@sabine
Ja, wie gesagt, ich habe da oft drüber nachgedacht, aber das ist kein Modell für mich.
Wir leben in einem Haus mit unseren kleinen Kindern, das ist für mich nichts, wo jeder dann mal (überspitzt formuliert) teilnehmen kann, wenn er mag.
Ich brauche Nähe, um mich nah fühlen zu können.
Die Dynamik in unserer Beziehung ist eine andere: je mehr ich allein mache und je weniger ich erwarte, desto mehr geht mein Mann ebenfalls auf Abstand, weil alles an meinem Verhalten ihm signalisiert: "ok, ich mach meinen Streifen allein, ich brauch dich nicht".
Umgekehrt funktioniert das auch.
Ich für mich habe schon das Gefühl, dass ich überhaupt nur noch einen Minimalteil dessen erwarte, was ich mir früher mal vorgestellt habe.
Das befreit mich aber kein Stück, das macht mich traurig.
Es macht mich traurig, wenn ich von meinen Arbeitskollegen, meiner Familie, meinen Freunden dann am Ende vom Tage mehr Anerkennung (ist nur ein Beispiel, gilt im Prinzip für alles, auch Freizeit, Gespräche, Zuwendung) bekomme, als von dem Menschen, der mir am wichtigsten ist (war).
@aquarius2
Brauchst dich nicht entschuldigen, dafür habe ich mich hier ja angemeldet
Wir haben uns damals über eine Fortbildung kennen gelernt, die er privat und ich über meinen damaligen Beruf besucht habe.
Ich habe das für mich inzwischen so aufgedröselt (und es klingt plausibel für mich):
Ich hatte eine sehr wilde Zeit hinter mir. Meine Eltern, zu denen ich ein sehr inniges Verhältnis habe, waren in Ausland für mehrere Jahre. Ich selbst auch.
Viele Luebschaften, nichts Festes, unglücklich verliebt.
Keiner vermochte mich zu interessieren.
Ich hatte ein dringendes Gefühl, eine Mitte finden zu müssen. Familie, Halt, Klischee.
Da war er dann. Älter, intelligent, witzig, sportlich, mit klaren Werten und Vorstellungen.
Er hat mich umworben, ich habe gezögert, auch wegen der 10 Jahre Altersunterschied und mich dann eingelassen.
Wir wohnten getrennt und wie das bei Fernbeziehungen so ist, haben wir, wenn wir uns gesehen haben, einiges unternommen.
Er hat mir seine Heimat gezeigt, ich ihm meine. Wir waren im Zoo, essen, im Kino, in der Sauna oder zuhause, hatten viel Sex oder haben PlayStation gespielt zusammen.
Seine Freunde habe ich nie kennengelernt, ich dachte immer, das kommt noch. Habe darüber weggesehen.
Er war sehr ordentlich und . . . konzentriert. Mir fällt kein besseres Wort ein.
Ich wusste, das bin ich nicht, aber ich wusste auch, dass mir etwas mehr Ordnung und Struktur sicher nicht schaden würde.
Geheiratet haben wir dann, ohne überhaupt miteinander gewohnt zu haben, nach knapp 2 Jahren (Fern-)Beziehung (600km).
Und dann ging's abwärts mit uns.
Jeder für sich als auch wir beide zusammen.
Es kam einiges zusammen: wir waren beide arbeitslos (zu unterschiedlichen Zeiten), mussten oft umziehen, waren kurz vor der Privatinsolvenz.
Dann kamen die Kinder und die Probleme wurden, wie so oft, mehr statt weniger.
Nichts "kam noch". Wir haben uns nur immer mehr ineinander verbissen.
Dann Paarberatung.
Kurze Verbesserung.
Resignation.
Anders kann ich den Zustand im Moment auf beiden Seiten nicht beschreiben. Wir streiten ja nicht mal mehr.