Gast37
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Ja, ich würde es wissen wollen. Und ich finde, es steht jedem zu, es zu erfahren. Zeitnah und ehrlich.
Meine Frau hat mich vor vielen Jahren betrogen. Herausgefunden habe ich es im vorletzten Jahr. Zwischen diesen beiden Zeitpunkten haben wir geheiratet, ein Haus gebaut, zwei Kinder gezeugt (Reihenfolgen ist nicht gleich Rangfolge!). Das schlimme an der Entdeckung ist eigentlich nicht die Tatsache, dass sie mit einem anderen Mann geschlafen hat. Das schlimme ist, dass ich das Gefühl habe, die letzten Jahre in einer Art Scheinwelt verbracht zu haben. In einer Realität, die jemand anderes für mich geschaffen hat. Ich fühle mich um objektive Entscheidungen betrogen, denn mit der Heirat, dem Haus, den Kindern und vielem anderen mehr habe ich Lebensentscheidungen getroffen, die ganz stark an meine Frau und im vollsten Vertrauen an die Aufrichtigkeit meiner Frau gebunden waren.
Hätte ich vorher von ihrem Betrug gewußt, hätte ich manche Entscheidungen in meinem Leben vielleicht anders getroffen. Einen Ehevertrag aufgesetzt zum Beispiel. Oder weiter zur Miete gewohnt statt ein Haus zu bauen. Vielleicht hätte ich aber auch alle Entscheiungen genau so gertoffen, wie ich sie getroffen habe. Keine Ahnung. Aber ich hätte sich im vollen Bewußtsein ob des Risikos treffen können.
Durch die ganzen getroffenen Entscheidungen war ich aber auch nach der Entdeckung an diese gebunden, was mir tatsächlich bis heute nach hängt, denn manchmal weiß ich selbst nicht so genau, wieso ich meiner Frau und mir eine zweite Chance gegeben habe. Weil ich sie liebe? Oder weil ich Angst hatte, alles zu verlieren, was wir gemeinsam über die letzten Jahre aufgebaut hatten? Manchmal kann ich diese Frage nicht mal vor mir selbst beantworten.
Darum: ja, ich hätte es gerne gewußt. Damals. Nicht erst heute.