whynot60
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Und solche Vermodernisierungen funktionieren ja auch ganz einfach: Man lenke den Fokus auf irgend etwas, in dem Fall auf bestimmte "Symptome" (wie schwarzen Kaffee trinken oder saure Gurken essen oder sonst etwas, das früher noch zu den Unauffälligkeiten gerechnet worden ist), und schon rollt die Welle. Besonders das vereinfachte Gemüt wird hier hilflos mitgespült und schlägt bald erleuchtet in dieselbe Kerbe.
Lange wird es nicht mehr dauern, bis mehr oder weniger alle "Opfer" von irgend etwas sind. So "in" Narzissmus, Borderline, Soziopathien usw. sind, so "out" sind Verstand und Eigenverantwortlichkeit.
Und zu heulen und zu schimpfen ist halt einfacher und schmerzloser als sich selber ein paarmal kräftig mit dem Gummihammer auf das eigene Köpfchen zu schlagen.
Ich sehe das Problem allerdings weniger in diesen inflationären (und geschäftsträchtigen) Psychopathologisierungen, sondern vielmehr in der nicht weniger inflationär sich ausbreitenden Überempfindlichkeit gegen alles nur Mögliche.
Heutzutage rasten ja nicht wenige schon bei Dingen aus, bei denen sich früher nicht einmal ein Ohrwaschl gerührt hat.
Offenbar erleben wir die Generation der Prinzessinnen und Prinzen. Und solchen ist natürlich so gut wie nichts zumutbar, bald wohl nicht einmal das Leben selbst. Und das wiederum muss quasi reziprok auch stichhaltig begründet werden. Wozu es in dem Fall die Psychopathen braucht, die zu früheren Zeiten schlimmstenfalls Deppen,Trampeln oder Ar. waren.
Zudem kommt man eben auch viel einfacher über eine Trennung hinweg, wenn der/die dann Ex sich als pathologischer, beziehungsuntauglicher und überhaupt unmöglicher Fall erweist. Blöd halt nur, dass man sich vermutlich irgendwann einmal ausgerechnet in solch ein desaströses Monstrum verliebt hat.
Das gäbe mir schwer zu denken.