kommt die Wut dazu, die eigentlich Dir selbst gilt. Wer auf sich nicht würtend ist, wird auch gegenüber anderen selten wütend. Außer bei den wenigen Gelegenheiten, bei denen man wirklich ungerecht behandelt wird.
Gräte, denke um und lass auch mal locker. Du machst Dich selbst fertig. Aber es ist Deine Wahl und Deine Entscheidung ob Du einigermaßen glücklich durchs Leben gehst oder nicht.
Was ist mit Dir passiert? Was hat man Dir angetan? Es ist was passiert mit Dir, was schlimm war und was Du nicht verarbeiten konntest. Du müsstest es finden, dann könntest Du damit abschließen.