Ich ergänze zu meinem Statement noch das Folgendes:
Kommunikation ist eine komplizierte Sache. Sie passiert auf vielen Ebenen und Modalitäten (verbal, Mimik, Gestik, Tonfall, Blickkontakt, Ausdruck etc.). Außerdem findet sie immer irgendwie statt (Watzlawik: "Man kann nicht nicht kommunizieren"). Wir tendieren weiterhin stark dazu, Kommunikationsbotschaften nicht alleine nach dem Informationsgehalt zu analysieren, sondern auch nach anderen Kriterien wahrzunehmen und zu verarbeiten (Schultz von Thun und sein 4-Ohren-Modell: Sachohr, Beziehungsohr, Apellohr und Selbstoffenbahrungsohr).
Je weniger Kommunikationsmodalitäten zur Verfügung stehen, desto schwieriger kann es sein, die Botschaft ohne Missverständnisse zu übermitteln.
WhatsApp und Konsorten bieten dafür die idealen Möglichkeiten. Ich sehe nur das geschriebene Wort bzw. den Text. Es fehlen wichtige Kontextinformationen aus anderen Kommunikationsmodalitäten. Bei banalen Sachbotschaften mag das nicht so stark ins Gewicht fallen. Bei problem- oder emotionsbezogenen Botschaften sowie Auseinandersetzungen ist die Gefahr von Missverständnis schon viel höher.
Wenn ich das jetzt mal ganz direkt sage: Meine Generation ist noch ohne diesen ganzen Schnickschnack groß geworden. Mein erstes Handy habe ich mit Ende 20 (Ende der 90er Jahre) bekommen. SMS schreiben war eine kleine Sensation damals. Auch wenn ich heute ein Smartphone mein eigen nenne und viele Funktionen nicht vermissen möchte, hab ich mir persönlich eins bewahrt: Kommunikation erfordert immer den passenden Rahmen. Gespräche, mit Personen, dir mir wichtig sind sowie über Themen, die mir wichtig sind, führe ich in erster Linie persönlich - face-to-face. Sollte das nicht möglich sein, evtl. Telefon. Wenn ich meiner Botschaft schriflichen Nachdruck verleihen will, greife ich zu Papier und Füllfederhalter ... ja, sowas gibts heute noch!
Wenn ich das mal mit dem Fotografieren vergleiche: Früher vor den Digitalkameras musste man sich noch genau überlegen, ob und wie man das nächste Stück Film jetzt verwendet und ob man riskiert, es zu versauen. Heute ist es egal - Gigabyteweise Speicherplatz, einfach drauflos knipsen. Bei einem handschriftlichen Brief ist das genauso: Ich muss vorher bzw. dabei überlegen, was ich schreibe, wenn ich nicht 20 Mal neuanfangen will. Auf der andere Seite: Kurznachricht schnell reintickern, rausrotzen, fertig. Kommunikation, je persönlicher die Themen sind, braucht zuweilen einfach auch ein bisschen Zeit und das sollte nichts sein, was man mal eben so nebenher macht. Letztendlich hat das auch was mit Respekt vor meinem/r Kommunikationspartner/in zu tun. Aber auch das sind Werte, die mehr und mehr im Verfall begriffen sind.
Bevor ich noch philosophischer werde, hör ich jetzt lieber auf
