Ich_hab_Ruecken
Gast
danke für Deine Fragen. Nur darum geht es mir, nämlich eventuelle Fragen zu beantworten. Vor Gericht wird der Täter ja auch gehört. Vielleicht dann auch Fremdgeher.
Ich fühle mich gar nicht dargestellt. Niemand ist einfach so oder so. Wir haben alle schon genug Probleme, uns selbst stets exakt und authentisch darzustellen, habe ich mal gelernt. Es wird immer nur eine Version von uns sichtbar und damit auch nur vom Gegenüber. Hinzu kommt, dass seitdem viele Jahre vergangen sind, wir sind und bleiben zusammen und natürlich haben wir uns verändert.
Ich fühle mich nicht hintergangen. Das wäre das falsche Wort und steht mir ja auch als Fremdgeher gar nicht zu. Ich muss andere Vokabeln finden, um meine Eindrücke zu schildern. Ich finde es nachvollziehbar, dass man sich in der Not Hilfe sucht, gerne auch über das Internet. Solange das anonym bleibt, finde ich das unkritisch. Wenn aber derjenige, um den es u.a. auch geht, sichtbar gemacht wird, finde ich das nicht ok. Nur meine persönliche Meinung. In meiner Affäre steckt das natürlich auch drin, denn ich bin der Frau ja nicht unter falschem Namen begegnet.
Anmerkung: Eine Beziehung besteht nicht nur aus Sex und Betrug kann auf vielen Ebenen stattfinden, die gar nichts mit Sex zutun haben. Das eine entschuldigt nicht das andere. Mit dem Betrug - in welcher Form auch immer - muss schlussendlich dann jeder selbst zurechtkommen. Ich habe mir das aufgeladen und weit länger als meine Frau daran zu arbeiten gehabt. Verdient. Heute bin ich anders.
Meine Frau hat keine Fakten falsch dargestellt. Sie hat alles aus ihrer Sicht geschildert, das ist stets subjektiv und auch gut so. Eine Affäre ist eine Tatsache, aber kein isolierter Fakt, sondern das Ergebnis einer ungünstigen Wechselwirkung in einer Beziehung. Man kommt ja nicht zusammen um sich zu betrügen. Und es ist vor allem keine Lösung und löst nur Leid aus.
Ja, ich bin sehr zufrieden mit dem, was wir erreicht haben. Ich hätte auch eine Trennung verstehen können. Ich habe es meiner Frau vor nunmehr fast 6 Jahren ja von alleine und ohne äußeren Druck gestanden. Damit habe ich damals die Entscheidung und Bewertung zunächst in ihre Hand gelegt. Erst viel später bekam ich wieder genug Luft, um mich selbst mit den Geschehnissen kritisch auseinanderzusetzen, was sie auch von mir forderte. Und das war auch nötig.
Die Beziehung zu dem anderen Mann war über lange Zeit sehr intensiv und tiefgründig, eine Verbalaffäre. Meine Affäre war kurz und rein körperlich. Mir ist nicht klar, wie das eine das andere ausgleichen soll, wie Du schreibst.
Die Asymmetrie wird doch bleiben: Ich bin damals fremdgegangen, aber habe mit der Frau überhaupt nicht über meine Beweggründe oder gar Probleme in meiner Ehe gesprochen, meine Frau ist nicht fremdgegangen, hat mich aber vor Dritten bis auf die Unterhose ausgezogen. Du merkst vielleicht, wie wenig man das vergleichen kann und das eine Fehlverhalten ist keine Rechtfertigung für das andere. Schließlich scheinen sich nicht wenige in solchen Foren zu Moralaposteln zu erheben und lassen ihre eigenen Abgründe sehr gerne dabei weg. Das werde ich nicht tun. Als ge-outeter Fremdgeher bin ich selbst ja schon der Abgrund und vollkommen entwaffnet.
Ich stelle mich und das ist auch gut so, denn soweit ich das hier verfolgt habe, ist das ein Novum - allerdings vielleicht zu viel für den einen oder anderen, wenn man doch lieber "in Ruhe" über die Missetaten "des anderen" sprechen möchte und mehr Zustimmung als kritische Anmerkungen sucht. Das beziehe ich nicht auf meine Frau, sondern ist nur eine allgemeine Anmerkung und eine unbelegte Vermutung.
Ich freue mich auf den weiteren Austausch.