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hier mal noch eine interessante Zusammenfassung zum Thema Glück von Eric_Flausen auf single.de, mit dem ich auch persönlich in Kontakt stehe. Ein Kommentar des Verfassers soll hier gleich am Anfang stehen:
"In einigen Kommentaren zu den vorherigen Artikeln wurde deutlich, wie groß die Ablehnung bei manchen ist, dass Glück erlernbar sein soll. Wieso stellt man sich nicht die Frage, ob an der Theorie etwas daran sein könnte? Ist die Angst vor neuen Erkenntnissen so groß? Weil man auf einmal selbst dafür verantwortlich ist und sogar noch etwas dafür tun müsste? Die Angst vor dem Risiko ist größer, als die Hoffnung auf mehr Glück"
(Eric_Flausen)
Ist das GLÜCK ERLERNBAR ? Kapitel 1
Was tun wir für unser Glück?
So wichtig es für uns ist, so wenig tun wir wirklich dafür – für unser Glück. Die Wissenschaft weiß heute schon eine ganze Menge, wie Glück, Liebe entsteht. Dieses Wissen zeigt, dass wir tatsächlich eine Menge für unser Glück tun können.
Zuerst sollten wir aber etwas mehr verstehen, wie wir alle funktionieren. Erst dann kann der Nutzen, die Praxis kommen. Was ich hier versuche wiederzugeben, sind wissenschaftliche Ergebnisse. Ich habe dieses Wissen NICHT aus philosophischen Büchern, sondern aus einem Buch, dass sich im wesentlichen auf die Wiedergabe wissenschaftlicher Ergebnisse beschränkt (Die Glücksformel oder wie die guten Gefühle entstehen, Stefan Klein).
Ich bin gespannt, ob sich jemand mit mir unvoreingenommen auf diese Reise begeben mag. Dies hier ist das erste Kapitel. Sobald ich Zeit habe, folgen weitere. Ich schreibe das, weil ich mich gerade in einer extrem schwierigen Lebenssituation befinde und es hilft, sich alte Gedanken wieder ins Gedächtnis zu rufen. Ich schreibe es deshalb in erster Linie für mich selbst, weil es Spaß macht.
Also dann geht es los:
Kapitel 1: Das Geheimnis des Lächelns
Einführung
Die Depression droht zur Pest des 21. Jahrhunderts zu werden. Wir brauchen daher eine Kultur des Glücks. Aber nur wer das Glück kennt, kann es finden und seine eigene Glücksformel basteln. Teile des Gehirns, die Wohlbefinden erzeugen, können wie ein Muskel trainiert werden. Das Gehirn verändert seine Struktur durch Gedanken und den Umgang mit den eigenen Gefühlen. D.h. wir können mit den richtigen Übungen unsere Glücksfähigkeit steigern.
Bisher untersuchten Hirnforscher das Unglück: Wie entsteht Wut, Angst und Niedergeschlagenheit. Eine ganze Industrie profitiert davon mit Pillen gegen schlechte Stimmungen. Doch wie entstehen gute Gefühle, wie entsteht Glück? Dazu gibt es zwei neue Erkenntnisse der Hirnforschung: Wir haben ein Glückssystem mit Schaltungen für Freude, Lust und Euphorie. Und Gedanken und Emotionen verändern auch das Gehirn des erwachsenen Menschen.
Echtes Lächeln
Ein Forscher klassifizierte 19 verschiedene Weisen des Lächelns. Aber Achtung: 18 davon sind nicht echt. Nützlich sind sie trotzdem, um höflich zu sein, um gutes menschliches Miteinander zu ermöglichen. Aber nur eine Weise des Lächelns ist echt, wenn wir auch die Augen etwas zusammenkneifen, Lachfalten in den Augenwinkeln erscheinen und sich die oberen Hälften der Wangen heben. Aber gerade dieses eine echte Lächeln, diese Muskeln sind mit Willenskraft kaum zu steuern. Nur knapp zehn Prozent der Menschen beherrschen Ihre Gesichtsmuskeln so gut, dass Sie mit Willenskraft echt Lächeln können. Gerade für Schauspieler ein echtes Problem.
Glück entspringt dem Körper
Wie entsteht nun Glück? Man hat Dir ein Kompliment gemacht oder Du genießt gerade ein gutes Essen: Die guten Gefühle zeigen sich nicht nur im Gesicht. Ganz gleich, was Dich freut, der Körper reagiert darauf. Wenn man Glück empfindet, haben die meisten Menschen ca. 4 Herzschläge pro Minute mehr und das Gleichgewicht der Hormone verschiebt sich. Alles nimmt seinen Ausgang ebenso im Körper wie im Gehirn. Glück entsteht also NUR DANN, wenn das Gehirn die richtigen Signale von Herz, Haut und Muskeln empfängt und deutet. OHNE unseren Körper wären wir zum Glücklichsein außerstande. Diesen Gedanken mögen wir zunächst als Blödsinn abtun. Es scheint so zu sein, dass die Vorstellungswelt die entscheidende Rolle spielt. Doch das ist eine Täuschung: Gedanken, Erinnerungen, Hoffnungen ALLEIN lassen uns keine Emotionen erleben. ERST wenn sie sich mit den richtigen Körpersignalen VERBINDEN, können wir Freude empfinden. Das Glück entspringt also mindestens ebenso sehr unserem Körper, Armen und Beinen, Herz und Haut, wie unseren Vorstellungen und Gedanken. Deshalb sollten wir unseren Körper ernster nehmen, als wir es vielleicht tun.
Das Eigenleben der guten Gefühle
Das menschliche Nervensystem zerfällt in zwei Teile: Das willkürliche Nervensystem (z.B. um die Muskeln zu bewegen) und das unwillkürliche (autonome) Nervensystem (kontrolliert z.B. den Herzschlag). Für die Emotionen ist nun das unwillkürliche Nervensystem zuständig, deren Leitungen zu den inneren Organen, den Blutgefäßen, sogar bis zu den winzigen Hautmuskeln gehen, die unsere Körperhaare aufrichten. Dieser Teil des Nervensystems bewirkt, dass uns bei Angst die Haare zu Berge stehen und dass das Herz rast, wenn wir verliebt sind. Und da wir nun auf dieses unwillkürliche Nervensystem kaum Einfluß haben, können wir nicht einfach beschließen, glücklich zu sein. Dieses Nervensystem steuert all jene unbewussten Regungen des Körpers, aus deren Wahrnehmung das Gehirn DANN ERST DIE GUTEN GEFÜHLE ERZEUGEN kann. Die Emotionen sind also vom direkten Einfluß des Willens abgeschirmt. Wir können nur indirekt steuern, indem wir uns Gutes tun (z.B. angenehme Gedanken) und damit den Körper steuern, so dass dann gute Gefühle entstehen.
Wissenschaftler entdecken die Intuition
Läuft nun die Reaktion des Körpers den Gefühlen voraus wie eine Bugwelle dem Schiff? Wissenschaftler haben aufgezeigt, dass sich Freude, Widerwille, Angst und Wut tatsächlich zuerst im Körper abspielen. Bei Versuchen hat sich z.B. gezeigt, dass der Körper schon lange vorher Bescheid weiß, bevor der Verstand etwas davon mitbekommt. Bei Versuchen hat der Körper richtig gehandelt, obwohl die Versuchsperson nie mit dem Verstand den Grund dafür erfasst hat. Es gibt sie also, die Intuition, dieses seltsame Gefühl, bei dem wir vorher erahnen, bevor wir wissen. Solche Vorahnungen können wir deswegen nicht recht begründen, weil sie auf unbewussten Emotionen beruhen. Manchmal weiß der Körper mehr als der Verstand oder wie es der Philosoph Pascal ausdrückte: "Das Herz hat Gründe, die die Vernunft nicht kennt".
Bilder aus der Innenwelt
Ein Gefühl erleben wir, wenn wir Emotionen bewusst wahrnehmen. Wie wird nun aus einer Emotion ein Gefühl? In Versuchen wurde das Gehirn mit einem Tomographen untersucht, während die Versuchsperson sich an freudige oder traurige Situationen erinnerte. Beteiligt an Freude oder Trauer waren die Hirnregionen, die ein Abbild des Körpers im Hirn erzeugen. Das Großhirn hat dann diese Emotionen mit unserer bewussten Wahrnehmung, Gedanken und Phantasien verknüpft und aus den Emotionen die Gefühle erzeugt. Jedes Gefühl - und damit auch das Glück - beruht demnach darauf, dass das Gehirn Körpersignale verarbeiten kann. Selbst in Momenten größter Seligkeit entstehen unsere Gefühle der Euphorie, indem wir unseren eigenen Körper wahrnehmen.
Macht Lächeln froh?
Reicht etwas Lächeln, damit die Welt freundlicher erscheint? Wenn Gefühle auf Körperzustände zurückgehen, dann kann man doch auch durch Beeinflussung des Körpers positive Gefühle erzeugen? Leider ist dieser Weg zur Heiterkeit nicht ganz so einfach. Ein höfliches Grinsen ist ja nicht gleichbedeutend wie ein ehrliches Lächeln. Bei einem echten Lächeln sind nun aber um die Augenwinkel Muskel beteiligt, die sich bei den meisten Menschen nicht willentlich steuern lassen. Diese Augenmuskeln, werden durch das unwillkürliche Nervensystem beeinflusst. Bei Versuchen hat man Menschen gelehrt, diese Augenringmuskeln zu trainieren. Das Ergebnis: Je besser die Versuchspersonen ihre Augenmuskel zu beherrschen lernten, umso mehr berichteten sie von guter Stimmung. Die Versuchspersonen wussten nur nicht, weshalb sie sich besser fühlten, weil man ihnen den Zweck der Übung nicht verraten hatte. Sie hatten Muskeln trainiert, die an das unwillkürliche Nervensystem angeschlossen sind, damit das Körperabbild im Gehirn beeinflusst wird und haben damit ihre Stimmung verbessert.
Ist das GLÜCK ERLERNBAR ? Kapitel 2
Die guten Gefühle als Kompass
Weshalb haben wir eigentlich Gefühle? Als Mensch, der nicht mehr fühlen kann, wurde Elliot bekannt. Er war ein erfolgreicher Jurist, ein guter Ehemann und Vater, bis ein Tumor sein Stirnhirn oberhalb der Nasenhöhle zerstörte.
Das Geschwür wurde entfernt und die Ärzte fanden bei Elliot keine Anzeichen einer Störung, er hat die Operation unvermindert überstanden. Seine Intelligenz war nicht beeinträchtigt, alle Reflexe funktionierten normal, er war genauso charmant, aufmerksam und witzig wie vorher - nur immer etwas unterkühlt. Trotzdem: Er war jetzt ganz anders. Er ließ sich nie aus der Ruhe bringen.
Der Mann ohne Gefühle
In vielen psychologischen Tests fand man heraus, dass Elliot durch die Operation ein Mann ohne Gefühle geworden war. Zeigte man im Bilder mit schlimmen Szenen, wusste er, daß das schlimm sein müsse, aber er fühlte es nicht mehr. Er konnte im Beruf seine Arbeit nicht mehr organisieren. Er grübelte an seinem Schreibtisch stundenlang, nach welchem Prinzip er die Akten sortieren sollte: Elliot konnte sich nicht mehr entscheiden, er hatte den Blick für das Wesentliche verloren, er konnte Informationen nicht mehr bewerten. Seine Intelligenz allein half ihm nicht, wenn er sich z.B. zwischen zwei scheinbar gleich guten Varianten entscheiden musste. Er musste sämtliche möglichen Folgen einer Entscheidung bis ans Ende durchdenken. Das dauert viel zu lange, auch weil wir nicht alles voraussehen können. Deshalb braucht der Verstand Hilfe durch die Gefühle. Elliot verlor seinen Job, sein Geld in finanziellen Abenteuern, seine Ehe zerbrach und er konnte nur in der Obhut seiner Schwester mit einer Invalidenrente überleben. Alles nur deshalb, weil er keine Gefühle mehr hatte.
Gefühlsblindheit (Alexithyme)
Quasi über Nacht wurden Gefühle zu einem der heißesten Themen der Neurowisssenschaft. Wohl kaum ein psychologisches Phänomen erschüttert das menschliche Miteinander so, wie die Gefühlsblindheit. Jeder zehnte kennt weder Glück noch Trauer. Der Grad der Gefühlsverarmung ist sehr unterschiedlich. Da es nicht so wie bei Elliot immer eine körperliche Funktionsstörung ist, ist diese Gefühlsverarmung nach den neuesten Erkenntnissen durchaus therapierbar.
Gefühlsforscher vermuten, dass Gefühlsarme einfach nie gelernt haben, ihre Körpersignale als Gefühle zu deuten. Typisch ist z.B. vor einer Prüfung, statt Angst zu haben, Durchfall zu bekommen. Gefühlsarme müssen lernen, dass Gefühle haben, nichts Schlimmes ist. Diese Erkenntnisse haben in jüngster Zeit die Behandlung von Gefühlsblinden dramatisch verändert.
Die Erkenntnis ist, dass Gefühlsblinde durchaus Gefühlsinformationen haben, diese aber abblocken, bevor es das Gehirn vollständig verarbeiten kann. Wie im vorherigen Kapitel erläutert, macht sich der Mensch ständig ein Bild seiner selbst und baut sich im Gehirn eine Art Karte seines Körpers zusammen. Wenn diese Gefühlsinformationen nun nicht in das Bewusstsein vorgelassen werden, können keine Gefühle empfunden werden.
Gefühle machen uns flexibel
Wo der Kopf lange Ketten von Für und Wider bildet, hat der Bauch ohne Angabe von Gründen längst entschieden. Urteile aus dem Gefühl speisen sich nicht aus logischen Schlüssen, sondern aus zwei Quellen, die beide aus der Vergangenheit entspringen: Intuition und Erfahrungen.
Emotionen entstanden im Lauf der Evolution, um auf einfache Fragen eine schnelle Antwort zu finden: soll ich vor den Angriff einer Schlange fliehen oder zum Gegenschlag ausholen. Die meisten Probleme, die wir Tag für Tag zu lösen haben, sind verwickelter. Eine schnelle Antwort aus dem Bauch macht viele zwischenmenschliche Schwierigkeiten nur noch schlimmer.
Erstaunlicherweise benötigen wir aber Gefühle, um überhaupt vernünftig handeln zu können. Das Gehirn trifft eine Entscheidung unter Berücksichtigung, wie wir uns in diesem oder jenen Fall wahrscheinlich fühlen würden. Wenn nun Gefühle fehlen, kann das Gehirn nicht vernünftig entscheiden. Selbst, wenn wir mit unserem Wissen Regeln durchschauen, nutzen wir dieses Wissen nicht, wenn die Gefühle nicht mit beteiligt sind. Obwohl Elliot alles mit seiner Intelligenz durchschaut hatte, die mangelnde Risiko-Furcht durch fehlende Gefühle hat seinen finanziellen Ruin bedeutet.
Eine Vorliebe für Tragik
Glück und Unglück sind Lehrmeister, mit denen die Natur uns erzieht. Das Vergnügen ist umso stärker, je mehr wir vorher Mangel gelitten haben. Diese Steuerung aus Lust und Unlust strebt aus biologischen Gründen danach, den Organismus im optimalen Betriebszustand zu halten. Deshalb überwiegt Schmerz fast immer alle anderen Affekte. Generell erleben wir negative Gefühle intensiver als positive und die unangenehmen Affekte werden auch leichter ausgelöst. Es ist leichter, uns mit einer traurigen Geschichte zu rühren, als uns mit einem lustigen Film zum Lachen zu bringen. Der Mensch hat eine Vorliebe für Tragik. Wir scheuen das Risiko stärker, als wir das Glück suchen.
Weshalb es das Glück nicht gratis gibt
Weil wir Glück oftmals nur noch als angenehmen Zustand verstehen, fällt es vielen nicht leicht, zu verstehen, was Glück wirklich bedeutet. Wir neigen dazu, Glück als Genuss ohne Vorgeschichte und ohne Kosten zu begreifen, nicht als einen Prozess. Das ist unrealistisch, wie die Wissenschaft jetzt belegt. Nach allem was wir heute über unsere Seele wissen, kann es positive Emotionen nicht gratis geben. Gute Gefühle sind kein Schicksal, man kann und muss sich darum bemühen.
Das Unglück kommt von allein, um das Glück müssen wir uns bemühen. Viele Menschen heute sehen das Glück als etwas Schicksalhaftes, als etwas, das von außen über uns kommt oder eben nicht. Aber schon Aristoteles schrieb: "Glück ist die Folge einer Tätigkeit". In einem aktiven Leben liegt das Geheimnis von Freude und Erfüllung. Die Neurowissenschaft bestätigt also unsere alten Denker.
(Der Artikel ist nicht kopiert, sondern eine von mir vorgenommene sehr komprimierte Zusammenfassung folgender Quellen: "Die Glücksformel" von Stefan Klein; Der Spiegel 1.12.03: "Blind für Wut und Freude" von Veronika Hackenbroch)
(Eric_Flausen)
Fortsetzung folgt!
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