Zitat von Max32: Meine Partnerin würde am liebsten 24/7 aufeinanderhocken.
Mir gefällt diese Abwertung darin nicht. Liest man oft hier, dass die Nähe-Menschen von den Distanz-Menschen etwas abschätzig kommentiert werden. "Aufeinander hocken" , "aneinander kleben" und so. Umgekehrt passiert das nicht.
Ich sag nicht über Leute, die viel Freiraum brauchen, dass denen der Partner ja wohl egal ist oder sie doch besser Single bleiben sollen.
Wozu diese Abwertung?
Und: es hat NIEMAND etwas gegen "jeder hat seinen Freiraum" gesagt. Im Gegenteil, dem hat hier fast jeder zugestimmt. Nur gibt es eben Menschen, wie deine Freundin, die den Partner trozdem gern jeden Tag sehen möchten. Ich bin mir sicher, sie würde es auch verkraften, wenn du mal "paar Tage alleine in die Berge fahren" würdest. Und es dir auch nicht verbieten. Aber gut finden muss sie es deswegen noch lange nicht. Und das bedeutet auch nicht, dass sie dir deine Zeit nicht gönnt.
Jeder hat individuelle Bedürfnisse, und jeder hat seine ganz eigene Vorstellung von Nähe und Distanz. Da gibt es kein richtig oder falsch, sondern nur ein passt gut zusammen oder passt eher nicht. Und wenn es nicht von allein gut passt, ist das eine Herausforderung, und zwar für BEIDE. In dem Moment, in dem du verlangst, dass deine Freundin es bitte aushalten soll, dass du alleine weg fährst, musst du es im Gegenzug aushalten, dass sie dich dann vermisst und dir das auch sagt. Keiner von euch hat recht und keiner Unrecht, sondern ihr habt unterschiedliche Bedürfnisse. Und die unter einen Hut zu bekommen, ist euer GEMEINSAMER Job.
Bei mir und meinem Partner ist es ein bisschen ähnlich. Ich bin tendenziell etwas ängstlich gebunden und er tendenziell etwas vermeidend. Beide auch mit großem sicheren Anteil, zum Glück. Aber Vermeider (du) und Ängstliche (deine Freundin) finden oft zueinander und können viel voneinander lernen. Wenn man sich dessen bewusst ist. Deine Freundin kann lernen, dass ein Tag Abwesenheit aushaltbar ist und sogar schön sein kann (so wie ich es mit meinem Partner gelernt habe), und du kannst lernen, dass intensive Nähe nicht bedrohlich ist und sogar schön sein kann (so wie mein Partner bei mir). Das geht aber eben nur, wenn man das Bedürfnis des Partners genauso wichtig nimmt wie das eigene. Und das wiederum ist eine Grundvoraussetzung in jeder Paarbeziehung.
Ihr sitzt im selben Boot. Wenn das Boot ein Loch hat, kannst du nicht sagen "Dieses Loch musst du alleine stopfen, denn es ist auf deiner Seite des Bootes". Dann säufst du nämlich mit ab.