Menschenskinder, Du Garstige Gräte! Das sind ja ganz neue Worte aus Deiner Feder, die mich wirklich freuen. Das Wort "garstig" darfst Du künftig getrost weglassen, denn das trifft nicht mehr zu. Wo ist das selbstgerechte, schwarz-weiß denkende und überall Ungerechtigkeit witternde Gräte hin? Hat sie sich beurlaut vom grätigen Anteil? Darf sie das überhaupt, denn die Welt ist so böse und alle sind so ungerecht und nehmen sie nicht ernst?
Ja, sie darf es. Juhu, auch die Gräte kann sich die Erlaubnis geben, entspannter und fröhlicher durchs Leben zu gehen! Mein lieber Schwan, Du hast einiges hinter Dich gebracht und es war ein langer Weg bis dorthin.
Zitat von GarstigeGräte: Wenn ich mich an dieses Gefühl zurück erinnere, bekomme ich Beklemmungen und mein Hals schnürt sich mir zu.
Ich glaube, durch sein Trennung wurde ein uraltes Traum wieder reaktiviert und abgespult. Es war "nur" eine Wiederholung, die Dir das Leben bzw. Deine Seele geschickt hat, damit Du endlich begreifst, dass Du Dich um Dich kümmern musst. Das Trauma war nicht neu, aber es kam wieder an die Oberfläche durch diesen Auslöser.
Zitat von GarstigeGräte: Wenn ich mich an dieses Gefühl zurück erinnere, bekomme ich Beklemmungen und mein Hals schnürt sich mir zu.
Noch ist das Wiedererlebte negativ besetzt, aber Du darfst es loslassen. Einfach in die Ecke legen in ein Regal und dort liegen lassen. Irgendwann brauchst Du es nicht mehr Es ist nur eine Erinnerung - nichts weiter, die aber nicht über Dein weiteres Leben bestimmt - nicht mehr.
Zitat von GarstigeGräte: Hat man sauberes Wasser oben hinein gegossen, lief es als Dreckwasser unten wieder raus. Aber dieses Dreckwasser war mein Lebenselixier.
Ich sehe es umgekehrt. Man hat Dreckwasser reingekippt, Dich misshandelt, schlecht behandelt, übergangen, allein gelassen und was auch immer. Es lief durch und unten kam es wieder raus. Der Dreck blieb leider in Deiner Seele hängen wie in einem Sieb und das gesunde Wasser kam raus, aber es ist weggelaufen. Künftig nützt Du es für Deine ganz persönliche Recyclinganlage.
Zitat von GarstigeGräte: a, manchmal, immer öfter, bin ich glücklich.
Manchmal schiesst mir dann der Gedanke durch den Kopf, Glücklichsein passt nicht zu mir. Und dann ist es mir fast peinlich, fröhlich und ausgelassen zu sein. Das bin doch nicht ich. Das geht nicht. Was bist du denn für eine? Hör gefälligst auf, zu lachen! Himmel, guck dich doch nur an, bist du peinlich!
Aber ich weiß ja jetzt, dass das nicht MEINE Gedanken sind, sondern die Stimme meiner Mutter, die sich in mein Hirn eingenistet hat und immer dann laut wird und mich verächtlich macht, wenn ich es wage, über etwas zu lachen.
Das ist doch wunderschön! Du hast begriffen, dass Du es auch anders machen und fühlen darfst. Du musst das uralte Trauma nicht weiterleben, denn Du bist diejenige, die das familiäre Trauma auflöst. Lach, wenn Dir danach ist, auch wenn es über den letzten Sch... ist. Ich lache mich manchmal halbtot, wenn mich etwas erheitert und das ist oft dermaßen albern, dass mir meine Schwester schon mal sagte: Mensch, hast Du einen billigen Humor!
Dann lachte ich erst recht und sagte, lieber einen billigen Humor als keinen, merk Dir das.
Lachende Menschen sind nicht peinlich, sie sind selten und das ist schade. Wieviele laufen miesepetrig durchs Leben, wittern überall Benachteiligung und fühlen sich beeinträchtigt. Das Leben ist so langweilig, gerade wenn man es nicht manchmal auch mit Humor nimmt. Lachende Menschen stecken an und wirken sympathisch, aber sieh Dich draußen um. Überall verbissene Gesichter. Ich freue mich, wenn Jemand lacht und nett zu mir ist. Dann geht ein wenig die Sonne auf und das tut einfach gut.
Interessant, was Dir klar wurde. Du hast die Gedanken Deiner Mutter übernommen. Das geschieht ganz unbewusst und man merkt es nicht. Dann setzt es sich fest und beeinflusst uns später. Schlechte Gedanken über einen selbst, ich bin nicht gut so, wie ich bin und daher darf ich nicht glücklich sein, wird zum inneren Mantra.
Das Gute, wenn man es erkennt, kann man es auch beiseite legen. Ich hatte auf meiner Schulter immer kleine, bösartige schwarze Kobolde sitzen, die mir einflüsterten: Hach Du, sieh Dich doch nur an. Wolltest gerne in der oberen Liga spielen, kamst aber über die Regionalklasse nicht hinaus. Schau die Anderen an, die machen und tun, aber Du? Du bringst es eben nicht, das haben wir Dir schon oft gesagt und dabei bleiben wir. Ach ja, wieder mal eine Klatsche abbekommen? Hihi, das sahen wir schon kommen, denn Du bringst es einfach nicht.
Irgendwann wurde es mir klar und ich sperrte die kleinen Mistviecher in ihren Schrank und sagte: hier könnt ihr maulen und triumphieren wie ihr wollt, aber ich höre euch einfach nicht mehr zu. Ich bin auch wer, ich bin auch wertvoll und ich bin auch in Ordnung wie ich bin. Sie wurden dann still und immer stiller weil sie nichts mehr zu sagen haben. Ich höre einfach nicht mehr hin. Gedankenhygiene kann man dazu auch sagen.
Zitat von GarstigeGräte: Es gibt da den Spruch "Glücklich sein ist eine Entscheidung".
Ich habe ihn lange Zeit falsch verstanden.
Im Grunde ist das so. Ich entscheide mich, dass ich glückllch sein darf, mich freuen darf über schöne Begebenheiten. Ich gestehe es mir zu und geben mir die Erlaubnis dazu, weil ich die Stimme meiner Mutter nicht mehr höre. Sie ist meine Mutter, sie hat mir das Leben geschenkt, aber sie hat mich auch verformt. Und davon darf ich mich lösen und darf ich sein. Ich muss nicht alles nachleben, was man mir ungerechterweise eingeredet hat. Das ist vorbei, hier ist eine neue Gräte.
Zitat von GarstigeGräte: Aber die Werkzeuge, die ich an der Hand habe, helfen mir, mich nicht wieder zu verlieren, wenn ich wütend darüber werde, dass ich überhaupt darum kämpfen muss, ein "normales" Leben zu führen.
Da hat Deine Therapeutin gute Arbeit geleistet. Das freut mich sehr für Dich.
Zitat von GarstigeGräte: 4 Tage Ruhe und Wellness in einer Luxusferienwohnung mit Whirlpool und Sauna.
Das süße Nichtstun werde ich so richtig genießen.
Und ich freue mich auf die Zeit mit einem guten Bekannten, Freund, der mich dort besuchen kommt.
Das Leben ist schön..
Ja, das steht Dir auch zu. Das Leben ist schön, wenn man es schön sein lässt. Manchmal ist es auch traurig, aber das gehört dazu, denn zum Glücklichsein braucht es auch das Unglücklichsein. Damit man es merkt und spürt und auch zulassen kann. Licht und Schatten gehören zusammen, aber man muss nicht ständig im Dunklen leben.
Du liest Dich komplett anders als damals. Ich hätte Dich vor lauter Wut schütteln können und wollte Dir sagen, wie blöd Du bist und wie verbockt. Aber ich glaube, Du hast unheimlich viel geschafft und darauf darst Du stolz sein. Ja, es ist erlaubt, stolz auf sich zu sein, auch wenn Deine Mutter anderer Meinung war.
Weißt Du, sie war auch geschlagen und schleppte ihr unaufgelöstes Trauma durchs Leben. Sie konnte es nicht anders, es ging nicht, denn auch sie hatte sich die Erlaubnis fürs Glücklichsein nicht gegeben. Aber Du machst es jetzt, denn mit dem Nachleben ist nichts gewonnen. Die Blockade hat lange genug gedauert.
Ich wünsche Dir einen wunderschönen Kurzurlaub. Mach was draus, denn es steht Dir zu!