Zitat von Gurkensalat: So wie ich es verstanden habe, wollte der AM aber nicht. Es wäre besser gewesen, ihr hättet eine Beziehung probiert und Du damit diese Gewissheit, ob es funktioniert oder nicht. Das erinnert mich alles ein wenig an meine Geschichte.
Ich kenne deine Geschichte nicht, kann sie im Forum auch nicht nachlesen. Was den AM betrifft, ich hatte ihn bereits im Studium kennengelernt und mich in ihn verliebt, als ich bereits Mama war (alleinerziehend). Er wollte nie mit mir zusammen sein, hat sich aber genauso ambivalent verhalten, wie ich irgendwie auch. Ich WEISS dass eine Beziehung zum AM für mich der reinste Horror wäre. Zum einen, weil sie so wäre, wie meine ganzen anderen Beziehungen, die ich vor meinem Mann hatte. Zum anderen, weil er, zumindest sagt er das, „nicht diese eine Liebe im klassischen Sinne“ für mich empfindet und ich ja „auch nur“ mit ihm mein Muster von kämpfen und mich beweisen abspielen kann, es wäre absolut noch viel mehr zerstörerischer alles, als es sowieso schon war/ist.
Ich habe außerdem eine Verantwortung mit meinen Kindern. Ein, dem AM Hinterherrennen ist das schlechteste Vorbild, was ich sein kann. Auch wenn ich es tat, ich hoffe das konnte ich halbwegs geschickt unauffällig machen, was die Kinder betrifft. Auch wenn sie natürlich spüren , dass nicht immer alles rosarot zwischen meinem Mann und mir war. Und mein großes Kind auch weiß, dass ich mal in jemand anderen verliebt war.
Zitat von Gurkensalat: Wurde hier im Thread oder im anderen schon geklärt, was Dir außer dem Drama noch bei Deinem Ehemann fehlt? Jahrelang scheint Dir ja nichts gefehlt zu haben. Was hat sich geändert? Oder ist es schlicht, wie so oft, nur die Angst vor den Konsequenzen? Also, dass man lieber einen halbtoten Gaul Beziehung reitet, als den neuen, der einen aber möglicherweise nach einer Weile abwirft.
Ich glaube am meisten fehlt mir persönlich etwas mit mir selbst. Wenn man so sehr mit sich selbst beschäftigt ist, dann auch noch dazu oft gebraucht wird als Mama und Familienmamagerin, sind die Kapazitäten schwer vorhanden. Das ist etwas Übliches, was ich in vielen Beziehungen mit Kindern und Alltag mitbekomme. Was keine Ausrede sein soll. Ich habe immer wieder Hoffnungen, dass wir das nochmal hinkriegen. Dazu trägt natürlich auch bei, dass mein Mann nicht loslässt. Er sagt, ihm sei unsere Beziehung zu wichtig und er glaubt dran, dass wir es hinbekommen. Wir tun ja auch sehr viel dafür… es gibt immer wieder stabilere Phasen, in denen wir aufatmen können.
Zitat von Gurkensalat: Wie sinnvoll ist denn eine Paarberatung allgemein?
Sie läuft gerade aus. Wir hatten eigentlich meistens familiäre Themen besprochen, Krisen mit den Kids. Deshalb empfahl uns der Pasrberater ein Elterncoaching. Wir sind da noch auf der Suche. Denn da wo wir waren, haben wir uns nicht verstanden gefühlt. Wir haben ganz klar benannt, dass wir Kompetenzen erlernen wollen, wie wir liebevoll und gesunde Grenzen setzen lernen, vor allem bei unserem gemeinsamen Kind. Das haben wir verpasst und man würde klassisch sagen „jetzt tanzt es uns auf der Nase rum“, wobei ich weiß, dass es einfach nur die Grenzen einfordert. Aber was tun, wenn eine Grenze einfach nicht akzeptiert wird und alles reden nicht hilft und ich/wir dann auf altbekannte Muster aus unserer Kindheit zurückgreifen (bei mir ist es entweder das laut werden, verzweifelt sein oder das die Wohnung verlassen, was ich beides selbst als absolut schmerzhaft empfinde, weil ich weiß dass ich diejenige bin, die in dem Moment mein Kind begleiten müsste, es dadurch führen müsste, als erwachsene und starke Elternperson. Habe das aber nicht gelernt. Und nun suche ich mir jemanden, der mir hilft das zu lernen. Bisher habe ich niemanden gefunden. Also mein Mann und ich suchen gemeinsam. Er kann es auch nicht gut mit den Grenzen setzen…). Naja und wenn dann der Morgen 2! Stunden dauert, ehe wir aus dem Haus sind und ob wir loskommen oder nicht, irgendwie immer von der Laune des Kindes abhängt, dann schlaucht das so ungemein. Da bleiben wenig Kapazitäten für eine Beziehung, für überhaupt irgendwas.
Und nein, ich brauche jetzt kein „du hast ja gar nichts im Griff“, „du musst einfach mal durchgreifen“, oder „kein Wunder, dass dein Kind so und so ist, du bist ja ebenfalls nicht in deiner Mitte“. Ich weiß all das in der Theorie und ich habe auch all das verstanden und es macht für mich Sinn und dennoch: ich kann nicht alles sofort ändern. Ich bin dran und versuche liebevoll zu mir zu sein, anzuerkennen, was ich bereits geschafft habe, auch was wir gemeinsam bereits geschafft haben. Dass wir auch gemeinsam wachsen und vor allem, dass wir die Dinge auch gut machen.
Ich liebe meine Kinder und ich sehe sie auch! Ich sehe nicht, dass sie an irgendetwas schuld sind, auf gar keinen Fall. Sie leben in unserer Familie und wir sind ein System und wenn die Eltern mit sich selber im Einzelnen und auch als Paar mit sich halbwegs im Reinen sind, Entspannung und ein Stück weit Gelassenheit leben und keine großen Sorgen haben (Geldsorgen, zwischenmenschliche Sorgen, permanent Zweifel) dann überträgt sich das natürlich auf alle im System.
Aber ja, das braucht Zeit. Da bringt es auch nichts, wenn ich am Gras ziehe, es wächst nicht schneller. Ich übe mich in Geduld und bin dran. Immer so viel, wie es geht.