@angel09
wir sind eigentlich nicht weit auseinander. wobei natürlich gilt, dass das Konstrukt gewählt werden sollte, das einem hilft, denn letztlich gibt es kein richtig oder falsch, sondenr nur hilfreich oder nicht.
Ein Pfarrer sagte mir mal, verzeihen würde bedeuten, man würde wie ein Kaufmann eine Rechnung zerreisen, d.h. der andere schuldet einem nichts mehr. Es bedeutet nicht, dass man vergisst oder das Handeln des anderen billigt. es ist einfach nur so, dass der andere einem nichts mehr "schuldet". Das ist natürlich einfacher, wenn man der anderen person nicht mehr über den weg läuft. schwieriger wird es, wenn es sich um den Partner handelt, mit dem man zusammen sein will. Da reicht ein "du schuldest mir nichts mehr in diesem Thema" nur bedingt, denn der Schaden ist nachhaltig.
Klar, wir können verstehen, wie es dazu kam. Es ist aber auch so, z.B. Deine Darstellung die auch meine sein könnte, dass es zwar kognitiv nachvollziehbar ist, aber nicht emotional. die psyche ist doch mitunter sehr absurd. Da können wir nur "glauben". Denn ja, unsere Mänenr wollten uns nicht verlieren, eigentlich nie raus aus der Beziehung und doch wurden wir angelogen und eine andere Person war da. Es ist absurd und tut weh. Und doch sind wir halt Menschen und manches müssen wir wohl unter "Spielart der Natur" speichern.
Aber gerade deshalb ist es wichtig, wie sehen unsere Männer es heute. Wie beurteilen sie ihr eigenes Verhalten, ihre Entscheidungen. Ich weiß nicht, wie es deinem Mann geht, aber meinem Mann fällt es nicht leicht zu akzeptieren, was er getan hat. damals war es für ihn okay und er kann es heute auch noch nachvollziehen. heute weiß er aber, dass er mir damit nicht nur irgendwie etwas weh getan hat, sondenr richtig heftig. Wie soll er das vor sich vertreten? der Frau, die er so sehr liebt, hat er so dermaßen weh getan. Und egal was ich in der Vergangenheit falsch gemacht habe, ich habe diesen Schmerzen nicht verdient. Damit muss er leben und es sich verzeihen.
Auch hat er gespürt, wie knapp er alles verloren hat. Und vor allem, was er fast verloren hätte. Er hat es sehr intensiv gespürt und das eigene Entsetzen darüber wirkt nach. Er ist ein Risiko eingegangen, dessen dimension er nicht erfasst hatte. Das fällt nicht unbedingt unter "uups, ist ja noch mal gut gegangen" sondern hinterlässt Spuren, so wie auch bei uns.
Und wie ist das mit dem Lügen? Gewiss, ich habe ihm eine Brücke gebaut, um sein Lügen zu refraimen. Aber er ist an sich ehrlich. Wie passt das zu seinem Selbstbild? Das muss er mit sich ausmachen. Ich glaube nicht, dass es einfach ist.
Du sprichst vom Verlust des Respekts. Unsere Mänenr wissen, dass sie an Respekt verloren haben. Was glaubst Du, wie sich das für die anfühlt? Auch da, sie sind selber dran schuld. Sie haben diesen Weg gewählt und mein mann wußte sehr gut, wie ich darüber denke. Ja, er hat dieses Manko und egal was er in Zukunft tun wird, an dieser Stelle hat er jämmerlich versagt. ich schmiere es ihm nicht aufs Brot, er weiß es auch so. Auch mein Mann hat eine tolle Leistung in den letzten Monaten vollbracht, ich weiß nicht, ob ich es so gekonnt hätte. Aber manches bleibt halt.
Und dann sieht mein Mann, wie wir heute miteinander umgehen, wie gut wir miteinander reden können, unsere Nähe, etc. Ja, klar, dazu bedurfte es vielleicht dieser Krise, vielleicht aber auch nicht. Vielleicht hätte eine vorrübergehende ehrliche Trennung gereicht oder eine ordentliche Therapie. irgendwas, was nicht diesen bitteren Beigeschmack hat.
Mein Mann weiß erst heute, wie sehr ich ihn liebe. Um das zu merken, musste er mir so weh tun. Das ist nicht fair, denn es lag an ihm, dass er es nicht wahrnehmen konnte.
Und so weiter und so fort. Nun stell Dir vor, Dein Mann refelktiert sein Verhalten in dieser oder ähnlicher Art und Weise. Da hat er ein großes Paket zu tragen und zu verarbeiten. Du kannst ihm da auch nicht viel abnehmen. Solltest Du auch nicht, denn dann nimmst du ihm diese wichtige Lernchance. Und irgendwann kann er sich selber vielleicht verzeihen. Das wäre wichtiger für ihn, als jede Absolution von Dritten.
Ich kürze es halt ab, wenn ich sage, man muss sich selber verzeihen können. es ist ein Prozess, und elementar ist die Erkenntnis, was man selber falsch gemacht hat, die Reflektion des eigenen Verhaltens. Man kann sich ja nur selber verzeihen, wenn man überhaupt erkannt hat, dass es da was zum verzeihen gibt. Und so wird ein Schuh raus. Wenn Dein Mann Dir zeigt, was er erkannt hat, was es mit ihm macht und dass es für ihn nicht einfach ist, dann wirst Du nicht mehr das Gefühl haben, ihm verzeihen zu müssen. Die Rechnung löst sich in der Luft auf. Im Gegenteil, es ist wudnerbar diesen weg gemeinsam zu gehen.
Erkennen wir dann noch die Absurditäten in unserem eigenen Verhalten, unsere eigenen Begrenzungen, dann wächst unser Verständnis für die anderen.
Der erlebte Schmerz ist so unglaublich groß, aber er nimmt ab, wie die Flut, wie eine überdimensionale Welle. Und danach sehen wir, was übrig bleibt. Und das kann schön sein. Und wie heißt es in der Psychologie "die energie geht dorthin, wohin wir unsere Aufmerksamkeit lenken".