Zitat von Frida3lisa: Mir geht es darum, dass die Erkrankungen nicht Synonym für A. werden, sondern dass Menschen, die eben keinen diagnostizierten Partner vor sich haben, lieber die Gründe für das Scheitern beleuchten, anstatt in Eigenregie eine Störung attestieren.
Da stimme ich grundsätzlich voll zu. Vor Allem, wenn es um Krankheitsbilder wie AD(H)S etc. geht, auch Autismus muss keineswegs "negativ" sein.
Aber Narzissten (offiziell diagnostiziert oder auch Menschen mit stark ausgeprägten narzisstischen Zügen) kann ich persönlich aufgrund meiner eigenen Erfahrungen (Kindheit) nur wenig abgewinnen, auch wenn diese mitunter super charmant und nett sein können.
Eigendiagnosen sind verfehlt, das stimmt!
Allerdings kenne ich privat eine Psychologin mit Jahrzehnten Berufserfahrung, die zudem seit zig Jahren in der Klinik/Akutpsychiatrie arbeitet. (Gute Freundin von mir) Sie sagt, dass man sämtlichen psychischen Erkrankungen im Alltag in unterschiedlichsten Ausprägungen bei allen möglichen Menschen begegnet, und dass viele Menschen Züge von diesem oder jenem hier oder dort haben. Was aber keineswegs automatisch heißt, dass sie "diagnosebedürftig krank" wären!
Als Expertin kann sie das ganz anders beurteilen, und da sie die letzte ist, die Menschen pauschal in Schubladen steckt, glaube ich ihr das so.
Nur weil ich bei einem Menschen narzisstische Züge wahrnehme und es mir nicht gut damit geht, bedeutet das doch noch lange nicht, dass ich ihm a) damit eine "Diagnose" stelle noch b) dass derjenige deswegen schwerkrank wäre.
Es hat aber jeder das Recht, Dinge für sich einzuordnen und zu bewerten wie es ihm damit geht - klar, wenn jemand über das Ziel hinausschießt und tatsächlich Diagnosen "verteilt" und einfach behauptet "das ist ein Narzisst! Das ist ein Borderliner usw." ohne dass es dafür konkrete Anhaltspunkte gibt... das geht nicht.
Aber wenn man nun wirklich mies behandelt wurde und sagt "das Vethalten xy hatte schon narzisszische Züge/erinnert schon an narzisstisches Verhalten" das finde ich nun nicht verwerflich oder katastrophal. Der Mensch versucht eben für sich, Dinge einzuordnen. Fast jeder tut das irgendwie, selbst diejenigen, die behaupten, sie würden es nicht tun.
Solange man niemanden "abstempelt" und sagt "das IST so" sondern sagt "auf mich wirkt es so als ob"... kann man doch darüber reden.
Und zum Thema Zunahme von Narzissmus etc... finde ich als Pädagogin nicht so verwunderlich, wenn man sich die Erziehung der letzten 30-50 Jahre ansieht. Wird sind eben alle kleine Prinzen und Prinzessinnen, die von den Eltern selten Nein gehört haben, alles durften und denen geraten wurde, ihr Ego stets in den Mittelpunkt zu stellen.
Ich schreibe jetzt ganz bewusst "wir" obwohl ich selbst absolut nicht dazu erzogen wurde, und viele andere sicher gleich aufschreien werden "also bei UNS war das ganz anders...!"
Aber leider gibt es zu dem Thema sogar wissenschaftliche Studien und Berichte, die Kinder (und großen Kinder = jungen Erwachsenen) sind verzogener denn je.
Es fällt vielen Eltern extrem schwer einen Grat zwischen autoritärer Erziehung mit Gewalt und "Laissez-faire" zu finden.
Und natürlich gehen für viele Eltern die kleinen Prinzchen und Prinzessinnen über alles.
Ich mag mich nun nicht näher zum Verhalten der Kinder in der ersten Klasse meiner Tochter auslassen. (Sie selbst ist glücklich, das ist die Hauptsache) Aber ich bekomme da schon einiges mit, wo ich nicht als Mutter sondern Pädagogin echt nur den Kopf schütteln kann und mich frage wie viele dieser kleinen "Gottheiten" später andere Götter neben sich dulden werden.
Ich finde das ganze Thema als solches sehr komplex und ich denke es betrifft mehr als nur schnelle Urteile in einem Internetforum, es betrifft die ganze Gesellschaft und die gesellschaftliche Entwicklung.