@Fake
@Kurschaden
Realität ist eben nicht das, was man sich erträumt.
Der eine macht diese Fehler, ein anderer Mensch andere.
Ich erkenne heute oft, was wir jetzt anders machen als in der Krise.
Und wie gesagt - nein, verzeihen kann ich ihm viele Dinge einfach nicht. Weil ich sie unverzeihlich finde.
Aber auf dieser Basis kann ich trotzdem wieder etwas aufbauen.
Wir sind zusammen, seit wir Teenager waren. Er hat nie mit einer anderen Frau geschlafen zuvor. Kinder verändern eine Beziehung und das Gefüge erheblich. Er hatte berufliche Probleme, Depressionen, eine Angststörung. Dann eine Frau (ehemalige Arbeitskollegin) die den Mann bewundert, alles toll findet was er macht, ihn regelrecht stalkt - da denkt man vielleicht tatsächlich irgendwann, warum Probleme lösen mit einer Frau, die weiss das ich nicht perfekt bin und Druck macht, wenn ich da ein paar Stunden der Held sein kann?
Er war glaube ich felsenfest davon überzeugt, das es nie rauskommt. Und sie hat sich auch nicht trennen wollen - die Kinder, die Freunde. So konnte er die Rolle spielen "wenn Du Dich für mich entscheiden könntest" ohne Risiko.
Als es aufgeflogen ist, wollte sie sich trennen von ihrem Mann.
Bei ihm war es in der Sekunde vorbei. Hätte sie ihm eher Druck gemacht mit einer Trennung, wäre es wohl schon viel früher vorbei gewesen. Er hat mir mal gesagt, es war wie noch mal Teenager sein. Ich glaube ihm das.
Ich glaube, die Midlife-Crises ist nicht umsonst ein feststehender Begriff. Es gibt sie tatsächlich. Zweifel in der Lebensmitte. Das Gefühl war es das? Oder einfach eine Unzufriedenheit, die sich manifestiert.
Wir waren beide eine Zeitlang sehr destruktiv. Heute gehe ich oft einen Schritt zurück, überdenke was ich sagen will und springe manchmal über meinen Schatten und versuche, ihm den Druck zu nehmen. Und sehe, wie es früher schlecht gelaufen ist.
Die schlechten Tage wegen Flashback mal ausgenommen

Er ist völlig verändert. Während er früher jeden Stress und Ärger von der Arbeit mit nach Hause gebracht hat, sieht er seine Familie und alles was damit zu tun hat nun anders. Er ist oft derjenige, der bei den Kindern meine schlechte Verfassung auffange muss (in der Anfangszeit habe ich mich morgens schon mal geweigert aufzustehen

) er ist aufmerksam und nett.
Gut, er macht natürlich auch dumme Fehler (Diamantring - oh bitte! Wie klischeehaft! Als ob das etwas repariert) - da ist mir seine Bereitschaft, zu jedem Schnulzen Mark-Forster-Tim-Bendzko-Konzert zu gehen mehr wert

)
Es ist für ihn nicht leicht, in dem Wissen zu leben, das er aktuell keinen Bonus mehr hat... eine Kleinigkeit würde wohl zur Trennung führen. Aber wir sind auf einem guten Weg.
Unsinnigerweise habe ich Rachegefühle ihr gegenüber (ich kenne sie) - aber ich glaube ein glückliches Leben ist die beste Rache

Zu wissen, dass sie innerhalb von 24 Stunden von "okay, doof gelaufen aber jetzt bekomme ich wenigstens den Mann den ich liebe" zu ""er will gar nicht" wechseln musste, ist doch nett

Oder mir vorzustellen, das sie jetzt weiter mit ihrem Mann lebt obwohl sie bereit war, sich zu trennen für den anderen. Das finde ich sehr, sehr unfair ihrem Mann gegenüber. Wir sind ja nicht im Iran - keine Gefahr der Steinigung bei einer Trennung

Warum lebt man mit einem Mann zusammen, für den man keine Gefühle mehr hat? Und er schreibt mir E-Mails das es ihn umtreibt, ob er nun erste oder zweite Wahl ist. Soll ich ihm sagen, das sie die Wahl gar nicht hatte?
Ich glaube nicht. Warum soll ich da nachtreten.
Ich bin sehr gespannt, ob wir uns einmal begegnen -wir haben gemeinsame Bekannte.
@Kurschaden Du machst es richtig. Sag Deinem Mann was Du fühlst, das es Tage gibt, an denen Du immer noch stinksauer bist, das die Jahrestage schlimm für Dich sind usw. Das muss er aushalten. Ich wusste zufällig aus einer E-Mail, wann sie vor dem auffliegen das letzte Mal Sex hatten. An diesem Jahrestag habe ich meinem Mann eine furchtbare Szene gemacht, es sei ja eine Unverschämtheit das er nicht versucht habe, Sex mit mir zu haben, er habe wohl immer noch Sehnsucht bla bla bla

Er hat dann geantwortet, er habe sich nicht getraut, aus Angst ich hätte dann gesagt..... ja, hätte ich wohl. Es gibt Tage, da kann er nichts richtig machen
Aber wirklich seit ein paar Wochen wird es tatsächlich besser. Nur das Gefühl "eigentlich hättest Du ihn rausschmeißen müssen" muss ich noch in den Griff kriegen. Das ist eine Prägung, die man nicht einfach abschütteln kann.