Liebe Nicole (und auf dieser Weg auch Hallo an Alle),
Ich fühle mich nicht bedrängt. Nein, nein. Das ist es nicht. Es ist nur so schwer so viel sagen zu wollen, und nicht dazu kommen zu können. Und ich möchte nun so viel sagen. An Euch alle, speziell Du und U.K. (seht es mir bitte nach!)...
Ich habe zwar sehr wenig Zeit heute, hatte aber Gestern Abend etwas vorbereitet im Zusammenhang mit Lebenslauf. Erinnerst Du Dich?
Nun, ein "Mann", ein Wort. Hier ist es.
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Nun, wie zugesagt, hier ein grober Umriss meines Lebenslaufes.
Ich bin in Belgien geboren, bin aber im Alter von 5 Monate nach Afrika geflogen. Mein Vater war dort im Ex Belgisch-Kongo tätig. Er ist immer noch dort, allerdings jetzt pensioniert.
Ich habe noch 2 Brüder, 3 Jahre älter und 1 Jahr jünger las ich.
Unsere Mutter starb in Kongo, da war ich nicht ganz 3 Jahren alt... Sie ertrank im See als sie mir das Leben rettete! Kurz darauf wurden wir nach Belgien zurückgeflogen, wo wir in Pflegefamilien untergebracht wurden. Ich kann mich nur sehr dunkel an dieser Zeit erinnern, was ich allerdings davon noch weiß ist nicht sehr schön. Ich war von meinen Brüder getrennt und wurde auch nur als Störfaktor betrachtet. Mein Vater heiratete in den 60.er die Frau bei der ich untergebracht war (sie hatte sich kurz davor scheiden lassen) und nahm der Tatsache gar nicht erst wahr, das gefängnisähnliche Verhältnisse herrschten (Schläge mit Hundeleine und Ledergürtel, Nahrungsentzug, Einsperrungen...). Nun waren wir, meine Brüder und ich, wieder zusammen gekommen. Dann ging es mit dem Nomadenleben los: 2 Jahre in Afrika, 6 Monate in Belgien, und hin und her mit uns... Schule hinter Schule, nie lange an einem Ort... Ein Leben im Koffer.
Das Leben in Afrika bleibt mir sehr schön, ja großartig in Erinnerung. Ich konnte dort sehr viel von den Menschen und der Natur lernen und begriff dass Geld nicht der einzige Mittel zum Glück ist. Es ist so.
An die Schläge usw. hatten wir uns gewöhnt. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitswesen...
Anfang der 70.er, ich war zu der Zeit bei mein Stiefbruder in Belgien untergebracht (immer noch mit Nahrungsentzug...) um die Uni zu besuchen, habe ich dann mein Mut zusammen gebracht und bin zum Jugendrichter gegangen: ich wollte dieses Tierleben nicht mehr weiterführen. So kam ich denn in ein Jugendheim, den ich mir selbst ausgesucht hatte. Dort konnte ich endlich atmen! Endlich ein menschenwürdiges Leben führen! Es war ein Traum... Ich brach die Studienzeit an der Uni ab, 6 Monaten von dem Ing. (immerhin war ich schon Techniker) und verpflichtete mich mit 18 bei der Armee als Unteroffizier. Zunächst wieder Schule bei der Luftwaffe, dann aber ab nach Deutschland. Ich wollte freiwillig dort hinkommen weil ein Freund aus dem Jugendheim auch hingeschickt wurde. So kam ich in dem Ort, wo ich heute noch lebe.
Hier lernte ich meiner Frau kennen, Ende der 70.er. (ich war jetzt 19 und sie noch nicht ganz 18), und quittierte das Militärleben um mehr Zeit für meine Familie zu haben (wir erwarteten unser erstes Kind). Nach 5 Jahre als Fabrikarbeiter entschloss ich mich wieder zur Schule zu gehen, denn meine Zeugnisse hier nicht anerkannt wurden und das Schichtarbeiterleben doch nichts für mich ist. Wozu hat man den studiert? 30 Monate lang drückte ich dann die Schulbank wieder. Die Zeiten waren sehr hart! Hier bereits gab es jedoch „Reibereien“ in der Ehe: meine Frau hatte sich anderweitig verliebt und tat sich sehr schwer damit. Ich versuchte ihr beizustehen, mir fehlte aber die nötige „Erfahrung“ um es richtig anzustellen und fühlte mich überfordert... und sehr allein. Irgendwann jedoch wurde nicht mehr darüber gesprochen, d.h. keine Andeutungen mehr gemacht, denn gesprochen in diesem Sinne haben wir nie richtig miteinander. Warum? Kann ich gar nicht erklären, denn das Bedürfnis war schon da und ich bin jemanden der gerne spricht und zuhört... Schon erstaunlich, welche Fehlern man so begeht...
Dann kamen meine Versuchsaktionen mit der Selbstständigkeit. Eigene GmbH gegründet, 3,5 J. lang gehalten und Schluss. Arbeitslosigkeit folgte. Dann kam ein Angebot, als Dozent für eine Privatschule im Auftrag des Arbeitsamtes tätig zu werden. Ich nahm an und drückte wieder die Schulbank: die Ausbildungsberechtigung fehlte noch. Hier wieder 5 Jahre, ich möchte sagen erfolgreiche Jahre Arbeit mit Menschen. Es war teilweise großartig, teilweise deprimierend, je nach dem welches Publikum man hatte.
Anschließend kam die Zeit des Rotstiftes für das Arbeitsamt, somit auch für die Privatschule... Ich suchte also ein neuen Job und fand die Stelle die ich heute inne habe. Großartige Kollege, super Betriebsklima, abwechslungsreich... eben „die EDV“ im Großbetrieb! Hier bin ich seit nun fast 2 Jahren.
Es ging uns also viel besser, die Situation war wieder „planfähig“ und stabil. Nur meiner Frau empfand es wohl etwas differenzierte. Sie fing an, allein (d.h..mit eine Freundin???) auszugehen, sie veränderte sich nach und nach und ist stand da mit meine Fragen. Hab alles versucht, das Gespräch mit ihr zu finden: mündlich, fernmündlich, schriftlich... Nichts zu machen. Ständiger Flucht vor mir.
Im Februar 2001, als ich eines Dienstags nach Hause kam, sagte sie mir: „setze dich hin, ich habe dir etwas zu sagen“. Oppps... Mein Herz schlug plötzlich Tempo 200... „So schlimm? Du willst gehen?“ Wie mir diese Frage über die Lippe kam, kann ich noch immer nicht erklären. Es schoss einfach heraus. „Nein“, sagte sie, „viel schlimmer...“. Sie beichtete mir, mehrmals mich mit jemanden betrogen zu haben, den sie per Bekanntschaftsanzeige aus die Zeitung kennen gelernt hatte (SMS´s ohne Ende, vorher angeblich mit ihre Freundin). „Was willst du nun tun? Willst du die Scheidung?“ Wir sprachen nun endlich ausgiebig miteinander. Ich versicherte ihr, das, wenn sie es nicht mehr ertragen konnte weil es sie so sehr belastete, wenn sie mich so liebt wie sie sagt, wenn sie jetzt selbst sagt, es war ein Fehler, dann können wir es gemeinsam verarbeiten und dafür sorgen, das es mit uns besser wird...
Sie meinte auch: „Ich hätte nie gedacht, das man mit dir so reden kann“. Nun, sie wusste es jetzt. Warum es in Zukunft dann nicht öfters tun? Es schien alles in Ordnung zu kommen, ein halbes Jahr lang. Sie schwieg jedoch bald wieder und reagierte nicht mehr auf meine Ersuche... Veränderungen wurden wieder sichtbar und der alter Trott kehrte wieder heim. Ich erfuhr später das, als sie mir sagte „Ich habe lang gezweifelt, weiß es aber jetzt: ich liebe dich und will dich nicht verlieren“, hatte sie bereits der Haustürschüssel einer Anderer in ihre Tasche. Ich fühlte mich so was von machtlos... Absolut deprimiert. Meine tägliche Liebeszettel, meine Komplimente, Gesprächansätze... nichts half mehr. Bis zum 5. Dezember 2001. Den Rest steht bereits im Forum (Trennung mit Scheidungsabsicht).
Soviel von meine Geschichte. Ich kenne schönere Erzählungen, Du sicherlich auch...
Dom