Zitat von Isely:Stepp by Stepp
Genauso sehe ich das auch. Es geht nur ein Schritt nach dem Anderen und es gibt keine Abkürzungen.
Destruktive Gedanken kenne ich auch zur Genüge. Ich hatte sie gegenüber dem AM, über den ich keinerlei Kontrolle mehr hatte. Wir waren ja getrennt, hatten aber noch Kontakt, aber wir haben uns nie mehr privat gesprochen.
Ich war nach der Heulphase so wütend, dass ich mir "schöne Dinge" vorstellte. Ich würde die Bremsen seines Autos manipulieren, er würde nichts ahnend los fahren und dann....! Noch besser sollte er verunglücken auf der Fahrt zu seiner Neuen und dann im Rollstuhl sitzen! Und noch besser, er sollte sterben. Ich würde natürlich nicht zur Beerdigung gehen, sondern später an seinem Grab stehen und sagen, siehst Du wohl, ich lebe noch, Du A....
Ich war so böse, dass ich mich heute dafür schäme. Natürlich ist er nicht verunglückt und auch nicht gestorben.
Ich habe mir dann oft darüber Gedanken gemacht, woher diese immense Wut kam. Immer wieder kam sie und da verstehe ich jetzt auch Deine wiederkehrenden Verhaltensmuster, Dich in destruktive Gedanken zu begeben. Was auch komisch war, ich fühlte Wut auf ihn, aber dann fühlte ich auch regelmäßig Wut auf meine Mutter. Das gab mir unheimlich zu denken. Meine Mutter ist bereits 1992 gestorben, aber tief in mir drin ist da offenbar etwas immer noch nicht aufgearbeitet. Manchmal dachte ich mir, dass meine Wut auf den AM womöglich gar nicht ihm gegolten hat ... Jedenfalls nur zum Teil.
Aufgrund dieses Karussells fand ich ja dann zufällig über einen Freund den Therapeuten, mit dem ich sprach. Ich erzählte viel, natürlich auch von der Affäre, aber nicht nur. Ich erzählte, dass ich wiederkehrende Beziehungsmuster erkenne, wenn ich zurück schaue, die natürlich immer negativ waren.
Er sagte dann eben, dass wir so lange Dinge, die im Unterbewusstsein abgelegt, aber nicht verarbeitet sind, wiederholen, bis wir uns diesen endlich stellen, sie zulassen und auf die bewusste Ebene holen.
Im Grund genommen sprachen wir dann gar nicht viel über den AM und ich merkte, dass er eigentlich gar nicht wichtig war. Er war eine Möglichkeit für mich, meine unreifen Beziehungsmuster an ihm auszuleben und dabei gründlich zu leiden.
Er war nicht so wichtig, er war im Grund genommen ein Werkzeug meines Unterbewusstseins, das mich immer wieder darauf hinwies, dass ich Dinge mit mir rumschleppe, die ich nicht sehe oder nicht sehen will.
Er erklärte mir das damals so:
Die Seele leidet, denn da gibt es vlt. uralte Verletzungen der Zurückweisung, der Ablehnung, des Abkanzelns durch einen oder mehrere Elternteile. Da ist es besonders spürbar, da das ja unsere engsten Bezugspersonen sind. Kind wird traurig, weinerlich oder auch rebellisch. Das ist eine Typfrage. Da es damit nicht umgehen kann, stellt es sich selbst in Frage. Wäre ich anders, dann würden mich meine Eltern richtig und konstant lieben. Aber ich bin ja nicht gut genug, es liegt an mir.
Damit kann man auf Dauer nicht leben. Der Mensch greift zu einem Trick. Er verdrängt das und schiebt es weg und dann liegt es im Unterbewusstsein und schlummert vor sich hin. Aber es ist da und es arbeitet.
Und es kommt von Zeit zu Zeit auf die Oberfläche und äußert sich dann z.B. in wiederkehrenden Beziehungsmustern, denn was wir in der Kindheit gelebt haben, leben wir später auf der Beziehungsebene aus.
Wenn man das bei sich sieht, dann ist es wichtig, sich damit auseinander zu setzen. Nicht es bloß wieder zu verdrängen und zu warten, dass es nicht mehr weh tut, sondern sich zu fragen, warum eigentlich komme ich immer wieder in Beziehungen, in denen ich unheimlich stark liebe (zumindest hielt ich es dafür, aber sicher bin ich mir nicht) und dann doch zurück gewiesen und ins Abseits gestellt werde?
Mir ist das heute schon klar. Ich suchte unbewusst einen Partner, mit dem ich all diese schlimmen Dinge nachleben konnte, bzw. musste. Anfangs war das nicht spürbar, denn da war der Himmel voller Geigen, aber mit zunehmender Dauer der Affäre lebten der AM und ich unsere gesammelten Defizite aneinander aus.
Die Zurückweisung, die ich manchmal als Kind fühlte, lebte ich in Beziehungen nach. Das ist wirklich schrecklich und daran sieht man auch, wie fremdgesteuert man eigentlich lebt. Nicht umsonst hatte mich mein Unterbewusstsein zielgerichtet zum AM geführt.
Nur, wer sich erinnern kann und auch bereit ist, sich diesen Verletzungen zu stellen und sie auch zuzulassen, hat letztendlich eine Chance sich davon zu lösen und in ein besseres Leben zu finden. Mein AM hat es da schlechter, denn er hatte so gut wie keine Erinnerungen an seine Kindheit. Aus Bruchstücken über die verkorkste Beziehung zu seinem Vater konnte ich manches nachvollziehen, was er mit sich rumschleppt und auch blind nachlebt. Wie er heute da steht, weiß ich nicht. Spielt auch keine Rolle mehr für mich, denn es ist sein Leben, das ich damals richten wollte. Wie naiv ich doch war! Begonie, die große Heilerin bringt ihren armen gebeutelten AM schon in die richtige Spur. AM gesund, Mission erfüllt, Begonie glücklich mit AM!
Diese alten Verletzungen tun wirklich weh. Das kleine Kind kam wieder zum Vorschein, das weinte und traurig war. Und genau darum geht es ja. Wir haben alle ein kleines Kind in uns, das nach Liebe strebt. Wie das später ausgelebt wird, ist Typsache.
Ich wurde eher schüchtern und ein wenig verzagt und manchmal auch mutlos, andere Kinder werden rebellisch und tyrannisch.
Und dieses kleine Kind in sich anzunehmen, wo wir doch immer stark sein wollen, ist gar nicht so einfach. Aber es ist wichtig, dass es wahrgenommen wird und dass man sich darum kümmert. Wenn man das zulässt, ist der Weg zu einer Besserung frei und man selbst kann auch freier werden, weil man nicht mehr so stark und ohnmächtig von den Monstern gelenkt wird. Ich rede oft in Gedanken mit den Monstern, die jetzt sogar streichle, weil sie ein Teil von mir sind und ich rede mit dem kleinen Mädchen in mir, das verzweifelt nach Muttis und Vatis Liebe suchte.
Seither fühle ich mich besser mit mir, irgendwie angekommener und das wirkt sich auch positiv auf meine Ehe aus.
Keine Frage, dass ich eine gute Schülerin war! Das war damals meine Rettung, die Schule. Endlich weg aus dem permanenten häuslichen Dunstkreis. Ich liebte die Schule, denn sie war wie eine Befreiung aber auch meine Spielwiese, mich zu bestätigen und obendrein ein hervorragendes Mittel, Anerkennung und Wohlwollen daheim zu ernten. Für meine Sucht nach Liebe lernte ich.
Es gibt Affären in denen es nur um S... geht. Bei mir war es nicht so.
Forsche ruhig weiter, liebe P-Muse. Es wird nicht umsonst sein, auch wenn es Dich oft quält. Step by step, dann geht es weiter.
Eines möchte ich noch sagen: Betrug am Ehepartner tut weh, weil ein Partner jegliche Kontrolle über den anderen Part verloren hat. Die Traurigkeit und Mutlosigkeit haben - so denke ich - viel damit zu tun, dass man die Kontrolle verloren hat. Kontrollverlust führt zu Machtverlust. Machtverlust frustriert . Man ist enttäuscht, weil man sich im Partner und seiner Verlässlichkeit getäuscht hat. Das ist völlig normal.
Aber es ist sehr wichtig, irgendwann da raus zu finden, denn man läuft Gefahr, in eine Opferrolle zu rutschen. Man fühlt sich ja auch als Opfer, aber das darf sich nicht manifestieren.
Ein Opfer hat es nämlich auch leicht. Es ist ja Opfer, es kann nichts dafür, dass es übel hintergangen wurde. Und es braucht auch nichts zu tun. Denn ein Opfer leidet. Und damit ist der Fall erledigt. Opferrolle bedeutete Handlungsunfähigkeit und mangelnde Selbstgestaltungsmöglichkeit. Denn ein leidendes Opfer lebt sozusagen aus sich. Das Leiden wird zum Lebensinhalt. Es gibt viele Menschen, die so leben und glauben, alles Übel kommt aus der bösen Umwelt.
Da ist der EM, der nicht ist, wie man ihn haben will, denn er hat so zu sein, wie ich es mir vorstelle. Das an sich ist ja schon eine Frechheit, sich das anzumaßen. Da ist die blöde Verwandschaft, mit dem man im Clinch liegt und da sind die bösartigen Kollegen, die einem nur Schlechtes wollen.
Daraus muss man sich befreien. Das geht aber nur, wenn man die Opferrolle ablegt und sich sagt, dass man, auch wenn man leidet, eigenverantwortlich leben kann. Ein Opfer gestaltet nicht, denn es leidet und bleibt passiv.
Ein Mensch, der sich von der Opferrolle verabschiedet, weiß, dass er für sich etwas bewegen kann. Und damit geht es jedem sofort besser, denn es bedeutet, dass jeder auch die Kontrolle über sein Leben übernehmen kann.
Ich allein bin dafür verantwortích, wie ich lebe, wie ich mich fühle und wie ich meiner Umwelt gegenüber trete. Ob es jetzt der EM oder die Verkäuferin in der Bäckerei oder der Chef st, ich habe es in der Hand. Wenn man das begriffen hat, erreicht man auch wieder mehr Macht. Das meine ich nicht im negativen Sinn, also in negativer und destruktiver Macht. Macht bedeutet auch, dass ich gestaltend eingreifen kann.
Vielleicht halten sich manche hier noch zu stark in der Opferrolle auf. Verlasst diese Position. Das ist dann auch der Perspektivwechsel, den Simply gefordert hat. Ihr könnt mehr für Euch tun, als Ihr gaubt.
Begonie